Kurzbeschreibung:
Deutschlands bekanntester Namensforscher verrät, was sich hinter prominenten, außergewöhnlichen, unverständlichen oder delikaten Namen verbirgt.
Wissen Sie, was Ihr Nachname bedeutet? Und wie er entstanden ist? Warum heißt jemand Montag, Wackernagel, Rakete oder Merkel? Muss sich die Familie Morgenschweiß wirklich schämen? Und erlauben Gottschalk, Schiller, Almsick, Porsche oder Mozart Rückschlüsse auf die Berufung oder gar den Charakter? Deutschlands einziger Professor für Namensforschung entschlüsselt die Geheimnisse deutscher Nachnamen.
. Bietet neben der Deutung zahlreicher Nachnamen auch praktische Tipps für Recherchen zur Herkunft des eigenen Namens.
Leseprobe:
Zu diesem Buch
Die Funktion eines Namens ist eindeutig und schnell erzählt: Er dient der Identifizierung einer Person und ermöglicht die Abgrenzung von anderen Menschen. Dieser Funktion wird er zumindest in Deutschland gerecht, obwohl sich in der Bundesrepublik mehr als 80 Millionen Menschen über eine Million Nachnamen teilen müssen. Und abgesehen davon, dass mehr als 755000 Menschen auf den häufigsten Nachnamen Müller hören, ist eine Unterscheidung zweier Menschen in den meisten Fällen ohne größere Probleme möglich. Denn spätestens seit dem 12. Jahrhundert wurde dies mit der Entstehung eines zweigliedrigen Namens, der fortan aus Ruf- und Familiennamen bestand, nochmals erheblich vereinfacht.
Noch interessanter und vielschichtiger als die Funktion von Namen ist deren Bedeutung. Für den einen ist der Name das stolze Zeugnis, einer angesehenen und mächtigen Familie anzugehören (früher sprach man davon, jemand sei »von hohem Stand geboren«). Für die anderen bedeutet er eine lebenslange Last, mit einem vermeintlich einfachen (Hinz), lächerlichen (Morgenschweiß) oder in Verruf geratenen Namen geschlagen zu sein, wie es sicherlich bei Hitler der Fall wäre.
Wichtiger als ihre Funktion ist somit der Einfluss, den Namen seit Jahrhunderten auf das Leben der Menschen besitzen. Dieser Einfluss ist – ohne zu übertreiben – nahezu unermesslich.
Da der Nachname uns ohne unser Zutun verliehen wurde, nehmen wir ihn meistens als unveränderlich hin. Deshalb weiß kaum jemand, dass sein Verlust sehr schmerzhaft wäre. Denn erst ein Name macht aus einer Person eine Persönlichkeit. Erst durch ihn klettern wir auf der Leiter der Evolution von der Sprosse eines hoch entwickelten Säugetiers zu der eines Menschen mit eigenem Bewusstsein. Wenn es überhaupt eine Zeit gibt, in der wir ohne Namen auskommen, dann sind es allenfalls die ersten Lebensjahre. Es heißt, das Bewusstsein des Menschen entwickle sich im Alter von drei Jahren. Nach jüngsten Untersuchungen nimmt das Kleinkind erst zwischen dem 18. und dem 24. Lebensmonat sein eigenes Gesicht im Spiegel als Abbild seiner selbst wahr. Davor haben wir dieses Entwicklungsstadium noch mit fast allen Tieren gemeinsam: Mit der Ausnahme von Orang-Utans und Delphinen »wissen« Tiere nicht, dass sie überhaupt auf der Welt existieren, und erschrecken vor ihrem eigenen Spiegelbild. Deshalb brauchen sie im Gegensatz zu uns auch keinen Namen. Als Bestandteil der Herde ist dieser Grad der Identifikation für sie nicht notwendig. So betrachtet hat ein Name ebenso wie die Sprache eine noch viel existenziellere Bedeutung: Er markiert auch den Unterschied zwischen Mensch und Tier. Seine Identifikationsfunktion mag vielleicht durch einen Fingerabdruck oder eine DNA-Analyse ersetzbar sein. Von seiner gesellschaftlichen Bedeutung her ist er unverzichtbar und zählt zu den wichtigsten persönlichen Merkmalen in unserer Zeit. Vielleicht ist er sogar das wichtigste Merkmal überhaupt. Denn ohne einen Namen wäre das zivilisierte Leben, wie wir es derzeit in Europa und in den meisten Industrieländern führen, überhaupt nicht denkbar.
