Nicht so sein wie alle anderen, ist in unserer Gesellschaft funktional störend. Dort, wo bei Jugendlichen die Kontrolle über das eigene Handeln gefährdet oder gar abhanden gekommen ist, tritt deshalb ein Netzwerk an Institutionen wie Jugendämter, Stellen der Erziehungsberatung, Kinder- und Jugendheime oder Kinder- und Jugendpsychiatrien in Aktion, deren kontrollierende und sozialintegrative Aufgaben darin bestehen, die bedrohte oder bereits verletzte Normalität soweit wiederherzustellen, daß öffentliche Interaktionen nicht gravierend beeinträchtigt werden. Im Rahmen dieser Normalisierungsarbeit läßt sich ein Entwicklungstrend beobachten, der als zunehmende Medikalisierung bzw. Therapeutisierung identifiziert werden kann. In immer mehr Bereichen und in immer früheren Lebensphasen wird der pädagogische Blick durch einen klinischen Blick in Frage gestellt oder gar ersetzt. Dabei werden die gelehrigen Körper zu einem scheinbar bequemen Instrument der Durchsetzung und Wiederherstellung des sen, was unter Normalität verstanden wird. Die Beiträge dieses Bandes behandeln die Einwanderung gesellschaftlicher Normalitätsentwürfe in die Individuen, setzen sich mit den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie bei der Durchsetzung der Normalitätsentwürfe auseinander und diskutieren die Funktion, die der Körper im Rahmen von Normalitätsarbeit übernimmt.
Nicht so sein wie alle anderen, ist in unserer Gesellschaft funktional störend. Dort, wo bei Jugendlichen die Kontrolle über das eigene Handeln gefährdet oder gar abhanden gekommen ist, tritt deshalb ein Netzwerk an Institutionen wie Jugendämter, Stellen der Erziehungsberatung, Kinder- und Jugendheime oder Kinder- und Jugendpsychiatrien in Aktion, deren kontrollierende und sozialintegrative Aufgaben darin bestehen, die bedrohte oder bereits verletzte Normalität soweit wiederherzustellen, daß öffentliche Interaktionen nicht gravierend beeinträchtigt werden. Im Rahmen dieser Normalisierungsarbeit läßt sich ein Entwicklungstrend beobachten, der als zunehmende Medikalisierung bzw. Therapeutisierung identifiziert werden kann. In immer mehr Bereichen und in immer früheren Lebensphasen wird der pädagogische Blick durch einen klinischen Blick in Frage gestellt oder gar ersetzt. Dabei werden die gelehrigen Körper zu einem scheinbar bequemen Instrument der Durchsetzung und Wiederherstellung dessen, was unter Normalität verstanden wird.
Die Beiträge dieses Bandes behandeln die Einwanderung gesellschaftlicher Normalitätsentwürfe in die Individuen, setzen sich mit den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie bei der Durchsetzung der Normalitätsentwürfe auseinander und diskutieren die Funktion, die der Körper im Rahmen von Normalitätsarbeit übernimmt.
Der Inhalt
Einleitung
Peter Becker/Josef Koch: Wenn Abweichungen definiert und behandelt werden sollen. Risiken der Therapeutisierung
Einverleibung des Normalen und die Normalität der riskanten Selbstgestaltung
Horst Rumpf: Der Normalisierte Körper. Über pädagogische Begradigungen und Stillegungen
Peter Becker: Normalisierungsarbeit am Körper. Anmerkungen zur Sozialformierung in modernen Gesellschaften
Heiner Keupp: Die Hoffnung auf den Körper. Jugendliche Lebensbewältigung als riskante Chance
Benno Hafeneger: Der normale Körper in Jugendbildern. Zwei Beispiele zum historischen Wandel von Normalitätsentwürfen
Normalitätsentwürfe im Kontext von Jugendhilfe und Jugendpsychatrie
Reinhard Wiesner: Eine Steuerung von Normalität und Recht. Eine Darstellung am Entwurf des § 35a SGB VIII
Charlotte Köttgen: Normalitätsannahmen und Normalisierungsprobleme im Rahmen der Jugendhilfe und Jugendpsychatrie. Veränderungen der Lebenswelt von Kindern und Familien
Klaus Wolf: Der Normalitätsentwurf des Jugendamts und die Realität des Lebens. Eine Fallgeschichte aus der Heimerziehung
Der Körper im Blickpunkt von Normalisierungsversuchen in Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie
Josef Koch: "Normal ist, wer die Komponenten vernünftig mischt". Der riskierte Körper im Schnittpunkt des jugendlichen und institutionellen Normalisierungshandelns
Uwe Uhlendorff: Körpererfahrung zwischen Normalitätserwartung und sozialer Abweichung. Aufgaben der Jugendhilfe
Günter Paul: Chancen und Risiken von Krisen im Jugendalter. Zwischen Entwicklungskrise und psychiatrischer Krankheit
Jörg-Michael Wolters: Kampfkunst in der Kinder-und Jugendpsychiatrie. Das ungewöhnliche Normale für die normalen Abweichler
Literaturnachweis
Die Autorinnen und Autoren
€ 18,00