Nicht zu allen Zeiten ist Grimmelshausens großer Schelmenroman als Bestandteil des klassichen Kanons deutscher Literatur und deutschen Bildungsguts anerkannt worden. 1876 debattierte der preußische Landtag über diese - so der Redner - "Zusammenstellung von Zoten und Unlauterkeiten aus dem wüsten Leben eines Landknechts des Dreißigjährigen Kriegs", über "Irrfahrten, Liebesabenteuer, Diebstahl, Unzucht, Mord, Bruch des Fahneneids etc." In seiner Empörung über dergleichen Dinge in einem Roman hat der Abgeordnete ein gut Teil dessen getroffen, was Grimmelshausen mit satirischem Blick erfaßt, mit Sinn fürs Groteske schildert, aber auch mit Schärfe geißelt: die Realität einer Zeit, in der die Welt verwildert schien und Katastrophenangst ein Grundgefühl des Menschen war, einer Zeit voller Krisen und Bedrohungen.
Text in neuer Rechtschreibung
"Diese Sprache", sagte Hermann Hesse einmal, "kommt daher wie ein Dragoner oder Musketier des langen Kriegs, ein derber westfälischer Soldat mit einem guten westfälischen Dickschädel und guten naiven Knabenaugen, aber mit aufgezwirbeltem Schnurrbart und in Pluderhosen und geschlitzten Bauschärmeln." Hesse meinte den erfolgreichsten deutschsprachigen Barockroman, den einzigen, der bis heute für jedermann lesbar, vergnüglich lesbar, geblieben ist: den "Simplicissimus" des Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen (...). Frankfurter Neue Presse
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