Das ›goldene‹, das ›hunderttürmige‹, das ›unheimliche‹ Prag – Zuschreibungen wie diese überhöhen seit dem frühen 19. Jahrhundert das Bild der Moldaumetropole ins Mythische. Die vorliegende Arbeit beleuchtet die Entstehung des literarischen Mythos von Prag in der deutschen und tschechischen Literatur im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts aus kultursemiotischer Perspektive. Sie fragt nach den historischen Hintergründen und soziokulturellen Bedingungen, die die Genese eines solchen Mythos ermöglicht haben. Daneben stellt sie Vergleiche zu den Mythen anderer mitteleuropäischer Großstädte an und arbeitet das semiotische Inventar dieser literarischen Stadt-Imago der Moderne heraus. Parallelen zur (Selbst-)Darstellung Prags in bildender Kunst, Buchkunst, Film und Architektur runden die Untersuchung ab.
Susanne Fritz, geboren 1968, studierte Germanistik, Slavistik und Anglistik in Tübingen. Danach arbeitete sie in Tübingen und am Dresdner MitteleuropaZentrum als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Seit 2004 ist sie im Bereich Kommunikation grenzübergreifenden Wissens zwischen Deutschland und der Tschechischen Republik selbständig. Der vorliegende Band ist die Publikation ihrer Dissertation.
aus dem Inhaltsverzeichnis:
III. Der ›Prager Text‹ – Versuch einer Definition
IV. Die Soziologie der Großstadt
V. Zur Romanform
VI. Die wichtigsten Themen des ›Prager Textes‹ in den Jahren 1895 bis 1934 und ihr sozialhistorischer Hintergrund
VI.1. Deutschtum
VI.2. Tschechentum
VI.3. Judentum
VII. Mitteleuropäische Großstadtmythen
VII.1. Triest
VII.2. Venedig
VII.3. Wien
VIII. Stilistische Codierung und der ›Prager Text‹
VIII.1. Décadence
VIII.2. Expressionismus
VIII.3. Neue Sachlichke
IX. Die Struktur des ›Prager Textes‹
IX.1. Phasen der Kanonisierung
IX.2. Binnenstruktur
X. Die Typologie des ›Prager Textes‹
X.1. Der Ausgangspunkt – RAINER MARIA RILKE, Larenopfer (1895)
X.2. Der Themenkreis des Politischen
X.2.1. RAINER MARIA RILKE, Zwei Prager Geschichten (1899)
X.2.2. VIKTOR DYK, Prosinec / Dezember (1906)
X.2.3. MAX BROD, Ein tschechisches Dienstmädchen (1909)
X.2.4. EGON ERWIN KISCH, Der Mädchenhirt (1914)
X.2.5. F.[RANZ] C.[ARL] WEISKOPF, Das Slawenlied. Roman aus den letzten Tagen Österreichs und den ersten Jahren der Tschechoslowakei (1931)
X.2.6. HANS NATONEK, Kinder einer Stadt (1932)
X.3. Der Themenkreis des Studentischen
X.3.1. KARL HANS STROBL, Die Vaclavbude (1902)
X.3.2. KARL HANS STROBL, Der Schipkapaß (1908) = Die Flamänder von Prag (1932)
X.3.3. KARL HANS STROBL, Das Wirtshaus »Zum König Przemysl« (1913)
X.4. Der Themenkreis des Historischen
X.4.1. ZIKMUND WINTER, Mistr Kampanus/Magister Kampanus (1907)
X.4.2. MAX BROD, Tycho Brahes Weg zu Gott (1916)
X.4.3. AUGUSTE HAUSCHNER, Der Tod des Löwen (1916)
X.4.4. HUGO SALUS, Das Königsbad (1919)
X.5. Der Themenkreis des Phantastischen
X.5.1. GUSTAV MEYRINK, Der Golem (1915)
X.5.2. GUSTAV MEYRINK, Walpurgisnacht (1917)
X.5.3. GUSTAV MEYRINK, Der Engel vom Westlichen Fenster (1927)
X.5.4. VÍTEZSLAV NEZVAL, Židovský hrbitov/Der jüdische Friedhof (1928)
X.6. Der Themenkreis des Jüdischen
X.6.1. AUGUSTE HAUSCHNER, Die Familie Lowositz (1908)
X.7. Der Themenkreis des Verfalls
X.7.1. JIRÍ KARÁSEK ZE LVOVIC, Gotická duše/Die gotische Seele (1900)
X.7.2. PAUL LEPPIN, Severins Gang in die Finsternis (1914)
X.7.3. PAUL LEPPIN, Das Gespenst der Judenstadt (1914/15)
X.7.4. MAX BROD, Stefan Rott oder Das Jahr der Entscheidung (1931)
X.7.5. PAUL WIEGLER, Das Haus an der Moldau (1934)
X.8. Beispiele für Unterkategorien
X.8.1. Künstlertum: ERNST WEIß, Der Kampf (1916) = Franziska (1919)
X.8.2. Guckkasten-Perspektive: OSKAR WIENER, Im Prager Dunstkreis (1919)
Susanne Fritz, 1964 in einer Uhrenstadt im Schwarzwald geboren, lebt nach ihrem Studium in Berlin als Autorin und Regisseurin in Freiburg. Sie veröffentlichte Theaterstücke und inszenierte an mehreren deutschen Bühnen, auch in Paris und Toronto. Am Basler Stadttheater arbeitete sie zusammen mit Christoph Marthaler. Susanne Fritz schreibt Hörstücke, Beiträge für Literaturzeitschriften. Susanne Fritz wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt renommierte literarische Stipendien.
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