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Herzattacken

von Christine Heinzius, Jennifer Apodaca (Buch)

  • ISBN:3-442-45558-8
  • EAN:9783442455584
  • Veröffentlichungsdatum:Januar 2005
  • Gewicht in g:249
  • Reihe:Goldmanns Taschenbücher
  • Seiten:320
  • Stilrichtung:Roman

Rezension:

"Ein rasantes, witzig-spritziges Lesevergnügen." Publishers Weekly
"Fünf von fünf Sternen für dieses Buch, das die Lachmuskeln, das Herz und die Nerven fordert." geocities
"Dieses Buch hat mir ungeheure Freude bereitet. Pass gut auf, Janet E., hier kommt Jennifer!" Murder Express

Kurzbeschreibung:

Als ihr Mann Trent plötzlich stirbt, bricht für die brave Hausfrau Samantha Shaw eine Welt zusammen - denn im Auto des Verblichenen findet sie eine Sammlung fremder Damenslips. Aus Trauer wird Wut, und Sam stylt sich und ihr Leben völlig neu. Der Kauf einer Heiratsvermittlung ist ein Glücksgriff; doch einer von Sams Kunden ist nicht auf der Suche nach einer Frau, sondern nach Geld: schmutzigem Geld, das Trent ihm angeblich schuldet. Endlich hat Sam einen Grund, den gut aussehenden Expolizisten Gabe um Hilfe zu bitten ...







Leseprobe:

