Kurzbeschreibung:
Hank Thompson wohnt alleine in New York, arbeitet als Barkeeper in der Lower East Side und wird eines Abends in der Bar übel verprügelt. Warum, weiß er zunächst nicht. Zum Arzt geht er in erster Linie wegen seiner Fußschmerzen, doch als plötzlich Blut aus der Hose tropft und im Urin auftaucht, ist eine Niere fällig. Alkohol und Schläge haben sie vernichtet. Eigentlich soll er sich jetzt von der Nierenoperation erholen, doch plötzlich tauchen erneut diese merkwürdigen Schlägertypen auf. Allmählich dämmert es Hank, dass dies etwas mit seinem Nachbarn Russ zu tun haben muss. Russ stand vor ein paar Tagen abends mit einem Haustierkäfig vor seiner Wohnungstür. Er müsse dringend weg, sein Vater läge im Sterben. Ob er wohl ein paar Tage auf die Katze aufpassen könne. Kein Problem! Was Hank nicht weiß - in dem Käfig befindet sich nicht bloß eine Katze namens Bud, sondern auch ein Schlüssel, hinter dem einige höchst obskure Gestalten her sind, und für den sie auch über Leichen gehen. Und so befindet sich Hank statt zur Erholung im Bett ganz schnell auf einer Odyssee durch den New Yorker Großstadtdschungel, gejagt von Gangstern und korrupten Polizisten, an die sich der Leser noch lange Zeit erinnern wird.
Der perfekte Kultroman für Fans von "The Big Lebowski", "Der Marathon-Mann" und "Pulp Fiction".
Leseprobe:
So verändert sich das Leben.
Du wirst in Kalifornien geboren und wächst in einem netten ländlichen Kaff etwas außerhalb von San Francisco als Einzelkind auf. Du hast eine schöne Kindheit, deine Eltern lieben dich. Du spielst Baseball. Du bist außergewöhnlich talentiert und liebst das Spiel über alles. Mit siebzehn stapeln sich die Pokale auf deinem Regal. Du warst in zwei Mannschaften, die um die Little League World Serie gespielt haben, und bist der Star des Highschool-Auswahlteams.
Du bist ein Multitalent: Du kannst werfen, rennen, schlagen und fangen. Du spielst auf der zentralen Position. Du bist auf der Jagd nach Rekorden, führst das Team zu Stolen Bases und Homeruns und hast keine Schwächen. Profi-Scouts beobachten dich seit Jahren und alle gehen fest davon aus, dass du mit achtzehn das College schmeißt und von einem Club der Major League unter Vertrag genommen wirst. Während jedem Spiel schaust du irgendwann mal hinüber zur Tribüne; deine Eltern sind stets da.
In einem Regionalligaspiel versuchst du es zur dritten Base zu schaffen. Bei einem hohen Wurfball rutschst du mit voller Wucht in das Basekissen, um es noch rechtzeitig zu schaffen, bevor der Ball abgefangen wird. Außerdem willst du den Fänger ablenken, während er hochsteigt, um den Ball zu fangen. Deine Absätze graben sich in das Kissen und als du dich wieder aufrichten willst, kommt von oben der Baseman mit dem Ball herabgesegelt. Er landet genau auf dem Knöchel deines feststeckenden Fußes und während du noch in der Aufwärtsbewegung bist, fällt er mit seinem gesamten Gewicht auf deinen Unterschenkel.
Der Knochen ragt wie ein Pfeil aus deiner Wade und du starrst ihn bloß ungläubig an.
Als der Knochen später genagelt wird, gibt es Komplikationen; er weigert sich zu wachsen. Er will nicht richtig verheilen und für den Rest deines Lebens musst du mit unschönen Narben und einem verknorpelten Muskelgewebe leben, das bei kaltem nassem Wetter zu schmerzen beginnt.
Die Physiotherapie ist eine einzige Qual und dauert über ein Jahr. Schon bald redet keiner mehr davon, dass du wieder spielen wirst.
Du hältst dich von den Spielen fern und siehst deine alten Freunde kaum mehr. Du hast jetzt neue Freunde und kommst ein wenig auf die schiefe Bahn. Nach der Schule gehst du arbeiten und kaufst dir von dem Geld einen heißen Schlitten, den du mit deinem Vater, der Mechaniker ist, aufmotzt.
