Barbara Piatti entwirft visionär eine Literaturgeschichtsschreibung,
„die nicht mehr chronologisch strukturiert
wäre, sondern Handlungsräume und Schauplätze
fokussieren würde“, und gibt damit einer oft verzagten, an
ihrer eigenen Befindlichkeit nagenden Germanistik eine
Perspektive zur Krisenbewältigung. Roger Willemsen
weist am Beispiel des Freiheitsbegriffes nach, wie im politischen
Kontext ein Wort zur Hülse degeneriert, das für
alles genommen wird und nichts mehr aussagt. Dem stellt
er, und damit bekommen Schillers Freiheitsbegriff und
sein Humanitätsideal eine ungeheure aktuelle Sprengkraft,
die heutige Folterpraxis in vielen Ländern und
unser Wegschauen gegenüber: „Unser Abwenden ist Teil
der Folter.“ Frank Schirrmacher konstatiert, ausgehend
von Schillers revolutionärer Gesinnung und seinem
Erkennen der Revolutionsursachen, die Vorbeben einer
kommenden Revolution in unserer Zeit , die sich aus einer
verrutschenden Alterspyramide speisen. Auch für die
eigene Biographie ist die steigende Lebenserwartung eine
Herausforderung, die in Schiller, dem zeitlebens kranken
und dennoch oder vielleicht gerade deshalb enorm produktiven
Dichter ein Vorbild finden kann. Hellmuth
Karasek, dem Altmeister der Literatur-, Theater- und
Filmkritik, bleibt es vorbehalten, in Ergänzung zu seiner
Autobiographie „Auf der Flucht“ das persönliche Erleben
der Schiller-Feierlichkeiten von 1955 und 1959 nachzuzeichnen
und dabei eine Brücke zu Thomas Mann zu schlagen.
Felix Leibrock (Hg.), geboren 1960 in Neunkirchen/Saar, studierte Germanistik, Musikwissenschaften und Geschichte und promovierte im Fach Neuere Deutsche Literatur. 1990-1994 Studium der Evangelischen Theologie in Neuendettelsau und Erlangen, danach bis 2002 Pfarrer in Weimar. Seit 2002 ist er Stadtkulturdirektor in Weimar.
Barbara Piatti, geboren 1973 in Basel, ist Germanistin, Autorin kulturwissenschaftlicher Werke und Kulturreiseführerin. Die junge Schweizer Wissenschaftlerin fand große Beachtung mit ihrem Werk „Tells Theater“. Zur Zeit arbeitet sie an einer Monographie über literarische Landschaften.
Roger Willemsen, geboren 1955 in Bonn, studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte und promovierte zum Dr. phil. Als früherer Fernsehmoderator bei Premiere und dem ZDF ist er vor allem mit Willemsens Woche bekannt. Er ist Verfasser zahlreicher Fernsehdokumentationen, Buchautor mit Bestsellererfolgen, Herausgeber und Essayist, u.a. erhielt er 1995 den Adolf-Grimme-Preis für Interviewtechnik.
Frank Schirrmacher, geboren 1959 in Wiesbaden, studierte Germanistik, Anglistik, Philosophie und promovierte zum Dr. phil. Bei der Frankfurter Allgemeiner Zeitung begann er als Feuilletonredakteur, war später Leiter der Redaktion „Literatur und literarisches Leben“, ist seit 1994 Herausgeber der FAZ und dort auch zuständig für das Ressort Natur und Wissenschaft. 2004 erschien sein sehr erfolgreiches Buch „Das Methusalem-Komplott“.
Hellmuth Karasek, geboren 1934 in Brünn, studierte Germanistik, Anglistik, Geschichte und promovierte zum Dr. phil. Er begann 1980 bei der Stuttgarter Zeitung, wurde später Feuilletonredakteur bei DIE ZEIT und 1974 Kulturchef des SPIEGEL. Seit 1992 ist er Honorarprofessor an der Universität Hamburg und seit 1997 Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegels. Karasek war lange Mitglied im Literarischen Quartett.
Frank Schirrmacher, Jahrgang 1959, Studium in Heidelberg und Cambridge, Promotion. Seit 1994 ist er einer der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er ist ein "besessener Zeitungsmacher mit genialem Gespür für Themen", so die "Welt am Sonntag" schon vor Jahren über Frank Schirrmacher. Denn der innovative Journalist sorgt immer wieder für großes Aufsehen: Beifall erntete er u.a. für die in der FAZ angestoßenen biotechnologischen Debatten, mit denen er auch einen Kurswechsel im Feuilleton in Richtung naturwissenschaftliche Orientierung vollzogen hat. Er stellte zur Diskussion, ob Frauen als Verlegerinnen und Moderatorinnen "die Bewusstseinsindustrie" übernehmen und damit das kulturelle Leben in Deutschland dominieren werden. Und 2004 sagte er dem Altersrassismus den Kampf an - für sein Buch "Das Methusalem-Komplott" erhielt Frank Schirrmacher u.a. die Goldene Feder, den Corine-Sachbuch-Preis und die Auszeichnung "Journalist des Jahres 2004". Er lebt in Frankfurt am Main.
Hellmuth Karasek, Journalist und Schriftsteller, leitete über zwanzig Jahre lang das Kulturressort des Spiegel, war Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegel und ist jetzt Autor von Welt und Welt am Sonntag. Er veröffentlichte Billy Wilder. Eine Nahaufnahme (1992), Go West, eine Biografie der 1950er Jahre (1996), Mein Kino, ein Buch über seine Lieblingsfilme (1996), den Essay Hand in Handy (1997), den Roman Das Magazin (1998), die satirischen Glossen Mit Kanonen auf Spatzen (2000), den Roman Betrug (2001), Karambolagen. Begegnungen mit Zeitgenossen (2002), seine Erinnerungen Auf der Flucht (2004) und Süßer Vogel Jugend oder Der Abend wirft längere Schatten (2006). Die in Vom Küssen der Kröten versammelten Glossen erschienen erstmalig in der Berliner Morgenpost und im Hamburger Abendblatt.
Roger Willemsen, geboren 1955, beendete sein Studium mit einer Promotion über die Ästhetik Robert Musils. Nach Tätigkeiten als Übersetzer und Korrespondent hatte er 1991 seine erste eigene Fernsehsendung bei 'Premiere', der sich 'Willemsens Woche', 'Nachtkultur mit Willemsen' und 'Willemsens Musikszene' anschlossen. Außerdem veröffentlichte er mehrere Bücher, drehte und produzierte zahlreiche Filme und zeichnete verantwortlich für das EXPO-Projekt "Welcome home. Künstler sehen Deutschland".
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