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Elfenkrieger

von Christian Jentzsch, Arndt Drechsler, Dennis L. McKiernan (Buch)

  • ISBN:3-453-53236-8
  • EAN:9783453532366
  • Veröffentlichungsdatum:Juni 2011
  • Gewicht in g:292
  • Reihe:Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
  • Seiten:352

Kurzbeschreibung:

Die Rückkehr der Elfen - der neue Bestseller von Dennis L. McKiernan


Noch einmal liegt das Schicksal der Welt in den Händen der Elfen, denn nur wenn es der Elfenkriegerin Arin und ihren Gefährten gelingt, den großen Krieg zu verhindern, kann Mithgar vor dem Untergang gerettet werden. Nach seinen Erfolgsromanen "Zwergenzorn", "Zwergenmacht" und "Elfenzauber" legt Dennis L. McKiernan erneut ein atemberaubendes Fantasy-Epos vor, das alle Tolkien-Fans begeistern wird!



Leseprobe:

Inmitten einer pechschwarzen Nacht kämpfte sich die Schaluppe Breeze durch den kräftigen Wind, den prasselnden Regen und die kalte Wut des Westonischen Ozeans. Sturmgepeitschte Wellen krachten über die Dollborde, warfen das kleine Boot hin und her und drohten, es zum Kentern zu bringen.
»Bring sie in den Wind, Arin«, rief der Fjordländer Egil, und die zierliche Dylvana drückte die Ruderpinne in Richtung des Großbaums, während Egil an den Seilen des Klüversegels zog.
Der Bug der Breeze pflügte die Wellen, und das kleine Schiff ritt auf den Bergen der heranrauschenden Wogen, um dann in das Tal dahinter zu tauchen. Der vom Wind gepeitschte Regen, Gischt und Brecher fegten über das Deck und durchnässten alle bis auf die Haut.
»Wir müssen unsere Schlechtwetterkleidung anziehen, bevor das Wasser uns die Wärme aus dem Leib spült«, rief Egil. »Aiko, Ihr geht als Erste.«
Die Kriegerin aus dem fernen Ryodo öffnete die Kabinentür, und während sich ihre Silhouette im Licht der schwankenden Laterne in der Tür abzeichnete, verschwand sie in der Kabine, um einige Zeit später in Robbenfell und Ölzeug gehüllt wieder aufzutauchen.
»Du gehst als Nächster, Egil«, rief Arin, der ihr durchnässtes Seidenkleid, mit dem sie vom Hof Königin Gudruns geflohen war, am Körper klebte. »Meinem Volk macht die Witterung wenig aus.«
Der hoch gewachsene, einäugige Nordmann stieß die Tür auf und verschwand schwankend in der Kabine. Eine wild hin und her schwingende Sturmlaterne warf unstete Schatten in das Innere. Alos lag bewusstlos in einer der Kojen. Sein faltiges Gesicht zeigte keine Regung, seine Lider bedeckten sowohl das blinde als auch das sehende Auge, und sein Mund stand weit offen und entblößte die Zahnlücken des Alten.
Delon saß auf einer anderen Koje und hielt sich krampfhaft an einem Pfosten fest. Das hübsche Gesicht des Barden war totenbleich, und zwischen seinen Füßen stand ein Eimer. Als das Boot sich aufbäumte, über den nächsten Wellenberg glitt und dann nach unten ins Tal schoss, sagte Delon gepresst zu Egil: »Ich konnte Schiffe noch nie ausstehen.« Er beugte sich nach vorn und versuchte vergeblich, sich in den Eimer zu übergeben. »Nichts mehr übrig«, ächzte er, während er gegen das Bullauge sank. »Adon, bin ich nutzlos!«
Egil antwortete nicht, sondern zog sich seine mit Wasser voll gelaufenen Stiefel aus. Rasch legte der Fjordländer auch den Rest seiner Sachen ab, um sich dann in Robbenfell zu hüllen und sich eine Öljacke über die Schultern zu werfen. Schließlich wandte er sich an Delon und zeigte auf Alos. »Falls wir untergehen sollten, schafft den alten Mann nach draußen.« Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und öffnete die Tür.


