Kurzbeschreibung:
"In Cechov begegnete mir ein Geist, der mir außerordentlich zusagte. Er war ein geformter Charakter; keine wilde Kraft wie Dostojewskij, die den Leser verblüfft, inspiriert, erschreckt und verwirrt, sondern ein Autor, mit dem man rasch vertraut wurde. Ich hatte den Eindruck, daß er besser als irgendein anderer das Geheimnis Rußland aufdeckte. Er besaß große Reichweite und eine unmittelbare Lebenskenntnis. Bei Cechov denkt man nicht daran, daß man Erzählungen liest. Es fällt nichts geschickt Konstruiertes darin auf, und man wäre versucht zu glauben, daß jedermann sie schreiben könnte, wenn nicht die Tatsache bestünde, daß es keinem gelingt. Der Autor geht von einem starken Gefühl aus und vermag es so in Worte zu fassen, daß es auf den Leser übergreift. Man wird sein Mitarbeiter. Der abgedroschene Ausdruck "ein Stück Leben" läßt sich auf Cechovs Geschichten nicht anwenden; denn ein Stück ist ein abgetrennter Teil, und gerade diesen Eindruck gewinnt man beim Lesen nicht; jede seiner Erzählungen ist eine Szene, von der man weiß, daß sie weitergeht, obwohl man nur einen Ausschnitt davon sieht."
W. Somerset Maugham
Autorenportrait:
Anton Cechov wird 1860 in Taganrog (Südrußland) geboren. Die Familie lebt in Armut. Die Kinder müssen um fünf Uhr aufstehen und vor der Schule im Laden arbeiten. Doch bald schon verdient Anton sein eigenes Geld: Er erfindet Geschichten, die in der Zeitung gedruckt werden. Später wird er Arzt und ein weltberühmter Schriftsteller. Er starb 1904 in Deutschland, in Badenweiler.