Kurzbeschreibung:
Die weltberühmten fünf Freunde: Anne, Georg (die eigentlich Georgina heißt), Richard, Julius und Tim, der Hund. Alle 21 Bände der erfolgreichsten Serie von Enid Blyton, neu bearbeitet von Elisabeth Lang. Richard und Anne haben sich auf der Suche nach dem Blauweiherhof im Regen verirrt. Es ist schon dunkel. als sie ihr Ziel endlich erreichen - erschöpft schlafen sie sofort ein. Um Mitternacht wacht Richard auf, jemand ruft nach ihm. Verwunder hört er folgende Nachricht: "Hohe Eiche, Schwarzer See, Freche Franziska, Grete weiß alles." Ein Zettel flattert durch das Fenster, und ein neues Abenteuer der fünf Freunde beginnt.
Leseprobe:
Ein Brief von Julius
»Anne!«, rief Georg und lief ihrer Kusine hinterher, die gerade ins Klassenzimmer gehen wollte. »Anne, ich war gerade beim Postbrett unten. Hier ist ein Brief von deinem Bruder Julius für dich.«
Anne blieb stehen. »Ah, danke! Aber er hat doch erst vor ein paar Tagen geschrieben. Sicher ist es etwas Wichtiges.«
»Dann mach doch den Brief schnell auf! Beeil dich aber, die Mathestunde fängt gleich an!«, drängte Georg. Anne riss den Umschlag auf und las den Brief schnell durch. Dann strahlte sie Georg an. »Stell dir vor, Julius und Richard haben ein paar Tage schulfrei, zur selben Zeit wie wir. Ihre Klasse hat einen Preis gewonnen, sie bekommen dafür anschließend an das Wochenende zwei schulfreie Tage und möchten mit uns gemeinsam eine Wanderung unternehmen.«
»Eine großartige Idee!«, rief Georg. »Ich bin sofort dabei. Komm, lass mich den Brief mal lesen.« In diesem Augenblick kam eine Lehrerin auf sie zu. »Georgina, du solltest schon längst in deiner Klasse sein, und du auch, Anne!« Georg verzog das Gesicht. Sie hasste es, wenn man sie mit ihrem vollen Namen rief. Wortlos ging sie weiter. Anne steckte den Brief in ihre Jackentasche. Ein paar Tage Ferien mit ihren Brüdern Julius und Richard - und natürlich mit Georg und Tim, dem Hund. Konnte es etwas Schöneres geben?
Nach dem Unterricht unterhielt sie sich wieder mit Georg darüber. »Wir haben von Freitag früh bis Dienstagabend frei«, sagte Georg. »Genauso lange wie die Jungen. Glück muss man haben! Sonst haben die doch im Winterhalbjahr kein verlängertes Wochenende.«
»Sie können nicht heimfahren, weil die Anstreicher in unserem Haus sind«, erklärte Anne. »Deshalb wollte ich mit dir fahren. Deine Mutter wird nichts dagegen haben, wenn wir mit Julius und Richard eine Wanderung machen. Dein Vater mag sowieso nicht, wenn wir mitten im Schuljahr kommen.«
»Stimmt, er steckt immer so tief in seiner Arbeit und will nicht gestört werden. Es ist bestimmt das Beste, wir unternehmen einen Ausflug.«
»Julius will uns heute Abend anrufen und alles mit uns besprechen«, sagte Anne.
»Hoffentlich haben wir schönes Wetter! Jetzt im Oktober kann man noch mit etwas Sonnenschein rechnen. Die Laubwälder sind im Herbst so wunderschön«, schwärmte Georg. »Tim wird sich freuen! Komm, wir wollen ihm schnell diese Neuigkeit erzählen!«
In der Internatsschule, die die beiden Mädchen besuchten, war es den Kindern erlaubt, ihre Lieblingstiere mitzubringen. Unten im Schulhof befanden sich mehrere Zwinger für die Hunde; auch Tim war dort während der Unterrichtszeit untergebracht. Die beiden Mädchen gingen zu ihm hinunter.
Tim erkannte sofort ihre Schritte, fing aufgeregt zu bellen an und kratzte am Tor des Zwingers. Wenn er nur gewusst hätte, wie man diese verflixte Tür öffnete!
Er stürzte sich auf die beiden Mädchen, sprang an ihnen hoch, leckte sie ab und jaulte vor Freude.
»Dummer Hund, alberner Hund«, begrüßte Georg ihn und klopfte ihm freundschaftlich auf den Rücken. »Hör zu, Tim, wir fahren dieses Wochenende mit Julius und Richard weg. Was sagst du dazu? Wir machen alle miteinander einen Ausflug, das wird dir gefallen! Durch viele Wälder und über viele Berge werden wir wandern, weit, weit weg.«
Tim schien alles zu verstehen. Er spitzte die Ohren, legte den Kopf zur Seite und lauschte gespannt auf jedes Wort, das Georg sprach.