Du fährst illegale Rennen und hängst die lokalen Autofreaks allesamt ab. Du gewinnst immer. Und wenn keiner da ist, gegen den du fahren kannst, heizt du die kleinen Nebenstraßen außerhalb der Stadt auf und ab. Die Geschwindigkeit versetzt dich in einen wahren Rausch. Es ist zwar nicht Baseball, aber es ist immerhin etwas.
Draußen bei den Viehfarmen schlüpft um kurz nach Mitternacht ein Kalb durch ein Loch im Stacheldraht und wandert in aller Seelenruhe auf die Fahrbahn. Du reißt das Steuer herum und trittst voll aufs Bremspedal. Das Lenkrad bricht aus und der Wagen blockiert vorne rechts. Der Reifen platzt. Die Felge frisst sich in den Asphalt und der Wagen hebt ab und segelt durch die Luft. Du hängst in dem Wagen und bist mit einem Drei-Punkt-Gurt an den Sitz angeschnallt.
Der Wagen fliegt durch die Luft und saust dabei im hohen Bogen über das Kalb, das noch nicht einmal aufschaut.
Der Ford überschlägt sich einmal, landet wieder auf den Rädern, schleudert über die Straße und kracht frontal in eine dicke Eiche.
Dein Freund Rich trägt keinen Sicherheitsgurt. In dem Moment, in dem du das Kalb erblickst und auf die Bremse steigst, kniet Rich verkehrt herum auf seinem Sitz und greift auf dem Rücksitz nach seinem Sweatshirt.
Während dem Salto hängst du einen Moment kopfüber, unter dir das Kalb, das sich nicht darum schert, was es da angerichtet hat. Rich ist durch den Innenraum gepurzelt und liegt der Länge nach rücklings auf dem Dach. Er blickt dich an, dir in die Augen, sein Gesicht weniger als einen Fuß weit weg, nur ein paar Zentimeter. Der Wagen beginnt seinen Sinkflug, dreht sich plötzlich heftig und Rich verschwindet für einen Augenblick aus deinem Blickfeld. Und während das Fahrzeug in den Baum pflügt, setzt er hinter dir zum Sprung Richtung Frontscheibe an. Er schießt durch das Glas, das durch den Aufprall zerbirst, und fliegt ein paar Meter, bis ihn die Eiche brutal stoppt.
Viele kommen zur Beerdigung und weinen und umarmen dich. Du hast einen Bluterguss am Brustbein und einen Schnitt an der Wange davongetragen; du schaust niemandem in die Augen. Nach der Beerdigung bringen dich deine Eltern nach Hause.
Im Frühling machst du deinen Schulabschluss und gehst aufs College in Nordkalifornien. Du machst dir Gedanken, eventuell ein Physiotherapeut oder ein Rettungssanitäter zu werden. Du könntest dir auch vorstellen, wie deine Mutter als Lehrer zu arbeiten. In der Werkstatt deines Vaters willst du nicht arbeiten. An Autos willst du nicht mehr herumwerkeln. Du fährst nicht mal mehr eins.
Den Collegeabschluss machst du nie. Sechs Jahre verbringst du auf dem College, studierst so ziemlich alles und bist gut dabei, aber einen Abschluss machst du trotzdem nie. Du weißt nicht, was du machen sollst und dann lernst du ein Mädchen kennen. Sie ist eine Schauspielerin.
Du gehst mit ihr nach New York und ihr könnt bei einer ihrer Freundinnen auf dem Sofa schlafen. Zwei Wochen später kriegt sie ein Engagement für eine Tournee und verlässt dich. Ihre Freundin teilt dir mit, dass du ausziehen musst.
New York hat ein tolles öffentliches Verkehrsnetz. Du musst nie mit dem Auto fahren. Du entscheidest dich zu bleiben. Du findest eine Wohnung, so groß wie die Küche deiner Eltern. Du bekommst einen Job als Barkeeper. Du beginnst zu trinken. Es gefällt dir.
Du lebst zwar in New York, benimmst dich aber trotzdem wie ein Kerl aus einer Kleinstadt in Nordkalifornien. Du hilfst den Pennern aus der Gosse, rufst einen Krankenwagen, wenn du einen Verletzten siehst, leihst Bedürftigen Geld und verlangst es nicht zurück, lässt Fremde bei dir übernachten und führst Blinde über die Straße. Eines Nachts willst du in der Bar einen Streit schlichten und kriegst ordentlich eins auf die Nase. Am nächsten Tag meldest du dich zum Boxtraining an. Du trinkst zu viel, aber deine Eltern wissen nichts davon.