Die ganze Nacht kämpften sie gegen Wind, Wellen und Regen, doch als der Morgen graute, ließ der Regen langsam nach, und der Wind legte sich. Zuletzt beruhigte sich auch der Ozean, und noch vor Mittag klärte sich der Himmel auf, und die weißen Kämme auf den Wellen verschwanden und ließen nur eine strahlend blaue See unter einer warmen Septembersonne zurück.
Egil schlug jetzt einen südlichen Kurs ein, sodass sie vor dem Wind lagen, und er und Aiko hissten Stag- und Gaffelsegel. Nachdem jeder Fetzen Leinwand gesetzt war, segelten sie zügig durch den Kanal zwischen Jütland und Gelen.
Delon kam blass und schwach aus der Kabine auf Deck, wobei er sich zitternd an Belegnägeln und Tauen festhielt. Schließlich ließ er sich auf eine Seitenbank fallen. Der Barde trug immer noch die grellbunte Kleidung, in der er der Königin von Jütland entkommen war, auch wenn Hemd und Hose arg gelitten hatten und zahlreiche Flecken und Risse aufwiesen. Ein polierter Obsidianstein baumelte an einer Goldkette unter dem Silberkragen um seinen Hals. Aiko warf einen Blick auf sein bleiches Gesicht und sagte: »Keine Sorge, Delon, die Übelkeit wird früher oder später vergehen.«
»Adon«, ächzte Delon, während er sich so fest an die Bank klammerte, dass seine Knöchel weiß wurden, »hoffen wir, dass sie eher früher vergeht als später. Ich habe alles von mir gegeben, was ich von mir zu geben hatte. Als Nächstes kommt mein Magen.«
Egil lächelte grimmig. »Im Spind unten sind andere Gewänder. Ihr könnt welche von mir nehmen, obwohl sie Euch vielleicht etwas zu groß sein dürften.«
»Alos’ Sachen würden besser passen«, sagte Aiko, »aber er hat nicht viel Kleidung.«
Delon sah sich um. »Wo sind wir? Ich sehe weit und breit nur wogende Wellen.«
»Irgendwo zwischen Gelen und Jütland«, antwortete Egil.
»Und wohin sind wir unterwegs?«
»Nach Pendwyr.«
Jetzt wandte Delon sich an Aiko. »Warum habt Ihr mich befreit? Versteht mich nicht falsch, es liegt mir fern, mich zu beklagen, denn ohne Euch wäre ich auf dem Scheiterhaufen dieser Wahnsinnigen gelandet. Aber trotzdem, warum habt Ihr mir geholfen?«
Aiko lächelte, streckte die Hand aus und zupfte an seiner schillernden Kleidung. »Weil Ihr der Deck-Pfau seid, Delon, und wir Euch bei unserer Suche brauchen.«
Delon hob fragend eine Augenbraue. »Pfau? Suche?«
Bevor jemand antworten konnte, drang jedoch ein lautes Heulen und eine Reihe von Verwünschungen aus der Kabine. Fluchend tauchte Alos im Durchgang auf und kam an Deck. Während er sich den schmerzenden Kopf hielt, sah er sich um, und als er seinen Verdacht bestätigt fand, wollte er wissen: »Was hat das zu bedeuten? Ich habe Euch doch gesagt, ich würde Euch nicht weiter als bis nach Jütland begleiten, aber Ihr habt mich wie eine Press-Patrouille der verdammten Marinesoldaten auf das Schiff geschleift und mich wieder aufs Meer verfrachtet … gegen meinen Willen, möchte ich hinzufügen.«