Das fängt bereits morgens nach dem Aufstehen an. Damit die Zeitung samt Post im richtigen Briefkasten landet, sollte ein unterscheidungskräftiger Name sowohl auf dem Briefkasten als auch auf den Umschlägen stehen, die der Postbote zu verteilen hat. Das Geld, das wir verdienen, muss auf dem richtigen Konto bei dem richtigen Kreditinstitut landen. Sowohl für die Anstellung in einer Firma als auch bei der Eröffnung des Bankkontos ist ein individualisierbarer Name also unverzichtbar. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der oft beklagte Umstand, man sei als Arbeitnehmer oder als Kunde bei großen Firmen »nur eine Nummer« und keine Person. Doch selbst wenn der Lohn bar ausgezahlt werden würde, gäbe es ohne Namen unüberbrückbare Schwierigkeiten, das Geld wieder auszugeben. Hotels, Autovermietungen, Internetfirmen, Videotheken und viele andere Unternehmen verlangen heutzutage einen Identitätsnachweis, bevor sie ihre Produkte und Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Ganz zu schweigen von den meisten ausländischen Nationen, die reisende Urlauber nur dann ins Land lassen, wenn sie einen Pass vorlegen können, in dem der Inhaber mit seinem eigenen Namen unterschrieben hat.
»Wie heißt du?« ist die Frage, die Fremde wohl am häufigsten stellen, meistens gleich zu Beginn der Bekanntschaft. Wenn aus der flüchtigen Begegnung mit einem gut aussehenden, klugen, sympathischen Menschen aber mehr werden soll, ist es unbedingt erforderlich, seinen Namen zu erfahren. Bei vielen würde es ohne ihn noch nicht einmal zu einem ersten Date kommen. Denn wem schickt man eine SMS, wenn der Name nicht im Handy gespeichert ist?
Auch unsere gesamte demokratische Verfassung basiert darauf, dass wir die Dinge beim Namen nennen können: Das Grundgesetz spricht in Artikel I nicht von der Würde der Menschheit, sondern von der des Menschen. Diese kann aber nur dann unantastbar sein, wenn jeder einzelne Mensch individualisierbar ist. Im DDR-Gefängnis Bautzen II hatten die Häftlinge neben allen persönlichen Dingen auch ihren Namen abzugeben. Bis Sommer 1965 nahm ihnen diese Regelung jegliche Identität. Sie durften sich nicht mit ihrem Namen melden, sondern nur mit ihrer Gefangenennummer.
Der Mensch braucht also einen Namen, wenn er am sozialen und politischen Leben teilhaben will. Tatsächlich würde ohne ihn unser gesamtes Rechtssystem in sich zusammenbrechen. Denn ein wesentliches Grundprinzip der Demokratie ist es, die Herrschaft des Volkes auf einzelne, ausgewählte Volksvertreter zu übertragen. Die Politiker können Wahlkampf betreiben, so viel sie wollen. Um in einer Wahl zu gewinnen, benötigen sie zumindest ihren Namen auf einer Liste, hinter dem die Wähler ein Kreuz machen können. Die Namen der Politiker stehen hier im Wettbewerb, ganz genauso wie Markenartikel im Supermarkt. Vermutlich ist das der Grund, warum die Werbung für einen Politiker, mit deren Nachnamen wir uns nachher noch ausführlicher beschäftigen werden, mittlerweile durchaus Ähnlichkeiten mit der für einen Markenartikel aufweist.
