Rezension:
"Dass es sie immer noch gibt, die Reisekünstler und die Reisekunst, zeigt das Buch des Pädagogen Hartmut von Hentig "Fahrten und Gefährten", dass man, gäbe es diese literarische Gattung, eine "Reisebiographie" nennen könnte. ... Ein fesselndes Buch, das sich nicht nur der weitläufigen Biographie des Autors, sondern in erster Linie natürlich seiner Kunst des Schreibens verdankt."
"Den Erzieher nicht als Gärtner, als Bildhauer, als Führer zu sehen, sondern als Wandergefährten, als Seefahrer, als Reisenden: das ist das pädagogische Credo dieser Reisekunst, einer ars viatica, deren Meister und Magister Hartmut von Hentig ist." (DIE ZEIT)
Kurzbeschreibung:
Siebzehn Beschreibungen von Reisen aus fünfzig Jahren - Aufzeichnungen, die Hartmut von Hentig nicht in erster Linie dazu dienen, das Erlebte festzuhalten, sondern es hervorzubringen scheinen: als Bereitschaft zur inneren Aufmerksamkeit. Da macht ein Reisender im weitesten Sinne des Wortes Erfahrungen, sucht die Spuren seiner Bildung; da verwandelt die Fahrt die Begleiter in Gefährten, von denen alles abhängt; da erprobt einer sich selbst, seine Fähigkeit zur Einsamkeit, die die Fähigkeit ist, für den anderen mitzuerleben, und seine Fähigkeit zur Gemeinsamkeit, die die Fähigkeit ist, sich und sein Erleben zurückzunehmen; da verrichtet einer vor den Augen des Lesers die schwierigste und zugleich alltäglichste Tätigkeit: Er übersetzt Wahrnehmung in Sprache; da denkt, liest, rätselt einer an seinen Beobachtungen - an Klöstern, Kalköfen oder Königsgräbern - entlang; da erinnert er sich, wie es hier (für ihn und andere) einst war, und ahnt voraus, wie es (für ihn und andere) später sein wird.
In zwei Essays - über das Wandern und über ein erfahrendes, "piratisches" Leben - versucht Hartmut von Hentig eine Annäherung an den Zusammenhang von "Fahren" und "Erfahrung", "Gefährte" und "Gefahr". "In einer meiner theoretischen Schriften habe ich einmal die Erziehung unter dem Bild der Seefahrt ausgelegt. Erziehung ist der Vorgang, durch den man zu leben lernt, und das Reisen, zumal das notwendig kooperative und nicht voll beherrschbare, den Elementen ausgesetzte Reisen zur See, ist dessen Abbild und Inbegriff."