Wer einen anderen als Lügner bezeichnet, weiss, dass dies eine Beleidigung ist, die man nicht leichtfertig von sich geben darf. Auch wenn in den Augen vieler eine Notlüge bisweilen gerechtfertigt sein mag, legt doch die Betonung besonderer Umstände nahe, dass Lügen "an sich" schlecht seien. So selbstverständlich die moralische Verurteilung der Lüge im Alltag aber auch ist, so unklar ist ihre Begründung: Ist das Lügen ein Missbrauch der Sprache? Zerstören Lügen das zwischenmenschliche Vertrauen? Sind Lügen generell ein Angriff auf die Freiheit der Belogenen? Dieser Essay prüft die Einwände, die gegen das Lügen sprechen, und kommt zu dem Ergebnis, dass eine prinzipielle Verurteilung des Lügens nicht zu rechtfertigen ist. "An sich" ist das Lügen vielmehr eine besondere sprachliche Kunstfertigkeit, deren Einsatz in bestimmten Situationen durchaus angemessen ist. Insofern wendet sich dieses Buch an alle interessierten Lügner und Belogenen, die ihre Praxis besser kennen lernen wollen.
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