Aiko schnaubte, doch Arin sagte: »Wir konnten Euch nicht zurücklassen, Alos. Ihr gehört zu unserer Gruppe, und man hätte Euch in Jütland getötet und vielleicht vorher noch gefoltert – die Königin hätte es so befohlen.«
»Wenn sie überlebt hat«, fügte Aiko hinzu. »Wenn ihr niemand geholfen hat, könnte sie auch verblutet sein.«
»Dennoch«, sagte Arin, »hätte Alos es mit dem Leben bezahlt, wenn wir ihn zurückgelassen hätten. Es wäre die Pflicht des Haushofmeisters und anderer Hofschranzen gewesen.«
Delon nickte. »Sie war zwar wahnsinnig, aber Regentenmord ist ein Verbrechen, das kein Königreich ungestraft lässt … obwohl es in vielen Fällen stattdessen belohnt werden müsste.«
Alos, der in die Sonne blinzelte, war verwirrt. »Was ist mit der Königin passiert?«
Delon starrte den alten Mann an. »Ihr wisst es nicht?«
Alos schüttelte den Kopf und zuckte bei der Bewegung zusammen. »Ich, äh …«
»Ihr habt Euch betrunken und das Bewusstsein verloren«, sagte Aiko, der ihre Missbilligung deutlich anzusehen war.
Alos funkelte sie an. »Und dann habt Ihr mich wohl gegen meinen Willen ins Schiff geschleift, was?«
Aiko wandte sich angewidert ab.
»Ha, das dachte ich mir«, sagte der alte Mann anklagend. Sein verbliebenes Auge funkelte.
»Es war nur zu Eurem Besten, Alos«, protestierte Arin.
Der alte Mann sah die Dylvana an, dann Egil, der nickte und sagte: »Es stimmt, Steuermann.«
Kaum beschwichtigt, brummte Alos vor sich hin, dann wandte er sich an Delon. »Was ist denn nun mit der Königin? Warum hätte sie mich töten lassen?«
»Na ja«, sagte Delon grinsend, während er Silberkette und Armband aus seinem Hemd zog. Die Kettenglieder waren immer noch am Silberkragen um seinen Hals befestigt. »Die edle Aiko hat ihr die Hand abgeschlagen und mich befreit.«
»Møkk!«, fluchte Alos. »Ich kenne diese Jüten. Sie werden uns bis ans Ende der Welt verfolgen.«
»Vor allem, wenn die Königin überlebt hat«, gab Delon ihm Recht. »Sie wird nicht eher ruhen, bis wir alle tot sind … und je blutiger und schmerzhafter wir sterben, desto besser wird es ihr gefallen.«
»Hng«, knurrte Egil. »Wir können nicht einfach untertauchen. Ich meine, seht uns doch an: eine Dylvana, eine goldhäutige Frau und zwei einäugige Männer.«
»Und ein Deck-Pfau«, fügte Delon hinzu, »was immer das sein mag.«
»Vielleicht wissen sie nicht, dass wir in See gestochen sind«, sagte Aiko.
Egil schüttelte den Kopf. »Sobald sie mit dem Hafenmeister reden, finden sie es heraus.«
