Es gibt verschiedene Arten, die Leistungen überragender Persönlichkeiten
anzusehen. Eine jede läßt sich im Licht ihrer individuellen Entwicklung,
der historischen Einflüsse, die auf sie wirkten oder der schwer bestimmbaren
kollektiven Einflüsse, die das Wort Zeitgeist ausdrückt, betrachten. Jungs
Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die großen kulturellen Bewegungen
- insbesondere die Alchemie - die den Zeitgeist kompensierten oder daraus
entstanden, sowie auf den schöpferischen Geist, der in Bereiche, so unterschiedlich
wie Medizin, Psychoanalyse, Orientalistik, bildende Künste und Literatur,
bahnbrechende Deutungen einführte. Die Aufsätze über Paracelsus, Freud,
den Sinologen Richard Wilhelm, Picasso und Joyces 'Ulysses' wurden zur
Veranschaulichung dieses zentralen Themas zusammengestellt; zwei weitere
erörtern literarische Schöpfungen, unabhängig von der persönlichen Eigenart
und der Psychologie eines einzelnen Dichters. Die Quelle wissenschaftlicher
und künstlerischer Kreativität in archetypischen Strukturen und namentlich
in der Dynamik des 'Geist-Archetypus' bildet einen wesentlichen Kontrapunkt
zu dem Thema, das dieser Sammlung von Essays zugrunde liegt.
Carl Gustav Jung wurde am 26. Juli 1875 in Kesswil in der Schweiz geboren. Er studierte Medizin und arbeitete von 1900 bis 1909 an der psychiatrischen Klinik der Universität Zürich (Burghölzli). 1905 bis 1913 war er Dozent an der Universität Zürich, 1933 bis 1942 Titularprofessor an der ETH und 1943 Ordentlicher Professor für Psychologie in Basel.§Jung gehört mit Sigmund Freud und Alfred Adler zu den drei Wegbereitern der modernen Tiefenpsychologie. Er entwickelte nach der Trennung von Sigmund Freud (1913) die eigene Schule der Analytischen Psychologie. C. G. Jung starb am 6. Juni 1961 in Küsnacht.
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