»Wau«, machte er endlich, als ob er alles genau begriffen hätte. Dann lief er schwanzwedelnd mit den beiden Mädchen davon. Er mochte natürlich die Schulzeit lange nicht so wie die Ferien, aber er fand sich mit dem Leben im Zwinger ab, weil er in der Nähe seiner geliebten Georg sein durfte!
Wie versprochen rief Julius am Abend an. Er hatte bereits den Marschplan fix und fertig. Anne hörte ihm aufgeregt zu.
»Das klingt großartig!«, rief sie. »Ja, dort können wir uns treffen, wir werden so pünktlich wie möglich sein. Ehrensache, wer zuerst da ist, wartet. Selbstverständlich, wir bringen die Sachen mit. Klar wird das ein Spaß!«
»Was hat er gesagt?«, erkundigte sich Georg ungeduldig, als Anne endlich den Hörer aufgelegt hatte. »Warum hab ich nichts sagen dürfen? Ich hätte ihm gern was von Tim erzählt.«
»Er wollte nicht so viel Geld ausgeben, aber er hat nach ihm gefragt und freut sich, dass es ihm gut geht, das ist alles, was er von ihm wissen wollte. Julius hat schon den Marschplan vorbereitet, komm, lass dir erzählen!«
Die beiden Mädchen setzten sich in eine Ecke des Gemeinschaftsraums. Auch Tim war mit dabei. Das war ihm und noch drei anderen Hunden erlaubt worden. Die Hunde benahmen sich vorbildlich, denn jeder wusste, dass er sonst sofort wieder in seinen Zwinger gebracht werden würde.
»Julius sagt, dass er und Richard ebenso wie wir gleich nach dem Frühstück wegfahren können«, berichtete Anne. »Wir sollen möglichst wenig mitnehmen, nur das, was wir für die Nacht brauchen. Proviant können wir unterwegs kaufen. Hast du noch etwas Geld übrig, Georg?«
»Nicht viel«, antwortete Georg. »Aber es wird schon langen.«
»Julius hat eine ziemlich anstrengende Wanderung vor. Wir können leicht müde werden, wenn wir zu viel mitschleppen.«
Georg nickte und streichelte Tim. »Das wird ein weiter, weiter Marsch, Tim. Genau das Richtige für dich.« Tim knurrte zufrieden.
Anne und Georg gingen zu ihrer Heimleiterin, um ihr zu melden, dass sie eine Wanderung vorhatten. »Mein Bruder sagte, sie hätten alles mit ihm geregelt.«
»Ihr werdet sicher ein paar schöne Ferientage verleben«, sagte Fräulein Peters. »Besonders bei diesem Wetter. Wohin wollt ihr denn wandern?«
»Durch die Heide«, erzählte Anne. »Und zwar in die einsamste Gegend, die Julius finden konnte. Ganz bestimmt sehen wir Wild und Raubvögel und vielleicht sogar einen Dachs! Stundenlang werden wir unterwegs sein.«
»Wo wollt ihr denn in einer so einsamen Gegend übernachten?«, erkundigte sich Fräulein Peters.
»Darum hat sich Julius schon gekümmert«, sagte Georg. »Wir werden in Dorfwirtshäusern und bei Bauern übernachten. Es ist schon zu kalt, um draußen zu schlafen. Und außerdem, so viele Nächte sind's ja nicht.«
»Passt nur schön auf, dass euch nichts passiert! Tim nehmt ihr doch mit, nicht wahr?«
»Selbstverständlich«, erwiderte Georg. »Ohne ihn würde ich auf keinen Fall gehen. Ich brächte es nicht übers Herz, ihn allein hier zu lassen.«
Als es endlich Freitag war, hatten die beiden Mädchen bereits alles vorbereitet. Sogar ein paar Nüsse und Schokoladentafeln steckten in den Rucksäcken.
»Wir dürfen die Hundekuchen für Tim nicht vergessen«, sagte Georg. »Er braucht auf jeden Fall etwas zum Fressen.«
»Wer weiß, wann wir heute zu Mittag essen werden«, meinte Anne.
Nach dem Frühstück, das ihnen trotz des Reisefiebers gut geschmeckt hatte, nahmen sie ihre Rucksäcke, verabschiedeten sich von Fräulein Peters und liefen zu Tim, der schon ungeduldig auf sie wartete.
Im Nu sprang er aus dem Zwinger und machte vor Freude so hohe Luftsprünge, dass er sich fast die Pfoten verstaucht hätte.
»Auf Wiedersehen, Anne und Georg!«, rief eine Schulkameradin. »Gute Fahrt, und erzählt uns bloß nicht am Dienstag, ihr hättet wieder einmal ein haarsträubendes Abenteuer erlebt! Wir werden euch kein einziges Wort glauben!«
Autorenportrait:
Enid Blyton, 1897 in London geboren, begann im Alter von 14 Jahren, Gedichte zu schreiben. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1968 verfasste sie über 700 Bücher und mehr als 10.000 Kurzgeschichten, die in über 40 Sprachen übersetzt wurden. Bis heute gehört Enid Bl