Auch unser gesamtes Wirtschaftssystem basiert auf dem Gedanken des Wettbewerbs, der immer mehr ein Wettbewerb der Namen ist. Ein Namenloser könnte nie als Sieger im Kampf um die Gunst des Kunden hervorgehen. Hier zeigt sich, dass nicht nur Personen eine Kennzeichnung benötigen, sondern auch Produkte. Der Käufer kann im Supermarkt nur dann zwischen mehreren Erfrischungsgetränken wählen, wenn sie sich für ihn in einer wiedererkennbaren Art und Weise unterscheiden. Das ist der Grund, warum Firmen Millionen und Abermillionen für knallige Produktnamen ausgeben, diese weltweit schützen lassen, um dann noch mehr Geld in Werbekampagnen zu investieren, damit sich der Markenname auch dauerhaft einprägt.
Filme werden mit den Namen großer Schauspieler beworben. Die Bücher von Erfolgsautoren finden größeren Absatz als die eines noch namenlosen Newcomers, und ein Picasso oder ein van Gogh erzielt ganz andere Auktionspreise als das Bild eines sehr begabten, aber unbekannten, noch nicht namhaften Künstlers.
Längst hat sich die Bedeutung von Namen in unserem Sprachgebrauch verankert. Wir sprechen von namhaften Persönlichkeiten und Institutionen. Wir wollen mit unserem »guten Namen« bezahlen, wenn wir unsere Kreditkarte an der Kasse vorzeigen. Wir geben uns am liebsten mit Menschen »von Rang und Namen« ab und bedauern »ein namenloses Heer« von Toten. Der Volksmund irrt, wenn er sich auf Goethes Faust beruft: »Namen sind Schall und Rauch.« (Wer genau nachliest, erkennt, dass Faust sich mit diesem Wort nur davor drückt, das »höhere Wesen, an das er glaubt«, mit dem Namen »Gott« zu belegen.) Vielmehr gelten die Worte Jacob Grimms: »Es gibt ein lebendigeres Zeugnis über die Völker, als Knochen, Waffen und Gräber, und das sind ihre Sprachen«. Und an anderer Stelle:
»…ohne die eigennamen würde in ganz frühen jahrhunderten jede quelle der deutschen sprache versiegt sein, ja die ältesten zeugnisse, die wir überhaupt für diese aufzuweisen haben, beruhen gerade in ihnen… eben deshalb verbreitet ihre ergründung licht über die sprache, sitte und geschichte unserer vorfahren.«
Auf Grimms Initiative hin stellte übrigens die Berliner Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1849 eine Preisaufgabe:Ein Wörterbuch der altdeutschen Orts- und Personennamen sollte erstellt werden. Ernst Förstemann legte einen Entwurf vor und erhielt den Preis von 100 Dukaten. Aus diesem Entwurf entstand das für uns nach wie vor wichtigste Werk: Das Altdeutsche Namenbuch. Es ist ein großes und wertvolles Hilfsmittel, das ich in meiner täglichen Arbeit an der Universität und natürlich auch für dieses Buch oft konsultieren musste, obwohl es schon mehr als einhundert Jahre alt ist.
Anders als viele hervorragende Schriften zum Thema Namenforschung ist dieses Buch, das Sie gerade in den Händen halten, kein Lehrwerk. Es soll Sie auf unterhaltsame Art mit der faszinierenden Welt unserer Namen bekannt machen. Auf langatmige wissenschaftliche Ausführungen wird daher möglichst verzichtet. Für die Fälle, bei denen es mir nicht gelungen ist, Sie spannend zu unterhalten, bitte ich jetzt schon um Entschuldigung. Meinen Kolleginnen und Kollegen sei gesagt, dass die hier gewählten Namengruppierungen natürlich nicht den anerkannten Grundsätzen der Onomastik (so die griechische Bezeichung für Namenkunde) entsprechen. Sie dienen nur dem Lesevergnügen.
Sollten Sie eine ausführliche Analyse und Interpretation von Vornamen vermissen, so gebe ich Ihnen im Anhang weiterführende Hinweise zur eigenen Recherche. Die folgenden Kapitel beleuchten im Schwerpunkt die Herkunft und die Bedeutung individuell ausgewählter Familien-, also Nachnamen.
Teil I
Woher kommen unsere Familiennamen?