Du bist ein guter Kerl, du bist tough und genießt in der Nachbarschaft den Ruf, anzupacken, wenn es erforderlich ist. Das ist nett. Es ist zwar nicht unbedingt das Leben, das du dir erträumt hast, aber es ist schon okay so. Du fühlst dich nützlich, hast Freunde und deine Eltern lieben dich über alles. Zehn Jahre vergehen.
Eines Tages klopft der Kerl aus dem Zimmer gegenüber an deiner Tür. Er bittet dich um einen großen Gefallen. Und damit ändert sich dein Leben endgültig.
Das Erste, an was ich nach dem Aufwachen denke, ist diese verfluchte Katze. Seit ein paar Wochen passe ich für diesen Kerl jetzt auf dieses Vieh auf und jedes Mal, wenn ich weg bin, mache ich mir Gedanken, ob das Ding noch am Leben ist. Fuck! Ich wusste, dass das passieren würde. Ich sagte dem Typen, ich wäre nicht so gut mit Tieren, und dass ich kaum auf mich selbst aufpassen könne, aber er wollte davon nichts wissen, also nahm ich das verdammte Vieh. Dann lande ich im Krankenhaus und stelle fest, dass es Wichtigeres gibt, um das ich mich kümmern muss.
Ein Witz: Ein Typ wird mit drei Hoden geboren und fühlt sich deshalb sein ganzes Leben wie ein Freak. Die Jungs machen im Sportunterricht ihre Späße über ihn, die Mädchen lachen ihn aus. Irgendwann kann er es nicht länger ertragen und will sich einen Hoden entfernen lassen. Der Arzt wirft einen Blick drauf und sagt, es sei unmöglich, viel zu gefährlich, die Operation könnte ihn töten. Stattdessen schickt er ihn zu einem Psychiater, der vielleicht weiterhelfen kann. Der sagt ihm, er solle es locker angehen lassen, er könne auf das dritte Ei doch stolz sein, das wäre was ganz Besonderes. Wie viele Männer können schon drei Hoden vorweisen? Danach fühlt sich der Kerl richtig gut. Er verlässt die Praxis, geht auf die Straße und spricht den erstbesten Mann an: »Wussten sie, dass wir beide zusammen fünf Eier haben?« Da schaut ihn der Mann komisch an und sagt: »Soll das heißen, Sie haben bloß eins?«
Den ersten Kerl, dem ich nach dem Krankenhausaufenthalt über den Weg laufe, spreche ich an.
– Wussten Sie, dass wir beide zusammen bloß drei Nieren haben?
Er sagt nichts, geht einfach an mir vorbei, als ob ich nicht existierte.
New York, Baby, das ist New York!
Fünf Tage war ich im Krankenhaus, einen davon bewusstlos, vier bei vollem Bewusstsein. Die Ärzte haben die Niere entfernt, welche die beiden großen Kerle mit den vier kleinen Händen fast völlig zerquetscht hatten und die durch mein fahrlässiges Verhalten und die Einnahme harntreibender Flüssigkeiten weiter in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Alkohol. Die Niere hatte eine 4+, als sie entfernt wurde. Bei 5 explodiert sie einfach und bringt dich um. Mir wurde unter Androhung der Todesstrafe mitgeteilt, dass ich nie wieder einen Tropfen Alkohol anrühren dürfe, das Gleiche gelte für Koffein. Wie schon gesagt, ich trinke keinen Kaffee, er macht mich nervös.
Nach meinem Blackout rief Dr. Bob die Rettungssanitäter und ließ mich nach Beth Israel bringen. Er begleitete mich im Krankenwagen und als wir dort eintrafen, brachte er mich an dem ganzen Notaufnahme-Anmeldeformularkram vorbei und direkt in den OP. Er rettete mein Leben. Einer der Ärzte erzählt mir das, und als Dr. Bob auftaucht, will ich mich dafür bei ihm bedanken, aber er winkt nur ab nach dem Motto Ich-tu-doch-bloß-meinen-Job. Dann kommen wir zu meinen Füßen.
– Ihr Zustand ist chronisch und kommt davon, dass Sie bei Ihrer Arbeit zu viel Stehen.
Ich bin ein Barkeeper mit Zehn-Stunden-Schichten fünf Nächte die Woche, manchmal werden daraus auch sechs oder sieben Nächte.
– Selbst ein lebenslanger Vorrat an orthopädischen Schuhen und eine tägliche Fußmassage wird nichts nützen.
