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Ein Ort fernab der Welt. btb, Band 72762

   von Jean-Marie G. Le Clézio, Jean-Marie Gustave Le Clézio

buch.de-Verkaufsrang:
ISBN-10:
3-442-72762-6
ISBN-13:
978-3-442-72762-9
Erschienen:
10.2008
Ist nicht mehr lieferbar.
Aus der Reihe:
«btb»
Einband:
kartoniert/broschiert
Sonstiges:
19 cm
Seitenzahl:
471
Gewicht:
387 g
Auflage:
2. Auflage
Erschienen bei:
BTB
Übersetzer: Uli Wittmann

Kurzbeschreibung

Ein poetischer Abenteuerroman vom Literatur-Nobelpreisträger 2008<br />
<br />Poetischer Roman, Familiensaga und Abenteuergeschichte in der Tradition Joseph Conrads und R.L. Stevensons in einem, führt "Ein Ort fernab der Welt" den Leser auf eine kleine tropische Insel vor Mauritius im Indischen Ozean. Eine Insel, die für die Protagonisten Hölle und Paradies zugleich bedeutet<br />
<br />Im Jahr 1891 fahren die Brüder Archambau nach Mauritius in die Heimat ihrer Familie. Auf der Schiffsreise, die über Aden führt, wo der Arzt Jacques den todkranken Dichter Rimbaud behandelt, brechen die Pocken aus. Die Passagiere, Europäer und indische Kulis, dürfen deshalb in Mauritius nicht von Bord, sondern werden auf einer nahen, von Indern bewohnten Insel unter Quarantäne gestellt. Zwischen den verschiedenen Gruppen brechen bald unerträgliche Spannungen aus. Nur Léon, tief beeindruckt von der persönlichen Begegnung mit dem großen Rimbaud, dem Dichter des "Trunkenen Schiffs", fühlt sich nicht eingeschlossen. Er erfährt die Insel und die Weite des Meers als Befreiung und seine Liebe zu der jungen Inderin Suryavati als Aufbruch in ein neues Leben. <br />
<br />In drei kunstvoll miteinander verwobenen Handlungssträngen, die von der Gegenwart bis weit in die Kolonialzeit reichen, erzählt Le Clézio in wunderbar klarer Sprache die Geschichte der Familie Archambau und entführt den Leser in eine fremde, exotische Welt.<br />
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Beschreibung

Poetischer Roman, Familiensaga und Abenteuergeschichte in der Tradition Joseph Conrads und R.L. Stevensons in einem, führt Ein Ort fernab der Welt den Leser auf eine kleine tropische Insel vor Mauritius im Indischen Ozean. Eine Insel, die für die Protagonisten Hölle und Paradies zugleich bedeutet§§Im Jahr 1891 fahren die Brüder Archambau nach Mauritius in die Heimat ihrer Familie. Auf der Schiffsreise, die über Aden führt, wo der Arzt Jacques den todkranken Dichter Rimbaud behandelt, brechen die Pocken aus. Die Passagiere, Europäer und indische Kulis, dürfen deshalb in Mauritius nicht von Bord, sondern werden auf einer nahen, von Indern bewohnten Insel unter Quarantäne gestellt. Zwischen den verschiedenen Gruppen brechen bald unerträgliche Spannungen aus. Nur Léon, tief beeindruckt von der persönlichen Begegnung mit dem großen Rimbaud, dem Dichter des Trunkenen Schiffs , fühlt sich nicht eingeschlossen. Er erfährt die Insel und die Weite des Meers als Befreiung und seine Liebe zu der jungen Inderin Suryavati als Aufbruch in ein neues Leben. §§In drei kunstvoll miteinander verwobenen Handlungssträngen, die von der Gegenwart bis weit in die Kolonialzeit reichen, erzählt Le Clézio in wunderbar klarer Sprache die Geschichte der Familie Archambau und entführt den Leser in eine fremde, exotische Welt.

