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Nacht über den Highlands

von Gertrud Wittich, Kinley MacGregor (Buch)

  • ISBN:3-442-36440-X
  • EAN:9783442364404
  • Veröffentlichungsdatum:Januar 2007
  • Gewicht in g:346
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:416
  • Stilrichtung:Roman

Kurzbeschreibung:

Er ist ein Ritter der "Bruderschaft des Schwertes ". Sein Leben dient dem Kampf. Bis der Zufall ihm die schöne Troubadourin Rowena de Vitry in die Arme führt. Mit seinem ganzen Herzen versucht Stryder of Blackmoor die Schöne zu erobern und vergisst dabei, dass seine Feinde nicht schlafen. Doch sie ist die einzige, die zu ihm hält, als der König ihn des Hochverrats.





Leseprobe:

Prolog
Kommt, setzt Euch zu mir, Freund und Pilgersmann, und lauscht meiner Mär, die den meisten noch unbekannt sein dürfte.
Sie handelt von Ehre und Freundschaft, von Kraft und Stärke, von Loyalität und Tapferkeit. Es ist dies eine Mär von Knaben, die zu Männern wurden, nicht durch die Zahl der Jahre, sondern weil sie durchs Feuer gingen, durchs Feuer der Hölle, Arm in Arm, Schulter an Schulter, trotzig, kühn und mit nur einem Leitsatz:
Alle oder keiner.
Wir alle kehren heim.
Wir sind Brüder bis in den Tod.
Man sagt, der härteste Stahl werde im heißesten Feuer geschmiedet, dem Feuer der Hölle. Ich selbst bin Zeuge. Denn auch ich gehörte zur Bruderschaft. Gefangen in einem Lande, das vielen unter dem Namen Outremer oder auch als Heiliges Land bekannt sein mag. In der Gewalt meiner Feinde, gefangen im tiefsten Verlies, lernte ich diese erstaunlichen Männer kennen.
Wir waren fünfzig in unserer kalten, engen, überfüllten Zelle. Zerschunden, zerschlagen, halb verhungert. Aber nicht besiegt. Nein, nicht besiegt.
Nichts Irdisches konnte den Willen dieser Männer brechen.
Ob gleich junge Männer, manch einer kaum dem Knabenalter entwachsen, waren sie dennoch hager und abgehärmt wie Greise. Ihre Gesichter waren zerfurcht, in ihren Augen spiegelten sich nackter Hunger und das Entsetzen über ihr Martyrium. In zerfetzte Lumpen gehüllt, die Leiber vernarbt, aus alten und neuen Wunden blutend, fochten sie den noch mit einem Willen und einer Kraft, die mir bis heute den Atem raubt.
Wir waren fünfzig, und fünf davon wurden zu unseren Anführern: der Geist ? ungesehen und ungehört erreichte er jeden Ort ? war unser Verbindungsmann, unser Bote; der Schotte ? er nahm die Strafe für andere, für Schwächere auf sich; der Witwenmacher ? er wachte über uns und plante unsere Flucht; der Magier ? wie durch Zauberhand beschaffte er uns alles, was wir benötigten; und schließlich der Abt, ein belesener, frommer Mann, dessen unverbrüchlicher Glaube uns nicht vergessen ließ, dass wir, trotz unseres elenden Daseins in Schmutz und Gefangenschaft, Menschen und keine Tiere waren.
Wir nannten sie die Quinfortis, »die Macht der Fünf«. Dank ihnen verloren wir nie den Mut, verloren nie die Hoffnung, obwohl unsere Folterknechte danach trachteten, unseren Willen zu brechen. Ohne sie wären wir nie mehr heim gekehrt.
Wir wären um gekommen. Ausnahmslos alle.
Diese Ballade soll ihr Loblied singen.