Wenn Sie was gegen den Schmerz tun wollen, müssen Sie schlichtweg runter von den Füßen.
– Was wäre, wenn…
– Runter von den Füßen. Sie sind wie ein Computerprogrammierer mit einem Handwurzelsyndrom. Ändern Sie Ihre Arbeitsgewohnheiten, am besten für immer.
– Uff.
– Genau, uff. Im Übrigen haben sich die Schmerzen in den Füßen durch eine schlechte Blutversorgung verschlimmert, die meines Erachtens auf exzessiven Alkoholkonsum zurückzuführen ist.
– Uff.
– Ich rate Ihnen, lassen Sie das Trinken bleiben. Und Punkt.
– Na schön, klingt super.
Und das war’s. Er wünschte mir viel Glück und war schon auf dem Weg nach draußen, als ich ihn nach der Rechnung fragte.
– Rufen Sie mich an, wenn Sie einen neuen Job haben und die Krankenhausrechnung beglichen haben. Dann reden wir über Geld.
Einfach ein klasse Typ.
Alkohol und meine Niere, Alkohol und meine Füße – da lässt sich doch ein Muster erkennen.
Ich rief in der Bar an und sprach mit Edwin, dem Besitzer.
Ich entschuldigte mich, dass ich mich erst jetzt melde, aber Edwin blieb völlig cool und sagte, ich solle beizeiten mal vorbeikommen und Hallo sagen.
Hätte ich wegen dem Alkohol und der Niere gekündigt?
Wenn mir jemand erzählt hätte, lass die Finger vom Alkohol oder du wirst sterben, hätte ich deswegen gekündigt?
Ich weiß es nicht, aber meine Füße bringen mich noch um und das gab den Ausschlag.
Ich rief meine Eltern an und versicherte ihnen, mir ginge es so weit gut, und teilte ihnen mit, dass sie mich nicht besuchen brauchten und auch nicht damit rechnen sollten, dass ich käme, um mich pflegen zu lassen. Meine Mutter weinte ein wenig, aber ich brachte sie mit dem Hodenwitz schließlich doch noch zum Lachen. Dad fragte, ob ich Geld bräuchte und ich verneinte. Wir redeten ein wenig über Weihnachten und wie lang ich dieses Jahr bleiben würde und dann sagte ich, dass ich sie liebe und sie sagten, sie lieben mich auch und wir legten auf und ich starrte eine Zeit lang an die verfluchte Decke.
Ich rief eine der Barkeeperinnen von der Arbeit an. Ihr Name ist Yvonne. Wir haben uns eine Weile ziemlich oft gesehen, tun es immer noch von Zeit zu Zeit. Sie ist eins der Mädchen, mit denen ich mich gelegentlich treffe. Eigentlich ist sie mehr als das; sie ist meine beste Freundin. Sie besitzt einen Schlüssel zu meiner Wohnung, also erzählte ich ihr von der Katze und sie versprach, nach ihr zu sehen, bis ich heimkomme. Sie fragte, ob sie mich im Krankenhaus besuchen soll, aber ich lehnte ab. Ich will allein sein. Ich muss mir klar darüber werden, was zum Teufel ich jetzt machen soll.
Jetzt bin ich also draußen, gehe zu dem Blödkopf auf der Straße, erzähl ihm meinen Nierenwitz und nehme mir dann ein Taxi nach Hause. Sie wollten mich zehn Tage da behalten, um mich beobachten zu können und die Fäden zu entfernen, bevor ich gehe, aber der Mangel an a) ausreichend Bargeld und b) einer Versicherung war ein schlagendes Argument, mich gehen zu lassen. Ich werde die Fäden in ein paar Tagen herausmachen lassen und es bis dahin locker angehen. Ich habe nur noch eine Niere, stehe vor einem Totalentzug, die Krankenhausrechnung lässt meine zehntausend Miesen auf dem Kreditkartenkonto wie einen schlechten Witz aussehen und ich habe keinen Job. Andererseits schnappe ich mir die Zeitung und die Giants haben eine Siegesserie von vier Spielen hingelegt und zwei Punkte gegenüber den Mets gutgemacht. Ich lehne mich im Taxisitz zurück, spüre einen scharfen Stich dort, wo früher meine Niere war und frage mich, was diese Kerle, die mich so vermöbelt haben, bloß geritten hat.
Und so kam ich zu der Katze.
Der Name des Typen ist Russ und ihm gehört diese Katze. Russ wohnt in der gegenüberliegenden Wohnung und hängt öfters bei Paul’s ab, dem Laden, wo ich bediene.