Namen sind etwas Seltsames. Gleichgültig, ob wir Ortsnamen wie Nordenham, Einswarden, Butjadingen, Waddens, Weser, Lehe und Drangstedt nehmen oder Familiennamen wie Tirpitz, Szymanski, Stemplinski, Karkowsky, Wewior, Wowereit, Mikulla, Sawade oder Riebicke – der Sinn bleibt uns eigentlich verschlossen. Während wir gedanklich bei Wörtern wie Stuhl, Auto, Stadt, Fluss, Buch, Computer und so fort blitzschnell eine Vorstellung von den Dingen haben, ist uns dies bei Namen meistens nicht möglich. Denn welche sprachliche Bedeutung haben Berlin, Moskau, London, Paris, Stockholm, Bremen, Hamburg? Und warum gibt es so merkwürdige Familiennamen wie Deutschbein, Wolkenhauer, Giesbier, Zinkernagel, Rathsack, Kochrübe, Holzapfel, Raffke, Bleifuß, Butterbrodt, Himmelheber, Thürnagel, Frankenstein, Knochenmus, Kindervater oder Brühschwein?
Kann man herausbekommen, was dahinter steckt? Natürlich. Denn jeder Name hat eine ursprüngliche Bedeutung, die sich uns nur heute oft nicht mehr von selbst erschließt, weil sich der Name im Lauf von Jahrhunderten in Aussprache, Schreibweise und auch inhaltlich verändert hat. Der Name Geiler etwa kommt ursprünglich von dem mittelhochdeutschen geilaere, dem »fröhlichen Gesell«. Neben der Schreibweise veränderte sich auch seine vermeintliche Bedeutung. Genauso wie bei Pagenkopf: Heute beschreibt das Wort eine Frisur. Früher war es ein gehässiger Name für jemanden mit einem großen Kopf, denn page ist niederdeutsch und heißt »Pferd«.
Die wenigsten Menschen wissen, dass die Namenforschung eine anerkannte wissenschaftliche Disziplin ist. Ich selbst verdanke ihr meine Professur für Onomastik an der Universität Leipzig. Wurde man einmal, so wie ich vor langer Zeit, mit dem »Namenvirus« infiziert, so lässt einen der Forscherdrang nie wieder los: Zuerst betreibt man die eigene Ahnenforschung, dann – eher früher als später – wird man zu seinem Telefonverzeichnis greifen und beinahe jeden darin eingetragenen Namen hinterfragen. Bis man schließlich alle Bekannten und Verwandten mit den Worten empfängt: »Hast du dich eigentlich einmal gefragt, was dein Name bedeutet?« Ich warne Sie schon jetzt vor diesem Effekt. Und ich bedanke mich bei Ihnen dafür gleich im Voraus. Denn durch Ihr Interesse und Ihren Wissensdrang sichern Sie den Fortbestand und Erhalt der Namenkunde.
In den folgenden Kapiteln werden wir gemeinsam zu einer Reise zu den Wurzeln unserer Herkunft aufbrechen. Dabei ist es mir leider nicht möglich, die Nachnamen aller Deutschen zu behandeln. Ich habe daher eine Auswahl vorgenommen. Sie als Leser sollen in erster Linie Spaß dabei haben und möglichst Ihre Leidenschaft für Namenforschung entdecken. Ich begnüge mich aber nicht mit einigen netten Anekdoten, sondern werde Ihnen immer auch allgemein gültige Hinweise geben, wie Sie der Bedeutung Ihres eigenen Namens näher kommen. Wichtige Materialien dazu finden Sie im dritten Teil des Buches.
Doch bevor wir unsere Reise beginnen, müssen wir noch einige wenige Vorkenntnisse in unsere Koffer packen. Es ist nämlich wichtig zu wissen, dass es vielfach mehrere und manchmal gar keine eindeutigen Ergebnisse der Bedeutungsanalyse eines Namens geben kann. Warum das so ist, werden Sie verstehen, wenn ich Ihnen kurz einige Grundzüge unserer wissenschaftlichen Arbeit erläutere. Ich verspreche Ihnen, dass es schnell geht – und dass für Sie die Lektüre dieses Buches danach noch unterhaltsamer sein wird.
Woher kommen unsere Familiennamen?
