Politik als Feindschaft stellt europaweit den wesentlichen Motor (rechts)populistischer Bewegungen dar und besetzt damit das durch den vom neoliberalen Zeitgeist motivierten Rückzug von Politik entstandene Vakuum.
In Anknüpfung an Bourdieus Elend der Welt, wonach vor diesem Hintergrund eine europäische und weltweite Bewegung wider die Zerstörung des Sozialstaates durch die Politik des Neoliberalismus notwendig ist, kommt dem Erzählen von unverfälschten Menschenleben eine fundamentale Bedeutung als politischem Argument zu.
Wider den offiziellen Diskurs der Verzerrungen ("Sozialschmarotzer", "Asylwerber als Drogendealer") ist es insbesondere Anliegen des Buches, Menschen mit ihren Bedürfnissen und Wünschen zu Wort kommen zu lassen. MigrantInnen, Flüchtlinge, Arbeitslose, AnalphabetInnen, Jugendliche erzählen darin ihre Lebensgeschichten, und zwar sowohl in Kontrast zu den blinden politischen Eliten als auch deren (rechts)populistischen Zwillingen.
Das Erzählen von Menschenleben als politischem Argument versteht sich auch als eine Thematisierung von politischen Machträumen und Ohnmachtsorten von Menschen in Graz. Damit in Zusammenhang stellt sich die Frage nach den Grundbedürfnissen in existentieller und auch ökonomischer Hinsicht, womit in einem nichtoffiziösen Sinn die Menschenrechts- und Kulturhauptstadt Graz 2003 im Blickpunkt steht.
Robert Reithofer ist Germanist und Historiker; sozialisiert in der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (u. a. als Flüchtlingsbetreuer und Bildungsreferent), seit 1980 Geschäftsführer von ISOP.
€ 12,70