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Die politische Zunge

von Uwe Pörksen (Buch)

  • ISBN:3-608-94055-3
  • EAN:9783608940558
  • Veröffentlichungsdatum:September 2002
  • Gewicht in g:338
  • Seiten:160

Leseprobe:

"Politik ist Machterhalt. Aber Machterhalt ist noch nicht Politik. Was ist Politik dann? Es ist die These dieses Buches, dass eben das wenig sichtbar ist und das die politische Rede das geeignete Instrument ist, es wieder sichtbar zu machen: das Politische, pointiert gesagt, wieder zu erfinden. In Zeiten des Wahlkampfs geht es um Machterhalt oder Machtgewinn, und zwar zwingend. Es ist nicht überraschend, wenn das Politische da verschwindet unter schmutziger Wäsche, Skandalen, Mut machenden Prognosen, wenn es andrerseits auf eine Minimalaussage schrumpft. Bilder sehen uns an. Ein strahlender Hoffnungsträger, links eine Drohkurve (sinkendes Wirtschaftswachstum), rechts eine Verheißungskurve (Anstieg der Wirtschaftskompetenz). Ein zweiter strahlender Hoffnungsträger, links eine Verheißungskurve (leichtes Abflauen der Arbeitslosigkeit), rechts eine zweite Verheißungskurve (leichter Anstieg des Wirtschaftswachstums...) Das ist nicht einmal ein Minimalprogramm ..."

Kurzbeschreibung:

Im Bundestag und im Wahlkampf, auf Aktionärsversammlungen und Kongressen, an Gedenktagen und Jahreswechseln: Wir hören sie reden, die Politiker, Bosse, Interessenvertreter. Doch sind nicht heute Begriffe wie Medienpräsenz oder politisches Design wichtiger als der Inhalt einer Rede? Was ist im TV-Zeitalter aus dieser alten Kunst geworden? Und was überhaupt ist eine gute Rede? An berühmten oder signifikanten Beispielen geht Uwe Pörksen diesen Fragen nach: Abraham Lincolns Gettysburg- Rede, Otto Wels' Rede gegen das Ermächtigungsgesetz 1933, Richard von Weizsäckers Gedenkrede zum 40. Jahrestag der Kapitulation. Es zeigt sich, daß die politische Rede, das Argumentieren im Öffentlichen Diskurs das Wesen der Demokratie ausmacht. Doch ist dieser Diskurs gefährdet: Überschwemmt von der Bilderflut der Medien, ausgehöhlt durch ein Nachlassen der sprachlichen Verbindlichkeit, an den Rand gedrängt durch eine in zahllose Einzelinteressen zerfallene Öffentlichkeit.
Ein engagierter, brillant geschriebener Essay, dem es nicht an aktuellsten Seitenverweisen (auf den Krieg gegen den Terrorismus oder den Bundestagswahlkampf) fehlt. Nach seiner Sprach-und Bildkritik (Plastikwörter und Weltmarkt der Bilder) wendet sich Pörksen einem Grundlagenbereich unseres politischen Systems zu. Es geht um die Autonomie des Politischen und seiner Sprache. Es geht um die Wiedererfindung einer Gesellschaft, die sich argumentierend über ihre eigene Zukunft verständigt.

Autorenportrait:

Uwe Pörksen Emerit. Professor für Sprache und Ältere Literatur in Freiburg. Mehrere literarische Veröffentlichungen.

16,00* EUR