Als ich herausfand, dass mein verstorbener Mann mich betrogen hatte, wurde es schwieriger, mich zu rächen. Aber nicht unmöglich.
Nach einer Nacht mit Margheritas und meiner besten Freundin, Angel, fielen mir Vergeltungsmaßnahmen ein. Ich verkaufte das komplett restaurierte, klassische 1964er Mustang Cabrio des betrügerischen Schweins. Trent Shaw hatte seine zwei restaurierten Oldtimer geliebt, aber eine besondere Vorliebe für den Mustang gegenüber dem zweisitzigen, außen weißen und innen roten T-Bird von 1957 gehabt. So besonders, um unter dem Reserverad ungefähr ein Dutzend Slips zu verstecken.
Es waren nicht meine Slips. Damals war ich eine Hausfrau mit großen, weißen Baumwollschlüpfern. Die Unterhosen, die im Mustang versteckt waren, gehörten zu der Sorte billiges Flittchen.
Ich bin keine Matrone mit weißer Baumwolle mehr. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Mustangs habe ich mir das aktuellste Modell neuer Brüste und Taekwando-Stunden gegönnt. Eine Frau mit einem frechen, neu gekauften Busen Körbchengröße C, muss ihre Investition auch verteidigen können.
Kurz gesagt, der Fund dieser Slips im Mustang war der Anfang meiner Umwandlung in eine neue Frau. Nachdem ich meinen beiden Söhnen die neuesten, hirnerweichenden Nintendo-Spiele gekauft hatte und ein knochenbrecherisches Trampolin, verwendete ich das restliche Rachegeld aus dem Verkauf des Mustangs, um meine langen Kleider gegen Miniröcke einzutauschen. Aber zu so langen, entblößten Beinen passten diese altjüngferlichen, grauen Strähnen in meinen Haaren nicht mehr, also wurde ich blond.
Die letzte Phase meines Margherita-geschwängerten Racheplans vervollständigte ich diesen Morgen, als ich mit dem beeindruckenden, altmodischen Thunderbird fuhr, an dessen Lenkrad mich mein Slips sammelnder Mann nie gelassen hatte. Ich trug einen oberschenkellangen, hellgrünen Rock, eine enge, schwarze Seidenbluse und ein paar schwarze Sandalen mit hohen Absätzen. Ich lehnte mich vor und drehte einen alten Beach Boys Song lauter. Auf dem Weg durch die Stadt fuhr ich auf die zweitwichtigste Sache in meinem Leben zu - auf meine Karriere.
Ich bin jetzt eine Geschäftsfrau. So etwas in der Art jedenfalls. Der Parkplatz meiner Firma besteht aus einer einzelnen Reihe in der Mission Trail Street in Lake Elsinore, Kalifornien. Er war kaum groß genug, damit zwei Wagen aneinander vorbeikommen konnten. Die Geschäftsräume befinden sich in einem heruntergekommenen Gebäude, zusammen mit einem Spirituosenladen, einem Blumenladen, einem Geschäft für Baseballkarten, einem für Strand- und Fahrradkram, einer Wahrsagerin und einem Juwelier, bei dem man klingeln muss, um eingelassen zu werden. Okay, vielleicht sind sie nicht so elegant, aber die Geschäftsräume Nummer 107 gehören mir allein: HEART MATES.
Eine Partnervermittlung.
Nach Trents vorzeitigem Abgang habe ich sie mit dem Geld der Versicherung gekauft, vor dem Fund des Haufens Slips, an denen jeweils ein Post-it-Zettel mit einer Bewertung der Trägerin hing. Erstklassig. Als ich immer noch an Liebe, Romantik, Seelenverwandtschaft und all das glaubte. Trent und ich hatten uns über dieses Institut kennen gelernt, und als es nach seinem Tod zum Verkauf stand, habe ich es gekauft. Sagen wir einfach, dass meine guten, alten, weißen Baumwollschlüpfer ein bisschen eng wurden.
Jetzt, da mich meine fehlgeleiteten, romantischen Erinnerungen nicht mehr fest im Griff hatten, hatte ich Pläne und Träume. Heart Mates erfolgreich zu leiten war wichtig für mich. Die Tatsache, dass mein Eheleben eine einzige Lüge gewesen war und die gesamte Stadt gewusst hatte, dass mein Ehemann eine betrügerische Laus war, nur ich selbst nicht, bedeutete, dass ich etwas zu beweisen hatte. Der Kauf von Heart Mates würde nicht noch ein Fehler in einer ganzen Serie sein.
Ich stieg aus dem Wagen und ging zur Tür. Eines Tages, wenn ich richtig erfolgreich wäre, würde mir das gesamte Gebäude gehören und nicht bloß eine einzige, heruntergekommene Wohnung. Romantik war eine Illusion, eine, die ich meinen Kunden verkaufen wollte. Die Wände der langen Flure würden in romantischem Altrosa gestrichen und die Füße meiner Kunden in einem knöchelhohen, rosa Teppich einsinken. Leise Liebeslieder würden verstörte und einsame, liebeshungrige Seelen beruhigen. Gut ausgebildete Angestellte würden sich lautlos und effektiv bewegen und die zukünftigen Kunden dazu bringen, bei uns zu unterschreiben. Heart Mates würde für riesige Kontaktpartys bekannt sein, bei denen Wein aus den örtlichen Weinbergen in Temecula serviert wird ...
Aber um all das zu erreichen, musste ich arbeiten. Ich verdrängte meine Tagträume und ging zur Tür hinein. »Morgen, Blaine, neue Kunden?« Ich sah ihn hoffnungsvoll an.
»Der T schnurrt heute richtig. Hast du das Premiumbenzin getankt?«
Blaine war der Automechaniker meines Mannes gewesen. Ich hatte ihn dazu gebracht, für mich zu arbeiten. Er war . na ja, jede Art von Mechaniker. Er konnte sehr gut mit einem Camcorder und einer Kamera umgehen, ganz zu schweigen von meinem Wagen. Und war außerdem noch effizient. Als mein Assistent war er der Beste. Dass er groß und muskulös war, half bei dieser Art von Arbeit natürlich. Seine Haare waren in einem stufigen Siebzigerjahre-Look geschnitten und in seinem breiten Nacken zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Er trug am liebsten Jeans und blaue Arbeitshemden. Anscheinend kann man den Mechaniker zwar aus der Werkstatt holen, aber die Werkstatt nicht aus dem Mechaniker.
»Du hast doch gestern für mich getankt, erinnerst du dich nicht?« Blaine fuhr meinen Wagen, wann immer es möglich war. Sein zweitüriger Hyundai mit stumpfem Heck, fehlenden Radkappen, unlackiert und voller Grundierung, war ihm Grund genug.
Er nickte und riss seinen Blick vom T-Bird. »Nette Klamotten«, kommentierte er mit sehr viel weniger Begeisterung mein Neue-Frau-Outfit. »Ein neuer Kunde wartet im Sprechzimmer. Und deine Mutter ist in deinem Büro.«
Meine Sandalen blieben an einem losen Faden des hauchdünnen, stahlgrauen Industrieteppichs hängen. »Was will sie?«, flüsterte ich, während ich nach der Türklinke meines Büros griff. Es ist eigentlich nur durch dünne Stellwände abgetrennt. Die Geschäftsräume, die ich gemietet hatte, hatten ungefähr die Größe eines großen Schlafzimmers. Ein paar Metallklappstühle für wartende Kunden standen neben einem Beistelltisch voller Zeitschriften. Mein Büro lag rechts. Weitere Stellwände teilten hinten ein Sprechzimmer und ein Medienzimmer ab, in dem wir Kunden auf Video aufnehmen oder fotografieren konnten. Hinter dem Sprechzimmer lag ein kleiner Stauraum und ein Badezimmer. Ich ließ meine Bürotür abrupt los.
Blaine zuckte hinter seinem Eichenschreibtisch mit den Schultern. »Sie spricht nicht mit den Angestellten. Sie hat mir nur gesagt, ich solle frischen Kaffee kochen und ihn ihr bringen.« Er schaute auf den Beistelltisch, auf dem die Kaffeemaschine neben dem Wasserkühler stand, außerdem eine Kaffeedose und ein Glas voller Teebeutel. Eine Dose mit Milchweißer und Zucker- und Süßstoffpäckchen stand neben einem Stapel weißer Styroporbecher.
Ich verdrehte die Augen, so dass ich die gelben Wasserflecken an der Decke sah, und stellte mir meine Mutter mit einem Styroporbecher vor. Ich sah ihre perfekt manikürten, perlmuttrosa Fingernägel auf dem weißen Becher. Meine Mutter passte die Welt ihren Vorstellungen an. Styropor war unter ihrer Würde. Ich konnte ihre Gardinenpredigt schon hören, dass ich meinen Kunden ordentliche Erfrischungen in ordentlichen Tassen anbieten sollte. Dann, ohne sich der Unlogik bewusst zu sein, mir zuerst zu erklären, wie ich mein Unternehmen führen solle, um mir dann zu sagen, ich solle es verkaufen, würde sie mir raten, Immobilienmaklerin zu werden, anstatt mich um eine Partnervermittlung zu kümmern.
Mein linkes Auge begann zu zucken. »Ich gehe wohl besser erst mal zu dem neuen Kunden«, sagte ich über meine Schulter und eilte ins Sprechzimmer, das hinter dem Empfang und meinem Büro lag. »Feigling«, sagte Blaine.
Allerdings, dachte ich, als ich die Tür öffnete.

Autorenportrait:

Jennifer Apodaca lebt mit ihrem Mann und drei Söhnen in Südkalifornien. Aus einer Laune heraus schrieb sie ihren ersten Roman "Herzattacken" und schickte das Manuskript ohne große Ambitionen an einen Verlag. Dieser war von dem Debüt so begeistert, dass er

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