Zunächst einmal muss klar sein, dass wir es bei der Betrachtung von Namen immer mit Sprache zu tun haben. Und die Sprache ist ein Perpetuum mobile – immer in Bewegung, sie verändert sich ständig. Wenn wir heute einen Namen untersuchen, ist es so, als ob wir einen Film über die sprachliche Entwicklung rückwärts abspielen. Oft reisen wir Hunderte von Jahren in der Zeit zurück: so lange, bis wir bei der Geburtsstunde des Namens angelangt sind. Sie können sich diesen Erkenntnisprozess an einem ganz einfachen Beispiel verdeutlichen. Die Situation dürfte wohl fast allen bekannt sein: Eine Großmutter kommt zu Besuch. Sie hat ihr Enkelkind ein halbes Jahr lang nicht gesehen. Was sagt sie? »Bist du aber groß geworden!« Den Eltern des Kindes ist diese Entwicklung vielleicht gar nicht so deutlich aufgefallen. Durch den ständigen Umgang mit dem Nachwuchs sind Veränderungen relativ schwer zu verfolgen.
Auch die Sprache verändert sich tagtäglich. Und deshalb haben sich ebenso unsere Namen über die Jahrhunderte in Form, Schrift und Klang gewandelt. Prinzipiell geschieht dieser Prozess unmerklich. Für den Wissenschaftler ist er aus dem zeitlichen Abstand heraus aber deutlich erkennbar. Oft ist die Forscherarbeit spannend und gleicht einem Krimi. Im 19. Jahrhundert stellten Engländer in Indien, der damaligen englischen Kolonie, bei der Lektüre von Schriften in Sanskrit fest, dass diese altindische hoch altertümliche Gelehrtensprache gewisse Ähnlichkeiten mit europäischen Sprachen aufweist, zum Beispiel im Wort für Mutter. Altindisch heißt es matár. Es findet sich im Griechischen meter, und in Latein lautet es mater.
Sprache verändert sich. Namenforschung ist daher zwangsläufig Detektivarbeit. Die Spur der Veränderung muss bis zum Ausgangspunkt zurückverfolgt werden. Wenn Sprache statisch wäre oder ihre Geschichte nicht allzu lange zurückreichen würde, wäre unsere Arbeit um vieles leichter. »Telefon« beziehungsweise »Telephon« etwa kann kein altes Wort sein. Der Familienname »Telephonierer« wäre also zumindest zeitlich leicht einzuordnen.
Durch die Reglementierung der Namengebung mit den derzeit geltenden Namengesetzen und standesamtlichen Vorschriften ist die Entwicklung der Namen deutschen Ursprungs bis in alle Zukunft zementiert. Neubildungen gibt es nur noch bei Doppelnamen, Pseudonymen und Künstlernamen. In die Vergangenheit können wir aber bis in eine Zeit zurückschauen, in der es nur mündliche Überlieferungen, also noch bevor es überhaupt schriftliche Quellen gab. Das indogermanische Wort für hundert zum Beispiel (lateinisch centum; russisch sto; litauisch simtas; altindisch satám und deutsch hundert) ist uralt und lässt sich auf eine ungefähre Grundform kmtom zurückführen.
Demnach stellt sich eine ganz einfache Frage: Gibt es einen Urnamen? Sind wir tatsächlich alle auch im wörtlichen Sinne auf Adam und Eva zurückzuführen?
An der Universität Leipzig fanden Sprachwissenschaftler Verwandtschaften zwischen zahlreichen Sprachen wie Germanisch, Keltisch, Lateinisch, Griechisch, Albanisch, Slawisch, Baltisch, Iranisch, Indisch und anderen. Sie folgerten daraus, dass diese Sprachen eine gemeinsame Quelle haben mussten, eine Ursprache, die lange vor Christi Geburt bestanden hat. Wo sie gesprochen wurde, ist bis heute umstritten, und eine Darstellung der wissenschaftlichen Diskussion würde hier den Rahmen sprengen. Fest steht aber, dass es einen einzigen Urnamen wegen der mannigfaltigen Evolution auf unserem Planeten wohl kaum gegeben hat. Und selbst wenn das der Fall gewesen wäre – die Veränderungen und Durchmischungen führten zu einer immer weiter gehenden Differenzierung verwandter Sprachen, sodass die alten Verbindungen für uns heute immer weniger kenntlich geworden sind.