Der Witwenmacher.
Ich traf den Mann, den die Bruderschaft den Witwenmacher nannte, am ersten Tag meiner Gefangenschaft. Sein Gesicht war durch Prügel derart entstellt, dass er mir wie ein Ungeheuer erschien. Doch den Blick seiner Augen werde ich nie vergessen.
Intelligent, durchdringend, schaute er mir bis in die Seele. Er bot mir seine Hand, so wie all den anderen, die in Gefangenschaft geraten waren, er bot mir seine Hand und versprach mir, er werde mich bis zum letzten Atemzug verteidigen.
Es war ein heiliger Schwur.
In jener Nacht, als unsere Flucht gelang, hielten sieben die Stellung, um uns einen Vorsprung zu ermöglichen.

Die Quinfortis, das Phantom und der Heide.
Während wir ein Schiff Richtung Heimat bestiegen, blieben jene sieben Tapferen zurück, um gegen unsere Folterknechte mit nichts als den bloßen Händen zu kämpfen. Selbst jetzt noch, Jahre später, sehe ich sie klar und deutlich in jener sternenklaren Mondnacht vor mir: wie besessen fochten sie, während wir auf ihr Geheiß rannten, um unsere Freiheit wiederzuerlangen.
Der Geist, der Schotte, der Witwenmacher, der Magier, der Abt, das Phantom und der Heide. Männer, die schworen, ihre christlichen Namen erst dann wieder zu tragen, wenn sie ihre Freiheit wiedererlangt hätten. Nicht hier, wo sie zu einer tierischen Existenz verurteilt waren, wo sie um Brot und Leben kämpfen mussten.
Männer, die durch die Narben, die sie davontrugen, und durch die Eide, die sie einander schworen, zu Brüdern geworden waren. Durch das Brandzeichen auf der rechten Hand, das Symbol unserer Feinde, das uns nie die Zeit vergessen lässt, als wir wie wilde Tiere leben mussten.
Aber in der Nacht unserer Flucht, da waren sie kein Vieh. Sie waren auch keine sterblichen Männer, keine bloßen Knaben.
Sie waren Helden.
Helden, deren Taten, deren Selbstlosigkeit, nie der Vergessenheit anheim fallen darf.
Ich habe euch bereits die Geschichte des Geistes erzählt, jenes Mannes mit Namen Simon von Ravenswood, und der vielen Segnungen, deren er später teilhaftig wurde.
Nun ist es an der Zeit, von einem anderen zu berichten.
Vom Witwenmacher, der Welt bekannt unter dem Namen Lord Stryder, Graf von Blackmoor ? ein Mann, der viele Geheimnisse mit sich trug, aber auch viele Stärken hatte.
Ein Mann, dessen Leben der Kampf war und der erst noch lernen musste, welche Schönheit abseits des Schlachtfeldes harrte.
Jenen von euch, welche die Neugier plagt, sage ich: Auch ich legte, wie viele andere, während meiner Gefangenschaft meinen christlichen Namen ab. Auch ich bekam von der Bruderschaft einen neuen Namen. Ich lebe jetzt wieder unter meinem Geburtsnamen, doch um das Lied jener Helden zu singen, werde ich abermals jenen Namen tragen, den sie mir gaben: der Minnesänger. Ja, ich bin ein Barde, ein fahrender Spielmann, rastlos auf der Suche nach Seelenfrieden, nach Ruhe vor der Vergangenheit, während ich gleichzeitig unermüdlich das Loblied jener Helden singe, deren unermesslichen persönlichen Opfern wir allein es zu verdanken haben, dass wir heute noch leben.
Und hier nun beginnt die offizielle Geschichte von der Bruderschaft des Schwertes ?