Aiko nickte trübsinnig und sagte dann: »Das bedeutet, dass sie Schiffe aussenden werden, um uns aufzuspüren.«
»Nicht einfach irgendwelche Schiffe«, erwiderte Egil, »sondern schnelle Drachenboote.«
»Vielleicht segeln sie nach Norden, Chier«, sagte Arin. »Nach Fjordland, denn sie wissen, dass dort deine Heimat ist.«
»Möglich«, erwiderte Egil. »Aber sie werden auch im Süden und im Westen nach uns suchen. Ich halte es für das Beste, wenn wir weit draußen auf See bleiben. Vielleicht glauben sie, dass wir an der Küste entlang geflohen sind. Wenn wir nur in der Nacht segeln und uns bei Tag verstecken, können wir vielleicht eine Entdeckung vermeiden.«
Aiko sah Egil an und sagte. »Wenn sie uns andererseits auf dem offenen Meer suchen, sind wir in großer Gefahr, wenn sie uns auf See aufspüren. Sie werden sehr viel zahlreicher sein als wir, und wir können ihnen nicht davonsegeln.«
Egil neigte den Kopf. »Aye, Aiko. Aber wir haben den weiten Ozean, der uns Schutz bietet. Es wird so sein wie die Suche nach einem Getreidekorn in einem Feld voller Spreu.«
Arin nickte. »Ich bin auch dieser Ansicht. Würden sie unser Ziel kennen, wären die Aussichten sehr viel schlechter. Aber das kennen sie nicht, also wird uns die See verbergen, und unser guter Steuermann Alos wird uns sicher ans Ziel bringen.«
»Vielleicht glauben sie, dass wir in dem Sturm letzte Nacht gesunken sind«, sagte Delon.
Egil zuckte die Achseln. »Sie werden trotzdem suchen.«
Einen Moment schwiegen alle, dann räusperte sich Delon. »Und wir fahren nach Pellar, sagt Ihr?«
»Aye, nach Pendwyr«, erwiderte Egil.
»Aber nicht weiter, hört Ihr?«, verkündete Alos und betastete mit der Zunge seinen Gaumen. »So weit begleite ich Euch, aber dann trennen sich unsere Wege.« Murrend ging der Alte zur Ruderpinne und setzte sich Arin gegenüber. Er schirmte sein Auge ab, betrachtete die Segel und sagte: »Die Segel stehen nicht ganz richtig, Dara.« Er wandte sich an Egil. »Die Segel müssen getrimmt werden. Ich übernehme das Steuer, dann sind wir schneller da, und dann bin ich von diesem Wahnsinn endlich erlöst. Dann könnt Ihr den grünen Stein allein jagen. Ich beteilige mich dann jedenfalls nicht mehr an diesem aberwitzigen Unterfangen.«
Delons Blick wanderte zu Aiko. »Grüner Stein? Hm. Schon als ich ein kleiner Junge in Gûnar war, wollte ich immer an einem großen Abenteuer teilhaben. Ihr müsst mir von Eurer Suche erzählen.«
Aiko schüttelte den Kopf. »Wir folgen Dara Arins Vision, nicht meiner.«
Delon wandte sich an die Dylvana. »Erzählt mir, was Ihr sucht. Erzählt mir auch, warum die edle Aiko mich einen Deck-Pfau nennt, obwohl ich die Antwort darauf zu kennen glaube. Und wisst Ihr eine Möglichkeit, diesen verwünschten Kragen von meinem Hals zu lösen?«


