Irgendwie haben sie alle mit dem Fall Krüger zu tun: die Minister Klenk und Flaucher, die in der "Tiroler Weinstube" ihren Viertelliter trinken und Politik machen; der beredte Monteur Rupert Kutzner, der im "Gaisgarten" eine Partei gründet und vor einer wachsenden Zuhörerschaft im "Kapuzinerbräu" seine Montagsreden deklamiert; und die Kommunisten aus der "Hundskugel", von denen "sonderbare Fäden" hinüber zu den Patrioten im "Gaisgarten" gehen. Der Verlauf des Meineidprozesses, angezettelt, um den politisch unliebsamen Museumsdirektor Krüger loszuwerden, und die steigenden oder fallenden Chancen auf Erfolg des Gnadengesuchs signalisieren, welche politische Partei gerade die besseren Karten hat. Der Gerichtsfall und die Versuche Johanna Krains, Krüger aus dem Gefängnis zu befreien, sind Mittelpunkt eines vielfarbigen Zeitgemäldes über die Ereignisse in Deutschland, als die Nationalsozialisten zunächst Einfluss gewannen und dann erst einmal wieder verloren, als der Wert der Mark ins Bodenlose sank, was die einen reich machte, den meisten aber kaum die Luft zum Atmen ließ.
"Ein Buch des Hasses" urteilten einige Rezensenten 1930. Zwanzig Jahre später bewunderte man Feuchtwangers politische Weitsicht und nannte "Erfolg" ein "Dokument der inneren Wahrheit, wie es aufwühlender, erschreckender und packender kaum gedacht werden kann".
Ein Justizroman, der auch den Provinzialismus und die Korruption im "ewig Bayerischen" anspricht, denn der Rahmen des Buches sind die Monate der bayerischen Revolution und ihrer grausamen Niederschlagung. Die Darstellung der Nationalsozialisten sowie die Schilderung vom Verlauf des Novemberputsches ist von der späteren Geschichtsschreibung bis ins Detail bestätigt worden. In diesem großen europäischen Städteroman zeigt sich der Autor als präziser Prophet des aufziehenden Grauens.
Lion Feuchtwanger wurde 1884 in München geboren. Nach vielseitigen Studien gab er die Kulturzeitschrift "Der Spiegel" heraus, schrieb Theaterkritiken und arbeitete an Siegfried Jacobsohns "Schaubühne" mit. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Feuchtwanger in Tunis interniert, konnte jedoch fliehen. In München vom Wehrdienst suspendiert, nahm er die Übersetzung und Bearbeitung indischer, griechischer und spanischer Dramen wieder auf, zudem entstanden eigene Stücke und Antikriegsdichtung. 1925 siedelte er nach Berlin über. Als die Nazis die Macht übernahmen, befand er sich auf einer Vortragsreise in den USA. Seine Bücher wurden verboten, Haus und Vermögen konfisziert. Sanary-sur-mer, Feuchtwangers neuer Lebensort, war zeitweilig ein Zentrum deutscher Emigranten.§1940 internierten ihn die Franzosen. Ab 1941 lebte er in Kalifornien, wo weitere große historische Romane, Erzählungen, Stücke und Essays entstanden. Feuchtwanger starb 1958 in Pacific Palisades.
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