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Berlin 1945. Das Ende.

   von Antony Beevor

buch.de-Verkaufsrang:
ISBN-10:
3-570-00369-8
ISBN-13:
978-3-570-00369-5
Erschienen:
09.2002
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Einband:
gebunden
Sonstiges:
16 Karten und Pläne, 24 Fototaf. 23,5 cm
Seitenzahl:
512
Gewicht:
1014 g
Erschienen bei:
Bertelsmann Verlag
Übersetzer: Helmut Ettinger

Leseprobe

Berlin im neuen Jahr Weihnachten 1944 hatten die Berliner, zermürbt von Bombennächten und schlechtem Essen, wenig zu feiern. Die Luftangriffe hatten große Teile der Reichshauptstadt in Schutt und Asche gelegt. Der mitunter schnoddrige Mutterwitz der Bewohner war einem rabenschwarzen Galgenhumor gewichen, der sich in einer »Empfehlung« zum Fest Ausdruck verschaffte: »Denk praktisch, schenk einen Sarg.« Genau zwei Jahre zuvor war die Stimmung in Deutschland umgeschlagen. Just zum Weihnachtsfest 1942 hatten Gerüchte die Runde gemacht, General Paulus' Sechste Armee sei an der Wolga eingeschlossen. Das Naziregime tat sich schwer einzugestehen, dass der schlagkräftigste Truppenteil der Wehrmacht in den Ruinen von Stalingrad und in der frostklirrenden Steppe ringsum dem Untergang geweiht war. Um das Land auf die schlechte Nachricht einzustimmen, hatte der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, eine »Deutsche Weihnacht« gefordert, was im Nazijargon Sparsamkeit und ideologische Entschlossenheit bedeutete, nicht Kerzen, Tannenbaum und »Stille Nacht«. Nun, 1944, war die traditionelle Weihnachtsgans nur noch eine ferne Erinnerung. Wo die Häuserfassaden eingestürzt waren, konnte man in Wohn- oder Schlafzimmer schauen, in denen noch die Bilder an den Wänden hingen. Die Schauspielerin Hildegard Knef sah ein Klavier verlassen in einer Zimmerecke stehen. Niemand kam an das Instrument heran, und sie fragte sich, wann es wohl in die Trümmer darunter stürzen werde. Familien hatten Nachrichten an rußgeschwärzte Häuserwände gekritzelt, damit ihre Wehrmachtsangehörigen, sollten sie von der Front heimkehren, wussten, dass ihre Verwandten am Leben waren, und sie diese finden konnten. Die Nazis dagegen drohten: »Plünderer werden mit dem Tode bestraft!« Die Luftangriffe, welche die Briten bei Nacht und die Amerikaner bei Tage flogen, waren inzwischen so häufig geworden, dass die Berliner mehr in Kellern und Luftschutzbunkern hockten als in ihren Betten lagen. Der fehlende Schlaf trug zu der merkwürdigen Mixtur von unterdrückter Hysterie und Schicksalsergebenheit bei. Die zahlreichen Witze, die damals kursierten, lassen darauf schließen, dass nicht mehr allzu viele Menschen fürchteten, wegen Defätismus bei der Gestapo denunziert zu werden. Die riesigen Lettern LSR für Luftschutzraum, denen man überall begegnete, wurden in »Lernt schnell Russisch« uminterpretiert. Etliche Berliner grüßten schon lange nicht mehr mit »Heil Hitler!« Als der Hitlerjunge Lothar Loewe, der längere Zeit nicht mehr in der Stadt gewesen war, mit dem Hitlergruß ein Geschäft betrat, wurde er verwundert angestarrt. Fortan benutzte er ihn nur noch im Dienst. Die meisten Leute sagten jetzt stattdessen: »Bleib übrig!« Gewitzelt wurde auch über die grotesken, zuweilen surrealen Orte, welche die Menschen häufig aufsuchen mussten. Der größte Luftschutzkeller Berlins war der Bunker am Zoo, eine riesige Festung des totalitären Zeitalters aus Stahl und Beton mit Flakbatterien auf dem Dach und gewaltigen Hallen, wohin die Berliner strömten, wenn die Sirenen aufheulten. Ursula von Kardorff erschien er in ihren Tagebuchaufzeichnungen »wie das Bühnenbild zur Gefängnisszene im :Fidelio9«. Auf den Wendeltreppen aus Beton umschlangen sich die Liebespaare wie bei der »Travestie eines Kostümfestes«. Jeder erwartete den Zusammenbruch des Staates, wie auch der persönlichen Existenz. Die Menschen gaben ihr Geld bedenkenlos aus, als werde es bald nichts mehr wert sein. Man erzählte sich von Mädchen und jungen Frauen, die sich in den dunklen Ecken am Bahnhof Zoo und im Tiergarten wildfremden Männern hingaben. Der Drang, die Unschuld zu verlieren, schien zu wachsen, je näher die Rote Armee der Hauptstadt kam. Die in blassblaues Licht getauchten Luftschutzkeller, in denen die Menschen Schutz suchten, in ihre wärmsten Kleider gehüllt, Kartons mit Thermosflaschen und belegten Broten unter dem Arm, erinnerten in der Tat an eine klaustrophobische Hölle. Theoretisch gab es dort alles

Kurzbeschreibung

Das Schicksal der deutschen Hauptstadt war spätesten seit Stalingrad besiegelt. "So wird auch Berlin aussehen!" prophezeite ein russischer Offizier deutschen Gefangenen mit Blick auf die Ruinen der einst blühenden Stadt. Und als die rote Armee im Januar 1945 die Grenzen des deutschen Reiches überschritt, hatte die Rache für millionenfaches Leid in Russland einen Namen und ein Ziel: Berlin. Ein beispielloser Rachefeldzug begann - Raub, Vergewaltigung, Tod standen auf der Tagesordnung, und sieben Millionen Menschen flohen westwärts. Auch in seinem neuen Buch gelingt es Antony Beevor, historischen Ereignissen Gesichter zu verleihen. Er erzählt anhand von neue Dokumenten, Interviews und Erinnerungen die Geschichten von Menschen, die den Alptraum vom Untergang Berlins und des deutschen Reiches durchlitten: Auf der Flucht, in den Todesmärschen aus den aufgegebenen KZs, in der Schlacht um die Stadt. Dabei kontrastiert er das Elend und die Verzweiflung von Zivilisten und Soldaten auf beiden Seiten mit den militärischen Strategien und den Vorgängen im "Führerbunker". Beevors Buch über das Sterben von Hitlers Berlin ist eine erschütternde Geschichte über Dummheit und Fanatismus, über Rache und Unmenschlichkeit; aber es erzählt auch von Mitgefühl und Überleben unter unglaublichsten Umständen.



Mehr über...
  • Mehr über:  Berlin / Geschichte (bis 1945), Berlin /Neuere Geschichte, Weltkrieg II, Kriegsende 1945, Berlin, Geschichte; Militär-/Kriegs-Geschichte
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  • Mehr von:  Antony Beevor, Bertelsmann, C., Jugendbuch (Omnibus)


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