Beschreibung:
Das aus bescheidenen Familienverhältnissen stammende Muttersöhnchen Heinrich Lee ? wegen der Farbe seines Wamses »grüner Heinrich« genannt ? will sein Glück in der Malerei suchen. Mit großen Erwartungen kommt er nach München, wo ihm seine hochfliegenden Träume durch erniedrigende Erfahrungen als Gelegenheitsarbeiter gründlich ausgetrieben werden. Heinrich sagt sich von der Malerei los und kehrt desillusioniert in seine Heimatstadt zurück.
Da seine vom Gram zermürbte Mutter in der Zwischenzeit verstorben ist, muss sich Heinrich auch sein moralisches Scheitern eingestehen. Die hier vorliegende Erstfassung schrieb Keller als junger, noch weitgehend unbekannter Schriftsteller in den Jahren zwischen 1846 und 1855. Gegenüber der 1879/80 erschienenen, wesentlich veränderten Zweitfassung besticht die Erstfassung durch ihre Unmittelbarkeit, ihre Radikalität und lyrische Intensität.
Kurzbeschreibung:
›Der Grüne Heinrich‹ ist bei aller historischen Distanz – ein faszinierender und insgesamt durchaus fesselnder Roman. Vom Typ her handelt es sich wie gesagt um einen Bildungs- oder Entwicklungsroman, wie er ja auch heute noch verfasst wird, wenngleich im Detail sicher anders als vor etwa 150 Jahren. Dass Gottfried Keller, der selbst einmal als Mahler angefangen hatte, ein großer und angesehener Schriftsteller wurde, das kann man hier gut nachvollziehen. Er schildert natürlich Zustände, die für ihn und seine unmittelbaren Leser – anders als für uns – zeitgenössische Zustände waren, wenngleich er sowohl für die Schweizer wie auch für die deutschen Szenen immer wieder gerne historische Dimensionen einarbeitet; vielleicht macht es uns diese inhärente historische Komponente sogar leichter, uns auf diesen Roman einzulassen, der inzwischen natürlich als Ganzes ein historischer Roman geworden ist. Nehmen Sie sich also die Zeit und die Muße, auch einmal wieder einen Klassiker der Romanliteratur zu lesen; es lohnt sich, auf diese Weise die moderne Hektik hinter sich zu lassen.