Äußerer Rahmen dieser >>Lebensnotizen<< ist eine Zugfahrt im Schlafwagen.
Davon ausgelöst bzw. darin aufgehoben sind Empfindungen, Erinnerungen,
Selbstbefragungen des Bewusstseins und des traumähnlichen Halbbewusstseins
der Ich-Figur. Diese Selbstbeobachtung geschieht aus dem Geist einer Veränderung,
einer Irritation, ausgelöst durch das eigene Älterwerden. Schonungslos
werden die Anzeichen des Alterns beschrieben, die körperlichen wie die
geistigen. Zu beinahe jeder Beobachtung existiert aber ein Gegenteil: Dem
Hang nach Abgrenzung und Einsiedelei steht z. B. ein übergroßes Anpassungsbedürfnis
gegenüber. Außerdem wird auf vergangene Zeiten verwiesen; das Ich erkennt
Kontinuitäten. Hauptlebensthemen der Erzählerin sind Natur, Liebe und Kunst,
diesen ist sie >>verfallen<<. Zwei Liebesbeziehungen sind in dem Text zentral:
die zu Julian, dem aktuellen Lebenspartner, und die zu Lerch, einer wohl
vergangenen Liebe. Kunst ist v. a. das eigene Schreiben, die Quelle von
Euphorie, von Trost, ein unabdingbares Lebensprinzip. Schreiben und Leben,
Ich und Welt, stehen als Pole in einem ständigen Spannungsverhältnis.
Die Reise durch die Nacht ist die ebenso zauberische wie erbarmungslose Geschichte der Reise in eine vergehende Zeit.
"Friederike Mayröcker stellt ihren Leser vor allerhand Rätsel, aber aus den geläufigen Gegenständen derzeit inflationärer autobiographischer Prosa wie Krankheit, Altern und Kindheitserinnerungen, denen auch sie sich ausliefert, schält sich in ihren Aufzeichnungen deren Hauptthema, die Einheit von Leben und Schreiben, immer wieder heraus." (Hans Christian Kosler FAZ)
Friederike Mayröcker, Jahrgang 1924, ist eine besessene Vielschreiberin und Sprach-Experimentiererin, die mit den Methoden der freien Assoziation und der surrealistischen Collage arbeitet und deren dichterisches Werk über 80 Bände umfasst. 2009 wurde sie mit dem Hermann-Lenz-Preis geehrt, im Jahr 2010 wird ihr der Horst-Bienek-Preis für Lyrik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen.
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