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Beschreibung... damit Sie mitreden können ... Birgit Althans' Expedition in die Kulturgeschichte des Klatsches zeigt, dass Klatsch - ob in der Firma oder am Gartenzaun - genauso wie der Genuss, stets dem rationalen Zugriff entzogen bleibt. Inhaltsverzeichnis
Aus dem Inhalt:
Einleitung Wasch & Klatsch: Wortgeschichte und Gender-Konstruktion Wortgeschichten: Klatsch-Verwandtschaften und Luthers "mit dem Maule waschen" Die Geschichte des Waschens als Geschichte vom Klatsch, den Frauen und dem Sprechen bei der Arbeit Orale Traditionen und das Verschwinden der Arbeit in den Augen der Beobachter Was die Wäscherinnen wissen: Klatsch und soziale Kontrolle Wäscherinnengewerbe: Die Erotik des Geschäfts mit der schmutzigen Wäsche Schlußfolgerungen Sprechen als Arbeit: Die Genese des männlichen Kaffee(haus)klatsches oder die Rationalisierung des Klatsches Vom Klatsch der Waschweiber über das Kaffeehausgerede zu den modernen Institutionen der Informationsversorgung Rationalisierungsprozesse: Religion, Geschäftserfolg und männliche Selbstkontrolle Rationale Lebensführung und religiös motivierte Adaption oraler Kulturen: Wie die Ostfriesen zum Tee bekehrt wurden Kaffeehäuser und Klatsch: Umschlagplatz für Literatur, Wissenschaft und Neuigkeiten Ration alisierung des Klatsches: Seeversicherungen, Politik und die news-Kanzel bei Lloyds Kaffeehausklatsch als Gefahr für "the credit of the tradesman" Schlußfolgerungen Credit-Diskurse: Public Credit and the Rise of the Novel als Verschränkung der männlichen Finanzwelt mit dem weiblichen Imaginären Die Konstruktion des Public Credit: Das Problem der Materialität des Geldes und des Kredits Defoes Lady Credit als Supplement des Geldes und als Mistress der Nation Der Public Credit der Politiker und ihr Ärger mit dem Klatsch der weiblichen party-hacks Moll Flanders, Roxana und Pamela - Ladies of Pleasure, Women of Business und die belohnte Tugend Die Folgen: Die Frau, das wehrhaft tugendhafte Wesen Schlußfolgerungen Die Aufklärung und der Klatsch: Pädagogische und ökonomische Konstruktionen Diderot: Lokalisierung des Klatsches als Sprechen des weiblichen Sex und Probleme mit dem weiblichen Genießen Rousseau und die Ökonomien des Oralen Die deutsche Rousseau-Rezeption, die Erziehung der T ochter und die weibliche Kritik am Kaffeekränzchen Die Hysterikerinnen, die Psychoanalyse und der Klatsch Schlussfolgerungen Der Klatsch in der Organisationstheorie Taylor und der Kampf des Scientific Management mit den oralen Traditionen der Arbeiter/innen Die Hawthorne-Experimente, der Human-Relations-Diskurs und der Klatsch Ein anderes Feld des Sprechens: Bataille und Lacan zu den amerikanischen Praktiken der Objektivierung und zum (weiblichen) Genießen Schlussfolgerungen Ausblick Literatur und Quellen Abkürzungen Kurzbeschreibung
Nicht nur die nach Quoten strebenden Fernsehmacher und die Vertreiber derneuen Informationstechnologien begrüßen den Trend zur Geschwätzigkeit.Auch Manager aus anderen Sparten rechnen sich Vorteile für das informelleZirkulieren von potenziell verwertbaren Informationen aus. In einer Zeit,in der »Kommunikation« alles ist, scheint der Klatsch sogar bisweilen positivbewertet, als Informationsmedium instrumentalisiert und geschlechtlichneutralisiert zu werden. Dies ist insofern bemerkenswert, als dass derKlatsch bis vor kurzem noch als Zeitverschwendung der Arbeitnehmer undbesonders der Arbeitnehmerinnen bekämpft wurde. Gerade der weibliche Klatschgalt als müßig und respektlos, »vernünftiger« Kommunikation nicht zugänglichund dem Irrationalen verhaftet - typisch weiblich eben. Die erstaunlicheKarriere dieses Phänomens war für Birgit Althans Grund genug, eine Kulturgeschichtedes Klatsches zu schreiben. Sie beginnt auf den Waschplätzen, auf denenFrauen mit klatschenden Schlägen schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeitwuschen und dabei lauthals über die sexuellen Ursprünge der Schmutzfleckender abwesenden Wäscheträger spekulierten. Der Klatschgenuss kompensiertedie langwierige und monotone Arbeit und brachte so eine orale Kultur vonFrauen hervor. Vom Waschplatz aus führt uns die Autorin in die englischenKaffeehäuser - den Orten des männlichen, vermeintlich »seriösen« Klatsches- in die französischen Salons und die deutschen Erziehungsanstalten des18. Jahrhunderts. Danach passieren wir die Couch Sigmund Freuds und landenschließlich bei der frühen amerikanischen Managementkultur des 20. Jahrhunderts.Doch ob Diderot, Rousseau, Freud oder die Väter des modernen ManagementsFrederick Taylor und Elton Mayo - sie alle scheiterten im Versuch, denKlatsch der Frauen in den Griff zu bekommen oder ihn als Informationsnetzwerkzu instrumentalisieren. Birgit Althans zeigt, warum sich der Klatsch nichtrationalisieren lässt. Sie definiert ihn als orale Tradition von Frauenund als weibliches Genießen, als genüssliches Sprechen über Abwesende,das sich als solches der rationalitätsfixierten Analyse und dem »vernünftigenSprechen« entzieht. Produktiv nutzbar ist der Klatsch allerdings sehr wohl,denn indem man lernt, ihn zu erkennen, lässt er sich auch rechtzeitig alsBasis von Gefahren - z.B. Mobbing - wahrnehmen. Birgit Althans, Dr. phil.,ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Pädagogikder Freien Universität Berlin.
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