»Die Katze Die In Ungnade Fiel;
Einauge In Dunklem Wasser;
Den Deck-Pfau Des Wahnsinnigen Monarchen;
Das Frettchen Im Käfig Des Hochkönigs;
Den Verfluchten Bewahrer Des Glaubens Im Labyrinth:
Diese nimm mit,
Nicht mehr,
Nicht weniger,
Sonst wird es dir nicht gelingen,
Die Jadeseele zu finden.«


Mit sanfter Stimme rezitierte Arin die Prophezeiung, nachdem sie ihren Bericht darüber beendet hatte, wie ihre Suche sie von einem Ende der Welt zum anderen, von Darda Erynian über die Festung im Schwarzen Berg und die zerklüfteten Klippen von Mørkfjord bis nach Jütland geführt hatte.
»Aha, so ist das also«, sagte Delon in der Sonne des Spätnachmittags. Nun, da sich seine Übelkeit gelegt hatte, ging es dem Barden viel besser. »Wohlan denn, ich bin dabei. Ich kann einen mitreißenden Heldengesang über unsere Fahrt machen, ob wir Erfolg haben oder nicht.«
»Haltet still«, schnauzte Aiko, die mit ihrer scharfen Stahlklinge am letzten Verschluss des Silberkragens herumsäbelte. »Ich bin fast durch.«
Schließlich durchschnitt die Klinge die letzte weiche Silberniete, und der Kragen fiel ab.
Delon holte tief Luft und atmete langsam aus, dann rieb er sich den Hals und beugte ihn nach rechts und links. »Adon, es tut gut, dieses Ding endlich los zu sein, und ich danke Euch, edle Aiko.« Lachend nahm er Kragen, Kette und Armband und wog alles in den Händen. »Ein spärlicher Lohn für das, was ich durchgemacht habe.«
Egil betrachtete ihn. »Und das wäre …?«
Delon warf einen Seitenblick auf Arin und Aiko. Dann senkte er die Augen und sagte: »Meine Aufgabe bestand darin, die Königin … nun, sie zufrieden zu stellen.« Er schüttelte den Kopf. »Sie war sogar für mich zu viel.«
»Hah!«, blaffte Alos. »Und wie habt Ihr sie dann zufrieden gestellt?«
Delon neigte den Kopf und lächelte dünn. »Es gibt mehr als eine Möglichkeit, eine Frau zu befriedigen.«
Alos lachte laut auf, dann wurde er ernst und wandte sich an Aiko. »Ich hoffe, Ihr habt keinen Fehler gemacht. Ich meine, wir haben den echten Pfau zurückgelassen, und ich will nicht zurückkehren müssen, um ihn doch noch zu holen. Und was das Decken angeht: Wahrscheinlich besorgt er es gerade den Enten.«
»Nein, Alos«, erwiderte Aiko. »Federvieh ist es bestimmt, der eigenen Art treu zu bleiben.«
»Woher wusstet Ihr dann, dass Delon hier der Deck-Pfau ist?«
Delon sah sie mit einem dünnen Lächeln an und wartete auf ihre Antwort.
Aiko zuckte die Achseln. »Die Balkontür war offen, und die Königin war nicht sonderlich leise in ihrer überschwänglichen Leidenschaft. Was den Pfau angeht …«
»Was den Pfau angeht«, warf Delon ein, indem er erst die Arme ausbreitete und dann mit den Händen auf seine Kleidung wies, »seht mich doch an. Was war ich anderes als Gudruns Pfau? Sie hat mich so grellbunt gekleidet, als wäre ich eines ihrer Tiere in der Menagerie. Es ist ein Wunder, dass niemand bei meinem Anblick erblindet ist.« Delon nickte Aiko zu. »In der Tat, edle Aiko, ich bin Der Deck-Pfau Des Wahnsinnigen Monarchen – aber nur einer von sehr vielen, wie mir zu Ohren gekommen ist. Aber ich bin Euch sehr dankbar, dass Ihr mich befreit habt, bevor ich das Los der anderen teilen konnte.«
»Wie seid Ihr dazu gekommen, der Königin, äh« – Alos zeigte ein anzügliches Grinsen – »zu dienen?«
Delon lachte und sagte: »Ich mag den Alten.« Dann wurde seine Miene ernst. »Wie ich dazu gekommen bin, ihr zu dienen, nun, ich bin sehenden Auges geradewegs ins Verderben marschiert …«


