Die wilhelminische Monarchie und die Massenmedien sind zwei Welten, die - auf den ersten Blick - wenige Berührungspunkte aufzuweisen scheinen: Einerseits die bekannte deutsche politische Malleise aus Reaktion, Autoritätshörigkeit und Militarismus, andererseits die ebenso bekannten wirtschaftlichen und organisatorischen Spitzenleistungen und ein Modernismus, der in der politischen Nische und in der Industrie seinen Platz hatte.
Die Spätblüte der preußisch-deutschen Monarchie unter Wilhelm II. und der Durchbruch der Massenmedien fielen in Deutschland zeitlich zusammen. Erstmals wird in dieser Studie untersucht, was diese Konstellation für die Ausbildung der politischen Medienberichterstattung, mehr aber noch für die Monarchie bedeutete. Von den massiven Anpassungsschwierigkeiten der wilhelminischen Monarchie zeugen bereits als solche die hier in den Blick genommenen Skandale. Bismarckentlassung, Caligula-Affäre, Eulenburg- Skandal, Daily-Telegraph-Affäre und schließlich die Flucht Wilhelms II. nach Holland entpuppen sich in dichter Beschreibung allerdings als weit mehr denn nur oberflächliche Krisensymptome. Vielmehr läßt sich hier eine früh radikale Kritik am Monarchen und eine vielschichtige und äußerst ambivalente Umdefinition der Monarchie als Institution feststellen, betrieben insbesondere von selbstbewußten urban-liberalen Journalisten und als selbsternannte Monarchisten fungierende
Außenseiterpublizisten. Indem diese Studie die Zäsur von 1918 überschreitet, vermag sie vielfältige, bisher kaum beachtete Verbindungen zwischen der gescheiterten wilhelminischen "Medienmonarchie" und den ubiquitären Führerkonzepten, die lange vor 1933, sogar vor 1918 aufkamen, herauszuarbeiten. Dies geschieht auf Grundlage eines breiten, bisher nicht erschlossenen Quellenspektrums insbesondere über 1.000 systematisch erschlossener Zeitungsartikel und einem umfangreichen Sample politischer Pamphlete. So stellt diese Studie nicht nur einen Beitrag zu einer Neuen Politikgeschichte dar, sondern setzt auch die Forderung nach mediengeschichtlichen Detailstudien um.
In seiner Darstellung geht M. Kohlrausch der Frage nach, wieweit der Monarch der Logik der Massenmedien unterworfen war und welche Konsequenzen das hatte. Wilhelm II. und seine Skandale wurden zum öffentlichen Ereignis: Bismarckentlassung, Caligula-Affäre, Eulenburg-Skandal, Kamarilla-Prozesse, Daily-Telegraph-Interview. Sie spiegeln eine frühzeitig radikale Kritik am Monarchen und eine Umdefinition der Monarchie.Aus dem Inhalt:I. EinleitungII. Bedingungen: Monarchie und MassenmedienIII. Die Calligula-Affäre: Grenzen der ProgrammonarchieIV. Der Monarch in der Krise 1906-19091. Die Kamarillaprozesse als öffentliches Ereignis2. Der Kaiser als Anlaß und Zentrum des Eulenburg-Skandals3. Der skandalöse Monarch. Wilhelm II. und das Daily-Telegraph-Interview4. Antworten auf die Krise: Die Neudefinition der MonarchieV. Das skandalöse Ende der Monarchie1. Die Geschichte vom 9. November in Spa2. Das Königstod-ProblemVI. Transformationen der Monarchie1. Verlusterfahrungen2. Kaiserenttäuschung und FührererwartungVII. Zusammenfassung1. Die öffentliche Diskussion des Monarchen als Erfahrung2. Massenmedien, Öffentlichkeit und Monarchiediskurs3. Spezifika der Monarchieskandale4. Durchsetzung bürgerlicher Maßstäbe in der Diskussion des Monarchen5. Ausblick: Monarch und Führer. Kontinuitäten und BrücheAnhang: Chronologie der SkandaleDie Spätblüte der preußisch-deutschen Monarchie unter Wilhelm II. und der Durchbruch der Massenmedien fielen in Deutschland zeitlich zusammen. Erstmals untersucht das Buch von Martin Kohlrausch, was diese Konstellation für die Ausbildung der politischen Medienberichterstattung, mehr aber noch für die wilhelminische Monarchie bedeutete.Indem diese Studie die Zäsur von 1918 überschreitet, vermag sie vielschichtige, bisher kaum beachtete Verbindungen zwischen der gescheiterten wilhelminischen "Medienmonarchie" und den ubiquitären Führerkonzepten, die lange vor 1918 aufkamen, herauszuarbeiten. Dies geschieht auf Grundlage eines breiten, bisher nicht erschlossenen Quellenspektrums, insbesondere von über 1000 systematisch erschlossenen Zeitungsartikeln und einem umfangreichen Sample politischer Pamphlete.
I. Einleitung II. Bedingungen: Monarchie und Massenmedien III. Die Calligula-Affäre: Grenzen der Programmonarchie IV. Der Monarch in der Krise 1906-19091. Die Kamarillaprozesse als öffentliches Ereignis 2. Der Kaiser als Anlaß und Zentrum des Eulenburg-Skandals 3. Der skandalöse Monarch. Wilhelm II. und das Daily-Telegraph-Interview 4. Antworten auf die Krise: Die Neudefinition der Monarchie V. Das skandalöse Ende der Monarchie 1. Die Geschichte vom 9. November in Spa2. Das Königstod-Problem VI. Transformationen der Monarchie 1. Verlusterfahrungen 2. Kaiserenttäuschung und Führererwartung VII. Zusammenfassung 1. Die öffentliche Diskussion des Monarchen als Erfahrung 2. Massenmedien, Öffentlichkeit und Monarchiediskurs 3. Spezifika der Monarchieskandale 4. Durchsetzung bürgerlicher Maßstäbe in der Diskussion des Monarchen 5. Ausblick: Monarch und Führer. Kontinuitäten und Brüche Anhang: Chronologie der Skandale
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