26. Mai. Am folgenden Tag verließen wir um halb sieben Uhr Rámle. Wir ritten geschwinde, um Jaffa zeitig zu erreichen, weil der Tag heiß werden zu wollen schien.
Es war dreiviertel auf zehn Uhr, als wir in Jaffa ankamen, wo am Tor meine Reisetaschen untersucht wurden; man hatte seit kurzem den Zöllnern eine geschärftere Aufsicht empfohlen. Ich trat in dem Franziskanerkloster ab, dem ich gleichfalls vom P. General-Procurator in Jerusalem empfohlen war, wo ich eine gefällige Aufnahme fand, und wo, da es am Hafenstrande liegt und man dort einer weiten Meeransicht und einer frischen Luft genießt, ich mich sehr wohl befand.
Die Stadtmauer ist eben nicht sehr hoch und stark, aber durch den letzteren Pascha von Jaffa usw., Abu Márrak, gut ausgebessert. Sie hat zwei Bastionen, die mit einigen Kanonen besetzt sind. Auf der Landseite wird jetzt nur ein Tor geöffnet, welches für die Einwohner seine Unbequemlichkeiten hat. Auf der Meerseite ist Jaffa ganz offen. Die Stadt liegt auf und an einem Hügel, und man gelangt von den am Hafen liegenden Häusern aus dem obersten Stock in eine dahinter befindliche Gasse. Die Häuser längs dem Hafen sind gut und ihre Lage ist angenehm. Fast alle Häuser sind von Kalkstein erbaut, und haben platte oder Kuppeldächer. Da in der Nähe der Stadt keine Steine vorhanden sind: so werden sie zu Schiff hierher gebracht. Die Kaufhallen der Stadt sind klein und unansehnlich, indessen fand ich sie ziemlich lebhaft. Seit der Invasion der Franzosen in Jaffa liegen noch viele Häuser in Schutt, an deren Aufbauung man nicht zu denken scheint. Der schmale Hafen wird durch ein Felsenriff gebildet, welches aber große Lücken hat. Es deuchte mir, die Reste von altem Mauerwerk darauf zu bemerken. Die meisten ägyptischen und syrischen Küstenschiffe können in den Hafen einkehren; nur einige große, im Gleichen europäische Schiffe finden ihn nicht von genugsamer Tiefe und müssen daher auf der Reede liegen bleiben. Der Hafen ist sehr fischreich. Ich zählte bei Jaffa bloß zwölf kleinere und größere Küstenschiffe, und ich glaube, dass unser Hooksyhl als Hafen fast ebenso bedeutend sei als die uralte Stadt Jaffa.
Ich bediente mich hier des Seebades, wovon ich die heilsamsten Wirkungen verspürte, und machte bei dieser Gelegenheit eine Sammlung von hiesigen Meerprodukten. Im Flutmark fand ich viele Stücke Bimsstein und unterschiedliche große Steinfrüchte von der thebaischen Palme, welche man el Dôm nennt, und woraus man Korallen drechselt. Laufkrabben sind hier häufig vorhanden, und verdienen ihres schnellen Laufes wegen völlig ihren Namen ...
"Nach der Menge geistlicher Gebäude zu urteilen, sollte man in Jerusalem viel wahre Religiosität erwarten. Allein ich fand, wie man mir schon vorher gasagt hatte, gerade das Gegenteil ..."
Vor rund zwei Jahrhunderten hielt Ulrich Jasper Seetzen diese Eindrücke fest: 1802 war er in Jever aufgebrochen, vier Jahre später stand er in Jerusalem und beobachtete mit scharfem Blick das Treiben in der "Heiligen Stadt". Die Erlebnisse und Abenteuer auf seinen Reisen durch Syrien, Palästina und den Libanon hielt er für die Nachwelt fest - im vorliegenden Reisebericht.
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