Darf der menschliche Körper zum bloßen Objekt wissenschaftlichen Interesses degradiert werden? Anhand einzigartiger Quellen aus 500 Jahren Medizingeschichte untersucht Anna Bergmann diese Grundfrage der medizinischen Ethik. Sie spannt den Bogen von den "anatomischen Theatern" des 14. Jahrhunderts über die medizinischen Menschenexperimente im 18. Jahrhundert und im Nationalsozialismus bis zur modernen Transplantationsmedizin. Eine Pflichtlektüre - nicht nur für Ärzte und Wissenschaftler.
Die moderne Medizin und der Tod Darf der menschliche Körper zum bloßen Objekt wissenschaftlichen Interesses degradiert werden? Anhand voneinzigartigemQuellenmaterial aus500 Jahren Medizingeschichte untersucht Anna Bergmann diese Grundfrage der medizinischen Ethik - eine Pflichtlektüre, nicht nur für Ärzte und Wissenschaftler. Die umstrittene "Körperwelten"-Ausstellung des Leichenzergliederers Gunther von Hagens ist der grausige Endpunkt einer jahrhundertelangen Entwicklung der Medizin, die sich mit dem Ziel der Erkenntnis und Heilung systematisch des menschlichen Körpers bemächtigt und zugleich seine Individualität immer weiter ausgeblendet hat. Anna Bergmann zeigt, wie sich in den seit dem 14. Jahrhundert entstehenden "anatomischen Theatern" ein enger Zusammenhang zwischen der medizinischen Forschung und der Praxis der Hinrichtungen entwickelte. Dies fand seit dem 18. Jahrhundert seine Fortsetzung in den medizinischen Menschenexperimenten: Bereits 200 Jahre vor dem Nationalsozialismus nahmen Mediziner für die Entwicklung neuer Heilmethoden die Tötung von Patienten in Kauf. Auch die Transplantationsmedizin stellt Bergmann in die Traditionslinie des "anatomischen Theaters", ist sie doch nur durch den zweckorientierten Zugriff auf einen hirnsterbenden Patienten zu verwirklichen.
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