Delon pfiff vor sich hin, als er das Schiff aus Gelen verließ, das in Königinstadt angelegt hatte. Wenn die Gerüchte stimmten, würde er bald als Geliebter der Königin in endlosem Luxus leben, daran zweifelte er nicht einen Augenblick. Er würde sie zuerst mit den Augen und der Stimme verführen …
Delon berührte das Amulett an seinem Hals, das ihm sein Vater Elon gegeben hatte, der es von seinem Vater Galon bekommen hatte, und so weiter, bis sich seine Vorfahren im Dunkel der Zeit verloren. Woher das Amulett ursprünglich kam, wusste niemand, obwohl es hieß, es sei ein Geschenk des Magiers Kaldor für einen hervorragend ausgeführten Dienst gewesen. Jedenfalls schien es die Kraft zu haben, seine Stimme zu verstärken, und in Verbindung mit seiner Ausbildung als Barde ließ ihn das Schmuckstück beinahe wie einen elfischen Sänger klingen.
… und wenn sie ihn mit in ihr Bett nahm, würde er sie mit den Händen und Lippen liebkosen, ihr glühende Verheißungen zuflüstern und sie schließlich mit seinem ganzen Körper lieben. Er war davon überzeugt, dass er sie befriedigen können würde, denn er hatte einen Großteil der letzten fünfzehn Jahre in Gesellschaft von Frauen verbracht, in erster Linie in ihren Betten, und ihm war noch keine Frau begegnet, die er nicht zufrieden stellen konnte. Die Belohnungen waren beachtlich gewesen: das beste Essen, der beste Wein, schöne Kleider, kostbare Bücher, kleine Schätze, seltener Tand und vielerlei Annehmlichkeiten – oh, nicht notwendigerweise körperliche Vergnügungen, obwohl es diese in beträchtlichem Maß gab, sondern Unterhaltung für Geist, Verstand, Herz und Seele. Auch Reisen und Abenteuer hatten ihm offen gestanden, obwohl er bisher alle Anstrengungen vermieden hatte, denn er liebte den Luxus zu sehr. Gewiss, es gab Zeiten, wenn er aus den Armen einer Frau fliehen musste – wenn ihr Vater, Bruder, Gemahl oder Verlobter unerwartet in ihr Gemach kam –, und es gab Zeiten, wenn er sich den Weg freikämpfen musste, denn er war geübt im Umgang mit dem Rapier, obwohl er sich meist mit Worten herauswand. Aber insgesamt streunte er von einem behaglichen Unterschlupf zum nächsten, wenn sein Appetit auf einen speziellen Ort oder eine Frau nachließ.
So trieb er sich umher, von Anwesen zu Herrenhaus, von Landsitz zu Villa, und suchte Vergnügen, suchte … er wusste nicht, was er sonst noch begehrte.
Schließlich hatte er von der Königin der Jüten gehört, von der man sagte, dass sie einen Geliebten herbeisehne. Und da er noch nie zuvor im Bett einer Königin gelegen hatte, geschweige denn einer so außerordentlich reichen wie Gudrun, gedachte er sich auch in diesem Spiel zu versuchen. Sicher, es gab geflüsterte Gerüchte über vergangene Liebhaber und auch Gerüchte über ihre seltsamen Vorlieben – wenig glaubhafte Geschichten über Hunde, Pferde und andere Tiere –, aber er hatte selbst schon viele Geliebte gehabt, darunter auch solche mit außergewöhnlichen Neigungen, und die Geschichten, die verlassene Frauen über ihn verbreiteten, waren ebenso offensichtlich falsch.
Und so kam er mit einem simplen Plan nach Königinstadt: ins Bett der Monarchin zu gelangen. Da wusste er noch nicht, worauf er sich einließ.
Es dauerte keine Woche, bis er eingeladen wurde, vor der Königin zu singen, und der Abend war noch nicht weit fortgeschritten, als sie ihn in ihr Bett holte.
Vollkommen erschöpft von ihren Ansprüchen, schlief er wie ein Toter, und als er erwachte, hatte er einen Silberkragen um den Hals, der durch eine Silberkette mit einem Armband verbunden war, das sie trug.
Dann, eines Nachts im Nachglühen des Liebesaktes, bekannte sie ihm flüsternd, warum sie als wahnsinnig galt: Sie erzählte ihm mit zärtlicher Stimme, dass ihre vorherigen Liebhaber – Hunderte an der Zahl – einer nach dem anderen geopfert worden seien, wenn sie ihre Lust nicht mehr hatten befriedigen können. Sie hatte um jeden Einzelnen getrauert: Sie pflegte bei diesen Anlässen zu weinen und immer wieder den Namen ihres Vaters zu rufen, während der verflossene Geliebte seine Qualen herausschrie, da ihm das Fleisch von den Knochen gesengt wurde, und er lebendig verbrannte.
Doch nun glaubte sie, endlich ihren Geliebten für die Ewigkeit gefunden zu haben, denn Delon konnte und würde ganz gewiss jedes ihrer fleischlichen Gelüste befriedigen – für immer.
Delon war entsetzt und hätte sie bereits in diesem Augenblick beinah enttäuscht, aber zum Entzücken der Königin kannte er tatsächlich mehr als eine Möglichkeit, eine Frau zu befriedigen.
Was den Barden betraf, so wurde ihm jeder Wunsch erfüllt. Abgesehen von seiner Freiheit konnte er alles verlangen – Speisen, Wein, Kleider, Luxus, was immer er begehrte. Doch für seine Freiheit hätte er mit Freuden alles hergegeben.

Autorenportrait:

Dennis L. McKiernan wurde am 4. April 1932 in Missouri geboren. Im Alter von 18 Jahren trat er in die Air Force ein und kämpfte vier Jahre als Soldat im Korea-Krieg. Nach seiner Militärzeit studierte McKiernan Elektrotechnik. 31 Jahre lang arbeitete er al

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