Leseprobe

Plötzlich tauchte er im verräucherten, von Öllampen beleuchteten Raum auf. Er riss die Tür auf, und einen Augenblick hob sich seine Silhouette in der Dunkelheit vor dem Eingang ab. Jacques hat es nie vergessen. So groß, dass sein Kopf fast den Türrahmen berührte, die Haare lang und struppig, das Gesicht sehr hell und mit kindlichen Zügen, seine langen Arme und breiten Hände, sein Körper in eine zu knappe, hochgeknöpfte Jacke gezwängt. Vor allem diese verstörte Miene, dieser verkniffene, von Trunkenheit getrübte Blick voller Bosheit. Regungslos blieb er an der Tür stehen, als zögere er, dann stieß er Schimpfworte, Drohungen aus, ballte die Fäuste. Es wurde still im Raum.§Ich denke daran, wie mein Großvater zum ersten Mal Rimbaud gesehen hat. Das muss Anfang 1872 gewesen sein, im Januar oder Februar. Ich kann das Datum an Amalias Todestag und am Besuch von Major William in dem Beerdigungsunternehmen und Devotionaliengeschäft feststellen, das sich im Erdgeschoss seines Hauses in der Rue Saint-Sulpice befindet. Nach ihrem Bruch mit dem Patriarchen, ihrer Vertreibung aus Gut Anna und ihrer Abreise aus Mauritius gegen Ende 71 hatten Antoine und Amalia eine Wohnung in Paris im Viertel Montparnasse genommen. In jenem Winter herrschte in Paris eine tödliche Kälte, in der Seine schwammen Eisschollen. Amalia hatte sich noch nicht richtig von dem Fieber erholt, an dem sie nach Léons Geburt gelitten hatte. Vielleicht war sie durch den Streit mit Alexandre noch anfälliger geworden. Sie starb in den letzten Januartagen an einer Lungenentzündung. Léon war noch kein Jahr alt. Mein Großvater Jacques war knapp neun. Als er seinen Onkel William begleitete, muss er in das Café an der Ecke Rue Madame / Rue Saint-Sulpice gegangen sein. Der Onkel dachte wohl, dass Jacques noch zu klein sei, um in dem Geschäft einen Kranz auszusuchen. Er ließ ihn vor einer Schale Glühwein in dem Bistro zurück.§Es war das erste Mal, dass Jacques Mauritius verlassen hatte. In Frankreich kam ihm alles herrlich und erschreckend vor, die fünfstöckigen Häuser, das Rattern der Kutschen auf dem Pflaster, die Züge, die öffentlichen Bäder in Montparnasse mit ihren hohen Schornsteinen, die schwarzen Rauch in den grauen Himmel spien, die Schneewehen an den Parkrändern und vor allem die Menschen, die dicht gedrängte Menge, die sich stoßend und drängelnd vorwärts schob. Die Männer hatten blasse, bärtige Gesichter, Hüte wie Ofenrohre, pelzgefütterte Umhänge, Spazierstöcke, Gamaschen. Die Frauen trugen unzählige Lagen von Röcken, Miedern, Kleidern und Mänteln übereinander, und auf ihren kleinen Köpfen mit den dicken Haarknoten waren sonderbare, schleierbesetzte Hüte mit Nadeln festgesteckt. Jacques musste sich an Onkel William drücken, seine kleine Hand wurde von der Pranke des Riesen fast zerquetscht. Er verstand den seltsamen Akzent der Leute in dieser Stadt nicht, wusste nicht auf die Fragen seiner kleinen Nachbarinnen zu antworten. Sie sagten: »Wie kann man nur so blöd sein!« Sie nannten ihn einen Dummkopf, einen komischen Kauz. Die letzten Tage vor dem Tod seiner Mutter verbrachte er von morgens bis abends mit Onkel William. Es war furchtbar für ihn, hören zu müssen, wie seine Mutter erstickte, und zu sehen, wie ihr bleiches Gesicht und ihr schönes schwarzes Haar in Strähnen auf dem Kopfkissen lag. Antoine war völlig gebrochen. In der letzten Woche erkannte Amalia weder ihren kleinen Jungen noch das Baby. Sie phantasierte. Sie glaubte, sie sei in das Haus ihres Vaters am Ufer des Hugli zurückgekehrt und halte auf der Veranda Ausschau nach dem Regen.§Major Charles William war in die kleine Wohnung über der Devotionalienhandlung in der Rue Saint-Sulpice gezogen, um an der Seite Amalias zu sein - der Eurasierin, wie man sie in der Familie nannte. Seit sein Bruder sie während des Aufstands der Sepoy in der Nähe von Allahabad, wo sie durch die Wälder irrte, aufgelesen hatte, gehörte sie zu seiner Familie..."

Rezension

"Einer der letzten klarsichtigen Zauberer der heutigen Literatur." Brigitte

Portrait

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde 1940 in Nizza geboren und studierte in Frankreich und England Literatur. Er veröffentlichte über dreißig Bücher - Romane, Erzählungen und Essays. Der promovierte Literaturwissenschaftler zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftstellern. 2008 wurde Jean-Marie Gustave Le Clézio der Nobelpreis für Literatur verliehen.

Jean-Marie Gustave Le Clézio wurde 1940 in Nizza geboren und studierte in Frankreich und England Literatur. Er veröffentlichte über dreißig Bücher - Romane, Erzählungen und Essays. Der promovierte Literaturwissenschaftler zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftstellern. 2008 wurde Jean-Marie Gustave Le Clézio der Nobelpreis für Literatur verliehen.



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