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Wirtschaft - dtv-Taschenbücher

   von Frank Lehmann

buch.de-Verkaufsrang:
ISBN-10:
3-423-34096-7
ISBN-13:
978-3-423-34096-0
Erschienen:
07.2004
Ist nicht mehr lieferbar.
Aus der Reihe:
«dtv-Taschenbücher»
Einband:
kartoniert/broschiert
Sonstiges:
Durchges. und aktualis. 19,5 cm
Seitenzahl:
304
Gewicht:
222 g
Auflage:
3. Auflage
Erschienen bei:
dtv

Leseprobe

Nicht Politik ist unser Schicksal, sondern die Wirtschaft

1. Die Wirtschaft im Hochgeschwindigkeitsrausch. Immer schneller, hastiger, damit auch kurzatmiger. Und das Kapital, Blut und Schmiermittel der Ökonomie, rast um den Globus mit dem Tempo von elektronischen Impulsen. Scheu wie ein Reh. Heute hier, morgen Tausende Kilometer entfernt. Immer da, wo es »was zu holen gibt«, sprich: wo man die bessere Rendite einfängt. Das alles ist zwar spannend (»Nichts ist spannender als Wirtschaft« lautet nicht umsonst der Werbeslogan eines bekannten Wirtschaftsmagazins), aber wozu ist es gut? Formel-I-Tempo, volle Kanne, Bleifuß auf dem Gaspedal - um nach dreihundert Metern, also an der nächsten Ecke, wieder voll auf die Bremse zu treten? Stopp! Macht das Sinn? Wo ist der viel beschworene unternehmerische Weitblick? Kann man vergessen, sagen viele der Angestellten-Unternehmer (»Manager«) mit flackerndem Blick, nervös zuckend. Nur der kurzfristige Erfolg zählt. Wir sind Getriebene und donnern mit dreihundert Sachen - bis zum nächsten Ouartalsbericht. Der ist das Maß aller Dinge. Den müssen wir richtig »schön« machen, ihn aufblähen, damit die Erwartungen der Finanzmärkte erfüllt werden. Das ist Untergrenze. Besser ist es, die Erwartungen zu übertreffen. Das ist unser Job als Manager. - Ja, Herrschaften: Wer treibt euch denn so? Antwort: Na die Märkte, die Börsen, die Investoren (wer immer das ist), vor allem die so genannten Analysten, die Wertpapier-Experten, Fondsmanager, alle meist erst Mitte 20, Anfang 30, die angeblich das Gras wachsen hören oder Milliarden Fondsgelder verwalten und anlegen sollen. Sie alle wollen doch nur Kohle in Form von Kursgewinnen sehen, feiern kurzfristige Erfolge und fertig. Langfristige Unternehmensstrategien? Pustekuchen. Die interessieren niemanden.

Also doch ein Sitten- und Werteverfall in der Wirtschaft? Sind die Finanzmärkte (= Börsen) die Antreiber mit wütend knallender Peitsche? Fakt ist: Noch nie war »die Wirtschaft« so sehr in den Fängen von Bulle & Bär (den Symbolfiguren der Börsen), noch nie war die so genannte Realwirtschaft so abhängig und getrieben von »den Börsen«. Was, Ihr Kurs hat sich halbiert, damit auch Ihr Börsenwert? Ihre Firma ist nur noch die Hälfte wert? Na, da wollen wir doch schnell ein Übernahmeangebot zimmern. Unsere Abteilung Fusionen und Übernahmen wird schon einen Käufer finden. Die Geldwirtschaft hat für diesen Trend eigens ein neues Kapitel aufgeschlagen und das Investment-Banking erfunden. Wen fusioniere ich mit wem? Wo können wir Übernahmen inszenieren - und damit fette Beute in Form von Provisionen machen?

So schnell kann es heute gehen. Über Nacht sitzt ein neuer Besitzer/Eigentümer in der Chefetage. (»Guten Morgen, habe den Laden gerade gekauft!«) - »Nicht Politik ist unser Schicksal, sondern die Wirtschaft«, stellte ein Mann schon Anfang des letzten Jahrhunderts fest: Walther Rathenau, bekannt als Außenminister des Deutschen Reichs, aber auch Boss von AEG, gegründet von seinem Vater Emil 1887 als Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft. Weitsichtig (das gab es damals noch) erkannte Kaufmann EmU Rathenau, wie die von Thomas Alva Edison entwickelte elektrische Glühlampe (1879) die Welt verändern würde, und führte die elektrische Beleuchtung und die ersten zentralen Stromversorgungsanlagen in Deutschland ein. »Das Suchen, Aufgreifen und Weiterentwickeln, nicht das Erfinden technischer Neuerungen machten ihn in Verbindung mit dem Einsatz moderner Werbe- und Finanzierungsstrategien zum ersten Unternehmensmanager in Deutschland«, schrieb der Wirtschaftshistoriker Manfred Pohl 1988 zum 150. Todestag von Rathenau. Jahrzehntelang lieferten sich »seine« AEG und Hauptkonkurrent Siemens erbitterte Gefechte um den Spitzenplatz unter den deutschen Elektrokonzernen. Mit immer neuen Erfindungen und Innovationen. Und heute? Es gibt zwar noch einige Produkte mit dem Markennamen (»Brand« auf Neudeutsch) AEG (vielleicht kennen Sie noch den Werbeslogan: Aus Erfahrung Gut), doch der Konze

Kurzbeschreibung

»Was Lehmann auf dem Kasten hat, zeigt sich dort, wo er mit Leidenschaft zu argumentieren beginnt. Der Wirtschaftsjournalist erweist sich als kluger Kopf.« Financial Times Deutschland Millionen von Fernsehzuschauern lassen sich deshalb kurz vor der Tagesschau von Frank Lehmann erklären, welche wirtschaftlichen Entwicklungen sich in den Börsenkursen widerspiegeln. Der Leiter und Anchorman von Börse im Ersten versteht es, durch seine packende Darstellung und treffenden Kommentare zu fesseln und komplexe Zusammenhänge zu erläutern. Er erklärt, was die Wurzeln unseres Wohlstands sind, beschreibt die wichtigsten Entwicklungen, liefert eine präzise Bestandsaufnahme sowie einen Ausblick auf die Arbeitswelt von morgen und erklärt zentrale Begriffe.
Außerdem stellt er die Lehren der berühmten Ökonomen vor und prüft, ob es richtig ist, noch immer ihren Ratschlägen zu folgen. Lehmann formuliert klar und prägnant und hält mit Witz und Ironie stets eine kritische Distanz zum Thema, wobei er sich auch von populären Ideologien nicht vereinnahmen lässt.

Beschreibung

"Wer heute noch stolz darauf ist, von Wirtschaft keine Ahnung zu haben, darf sich nicht wundern, wenn er bei wichtigen Diskussionen nicht mehr mitreden kann."
Wir leben in einer Gesellschaft, die in allen Bereichen vom ökonomischen denken durchdrungen ist. Wer heute die Welt verstehen will, muss lernen, in wirtschaftlichen Zusammenhängen zu denken.
Der Autor macht seinen Lesern das Angebot sich schnell und qualifiziert zu informieren oder sich mit diesem Buch die Zeit zu vertreiben.

Portrait

Frank Lehmann, Jahrgang 1942, kam nach einer Lehre zum Industriekaufmann und einem Wirtschaftsstudium 1978 zum Hessischen Rundfunk. Als Chefredaktuer Wirtschaft moderiert er die Wirtschaftssendung "plusminus"; seit Oktober 2000 ist er regelmäßig mit "börse im ersten" auf Sendung.



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