Das Buch John Rabe. Der gute Deutsche von Nanking stellt den Hamburger Überseekaufmann vor, der von 1908 bis 1938 in China gelebt hatte, zuletzt als Leiter der Siemensvertretung in Nanking, der dort für 250 000 Chinesen eine Zufluchtsstätte vor dem japanischen Massaker einrichtete, nach seiner Rückkehr in Deutschland von der Gestapo verhaftet wurde, Schweigegebot erhielt und nach dem Kriege verarmt starb. In Deutschland ist er bisher unbekannt, in China aber ein Held. Als die Tagebücher kürzlich in den USA ausgestellt wurden, war das eine Sensation. Die New York Times berichtete in zwei langen Artikeln beeindruckt von 'dem Nazi, der sein Hakenkreuz benutzte, um Menschenleben zu retten' und nannte ihn den Oskar Schindler von China. Der Herausgeber Erwin Wickert, der als Student im Jahr 1936 einige Zeit in seinem Haus wohnte, hat ihn als sympathischen, allseits beliebten, humorvollen, hilfsbereiten, aber keineswegs besonders auffälligen Menschen kennengelernt. Ein Jahr später jedoch, als japanische Truppen in ihrem Eroberungskrieg Chinas damalige Hauptstadt Nanking eroberten, wuchs John Rabe weit über seinen Kaufmannsberuf hinaus. Von den Ausländern Nankings einstimmig zum Vorsitzenden eines Komitees gewählt, errichtete er zusammen mit amerikanischen und zwei deutschen Freunden in Nanking eine Sicherheitszone für 250 000 Chinesen. Mitten in dem Chaos der japanischen Besetzung war er monatelang faktisch Bürgermeister einer Großstadt. Die Chinesen erklärten ihn damals zum 'Lebenden Buddha'. Vor kurzem holten sie seinen Grabstein aus Berlin und stellten ihn in einer Gedenkhalle in Nanking auf. Das Buch schildert John Rabe und seine Zeit aus seinen Tagebüchern, aus diplomatischen Berichten, Dokumenten, Pressemeldungen, Zeugnissen von Zeitgenossen und durch Auszüge aus seinen Protesten bei den Japanern über die Greueltaten der Truppen, die wochenlang plündernd, mordend, vergewaltigend und brandstiftend durch die Stadt zogen. 'Wir sind in jenen Dezembertagen buchstäblich über Leichen gestiegen,' schreibt John Rabe, 'fast ein jeder von uns stand dutzendmal in Gefahr ermordet zu werden. Ich hatte keine andere Waffe als mein Parteiabzeichen und meine Armbinde mit dem Hakenkreuz.' John Rabe wurde einige Monate nach dem Einmarsch der Japaner gegen seinen Willen von seiner Firma nach Berlin zurückbeordert. Als er dort in Vorträgen das Massaker der Japaner schilderte, verhaftete ihn die Gestapo und beschlagnahmte seine Tagebücher sowie einen Film über die Greuel. Seine Firma beschäftigte ihn nur noch in subalternen Positionen. Nach dem Krieg wurde seine Entnazifizierung zunächst abgelehnt. Seine Firma zögerte, ihn wieder einzustellen. Er hielt sich lange Zeit durch Gelegenheitsarbeiten am Leben, hungerte, erkrankte und hatte resigniert. 'In China ein Lebender Buddha' schrieb er in seinem von Erwin Wickert gefundenen späten Tagebuch, 'hier ein Pariah, ein Outcast. Da kann man schon vom Heimweh kuriert werden.' Er starb in Armut, öffentlich unbekannt, 67 Jahre alt, im Januar 1950 in Berlin.
John Rabe (1882-1950) lebte von 1908 bis 1938 in China, zuletzt als Vertreter eines deutschen Konzerns in Nanking. Hier erlebte er 1937 die Eroberung der Stadt durch japanische Truppen - Beginn unvorstellbarer Massaker, dem Hunderttausende von Chinesen zum Opfer fielen. Rabe stand an der Spitze jener, die verzweifelt um das Leben von Zivilisten, von Frauen und Kindern kämpften. Seine Tagebücher, nach über einem halben Jahrhundert in Deutschland aufgefunden, beschreiben die Vorgänge in Nanking und schildern zahlreiche Einzelschicksale. Sie wurden, ergänzt durch Aktenberichte des Auswärtigen Amtes, von Erwin Wickert herausgegeben.
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