Helmbrecht ist der Sohn eines gleichnamigen begüterten Bauern, der die
Stellung eines Meiers bekleidet, also für seinen adligen Herrn Verwaltungsfunktionen
ausübt. Sein Bauernleben gefällt ihm nicht mehr: Er will Ritter werden.
Die Warnungen seines Vaters, der gegenüber dem gefährlichen Ritterleben
den behaglichen Wohlstand der bäuerlichen Existenz preist, den Verfall
der Hofsitten beklagt und durch die Schilderung seiner Träume schon das
schlimme Ende seines Sohnes prophezeit, bleiben ohne Wirkung. Prächtig
ausgestattet reitet der junge Mann zu einer Burg, wird dort als Kriegsknecht
aufgenommen, profiliert sich als ebenso bedenkenloser wie erfolgreicher
Beutemacher und hat damit ein Jahr lang Erfolg. Danach besucht er seine
Eltern und begrüßt Familie und Gesinde mit einem angeberischen Kauderwelsch
aus Wortbrocken verschiedener Sprachen, so dass sein Vater ihn erst einigen
Identitätsprüfungen unterzieht, bevor er ihn beköstigt und beherbergt.
Beim Abschied nimmt Helmbrecht seine Schwester mit, die ebenfalls die Sehnsucht
nach einem feinen Leben ergriffen hat. Er verheiratet sie mit einem seiner
Kumpane. Das Hochzeitsfest ist parodistisch angelegt, die Schilderung enthält
aber auch schon Vorausdeutungen auf das schreckliche Ende. Während der
Feier erscheint ein Scherge mit seinen Knechten und nimmt die ganze Gesellschaft
fest. Neun werden hingerichtet, der zehnte - Helmbrecht - gemäß altem Brauch
nach Blendung und Verstümmelung freigelassen. Er macht sich zum Hof seines
Vaters auf, wird aber von diesem verjagt. Ein Jahr zieht er umher; dann
wird er von Bauern, die er während seines Räuberlebens geschädigt hat,
gelyncht.
Das ca. 50-seitige Vorwort bietet - die bisherigen Forschungsergebnisse geschickt referierend und in wichtigen Punkten ergänzend und vertiefend - eine ausgezeichnete Einführung zumal in die Aspekte der kompositorischen und stilistischen Gestaltung. (...) Die Übertragung ins Neuhochdeutsche kann man (...) als nahezu makellos bezeichnen. Anzeiger für Deutsches Altertum und Deutsche Literatur
Wernher der Gärtner (Gartenaere), 2. Hälfte 13. Jh. Verfasser der Verserzählung 'Helmbrecht', die auf die Zeit zwischen 1250 und 1280 angesetzt wird und durch Sprache und Lokalkenntnisse auf den bayerisch-österreichischen Raum verweist und vielleicht für den Hof des Herzogs von Niederbayern (Burghausen am Inn) bestimmt war. Ob der Beiname als Berufs- oder Herkunftsbezeichnung bzw. als Anspielung auf das Vagabundieren (des fahrenden Berufsdichters) zu verstehen ist, bleibt offen.
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