Ich kenn ihn ein wenig, er scheint in Ordnung zu sein. Er macht nie Ärger und die wenigen Male, bei denen ich ihn zum Zahlen anhielt, beglich er seinen Deckel im Nu.
Manchmal bringt er mir Sandwiches zur Arbeit mit. Na ja, und vor ein paar Wochen steht er eines Abends mit einem dieser Haustierkäfige vor meiner Tür und ich rieche förmlich, was jetzt kommt. Ich nehme mein Auge vom Guckloch und lehne meine Stirn gegen die Tür. Russ klopft erneut.
Ich schaue noch mal und er steht immer noch da, wippt unruhig auf seinen Zehen auf und ab, als ob er dringend weg müsste. Ich lasse das Guckloch zufallen und öffne die Tür.
Russ hat ein Problem. Russ hat ein echtes Problem und er würde sonst auch nicht fragen, aber er bittet mich um einen großen Gefallen. Russ’ Vater ist krank. Das stimmt.
Ich weiß es, denn Russ hat mir schon vor einiger Zeit in der Bar erzählt, dass sein Vater seit einer Weile krank ist. Die Sache ist die: Russ’ Vater liegt jetzt im Sterben und Russ muss unverzüglich nach Rochester aufbrechen und er findet auf die Schnelle keinen, der auf seine Katze aufpasst.
Es tut ihm schrecklich Leid, aber er braucht meine Hilfe.
Ob ich die Katze für einige Tage nehmen könne, im schlimmsten Fall eine Woche oder zwei?
Er hat mich schon so gut wie im Sack und ich gebe ihm zu bedenken, dass ich ziemlich viel trinke und mir deshalb etwas Sorgen um die Katze mache. Russ versichert mir, ich solle mir um die Katze mal keine Gedanken machen. Er würde mir einen Katzenfutterautomat, den man alle paar Tage auffüllen könne, und eine Katzentoilette vorbeibringen, und das wäre alles. Die Katze würde sich um sich selbst kümmern. Ich sage Ja. Was soll ich auch machen? Sein Vater liegt im Sterben.
Russ lässt den Käfig mit der Katze stehen und geht zurück in sein Apartment, um den Rest zu holen. Ich hol mir ein Bier und starre den Käfig an. Als ich klein war, hatte ich mal eine Katze. Ich hatte sie mehrere Jahre, bis meine Mutter eines Tages einen streunenden Hundewelpen mit nach Hause brachte und die Katze wenig später verschwand. Obwohl sie nichts dafür konnte und ich ihr auch nie irgendwelche Vorwürfe machte, fühlte sich meine Mutter schuldig.
Ich gab der verfluchten Katze die Schuld; beim ersten Anzeichen von Konkurrenz machte sie sich gleich aus dem Staub. Launisch – Katzen sind launische Viecher. Da sind mir Hunde lieber.
Russ erscheint mit dem Futterautomat, dem Katzenklo, einem Streulöffel zum Entsorgen der Katzenscheiße, der Katzenstreu, Futter und einigem Katzenspielzeug. Er bietet mir Geld an, aber ich lehne ab. Mehrfach bedankt er sich und ich sage ihm, er solle sich um seinen Vater kümmern und anrufen, falls er was bräuchte. Und dann ist er weg.
Der Katzenkäfig steht auf der Bierkiste, die mir als Couchtisch dient. Ich mache es mir mit meinem Bier auf dem Sofa bequem und stelle fest, dass Russ mir gar nicht den Namen der Katze verraten hat. Ich lehne mich vor und schaue durch die dünnen Gitterstäbe, um mir die Katze genauer zu betrachten.
Es ist eine Hauskatze, eine Mischlingskatze.
Rücken und Kopf sind grau gestreift, Bauch und Kopf weiß.
Sieht nach einem Männchen aus. Um den Hals hat er ein Band mit einem kleinen Namensschildchen. Ich stelle das Bier ab, öffne die Käfigtür und greife nach dem Kater. Er kommt widerstandslos heraus, ohne Anstalten zu machen.
Ich drehe ihn rum, damit er mich anschaut, und er blickt mir direkt in die Augen. Das Namensschildchen hängt verkehrt herum und ich drehe es, um den Namen lesen zu können.
Bud. Ich greife mir meine kalte Dose Budweiser, während es sich Bud die Katze in meinem Schoß bequem macht und zufrieden schnurrt.