1. Kapitel


Waffenübung! Waffenübung nennen sie das!«, brummte Stryder von Blackmoor und stapfte zornig vom Turnierplatz. »Unfähige Trampel, alle samt!«
Kein einziger seiner sogenannten Gegner im Lanzenstechen war für ihn auch nur im Ansatz eine Herausforderung. Da hätte er ebenso gut gegen seinen Bruder Kit antreten können, solche Schwächlinge waren das. Die schimpften sich Ritter.
Eine verfluchte Schande war das, wenn ein anständiger Mann nicht mal mehr einen würdigen Gegner fand.
Natürlich gab es immerhin vier, die es ihm zumindest ein wenig schwer machen könnten ? die Ritter aus seiner eigenen Gefolgschaft nämlich: Raven, Will, Swan und Val. Aber um diese frühe Tageszeit würden sie sich höchstens auf dem Weg zum Abort die Köpfe einrennen ? das war der übliche Preis für die Ausschweifungen des vergangenen Tages.
Sie waren zu lange auf Reisen gewesen, und so war es nicht verwunderlich, dass seine jungen Ritter den Versuchungen des englischen Hofes und dessen dekadenter Vergnügungssucht erlegen waren. Den letzten Abend hatten sie beim fröhlichen Zechen in Damenbegleitung zugebracht.
Will war als Erster mit einer reichen, vollbusigen Witwe am Arm verschwunden. Nach dem Mahl und diversen Krügen Met hatte sich Will diskret mit seiner Lady aus dem Staub gemacht. Raven war kurz nach Mitternacht volltrunken zusammengebrochen und musste von Stryder und Swan in sein Zelt getragen werden. Anschließend hatte sich Swan mit seiner neuesten Eroberung ? einer Lady, die der junge Ritter seit gerade einer Stunde kannte ? diskret zurückgezogen.
Und Val ?
Val hatte sich auf ein Wetttrinken mit der Leibgarde des Königs eingelassen. Stryder, der im Großen und Ganzen mitbekommen hatte, welche Mengen an Flüssigem dabei konsumiert wurden, hatte es beim Gedanken an den Kater, der den jungen Mann am nächsten Tag erwarten würde, unwillkürlich geschaudert.
Gegen halb vier Uhr morgens hatte er sich dann schließlich von seinem Gefolgsmann verabschiedet ? nicht ohne ihm noch ein gutes Gelingen zu wünschen ? und selbst sein Lager aufgesucht. Seitdem hatte er Val nicht mehr gesehen.
Das Frühstück hatte Stryder heute Morgen vor dem Kampftraining jedenfalls allein eingenommen; von seinen Männern war offenbar noch keiner dazu in der Lage gewesen. Oben drein hatte keiner von ihnen die Nacht im eigenen Zelt zu gebracht.
Jetzt wurde es allmählich Zeit, dass seine Mannen wieder von den Toten auferstanden.
Oder auch nicht.
Kaum hatte Stryder den Turnierplatz hinter sich gelassen, als auch schon eine Gruppe von jungen und weniger jungen Damen auf ihn zustürzte. Sie alle hatten nur den einen Wunsch: die künftige Gräfin von Blackmoor zu werden.
Wäre jetzt doch nur Simon von Ravenswood hier, um ihm bei der Abwehr der schrillen Weiber zu helfen, die kreischend ihre Begeisterung kundtaten und sich mit Zähnen und Klauen zu ihm durchzukämpfen versuchten.
Sogar sein Bruder Kit wäre ihm jetzt eine Hilfe gewesen.
Kit war jedoch wie üblich nirgends zu sehen. Zweifellos komponierte er irgendwelche windelweichen, weibischen Liedchen mit seinen miauenden Freunden, die nichts als Trivialität und Banalität im Hirn hatten.
Stryder schob den Gedanken entschlossen beiseite; er wollte sich nicht noch mehr aufregen.
»Lord Stryder, bitte erwählt mich zur Königin der Herzen!«, kreischte ihm eine Maid ins Ohr und zerrte dabei entschlossen an seinen dichten schwarzen Haaren.
Stryder versuchte sich fluchend aus ihren Krallen zu befreien.
»Nein, ich werde seine Herzensdame, das stimmt doch, oder, Mylord?«
Da die Damen so laut kreischten, brauchte Stryder glücklicherweise nicht zu antworten. Die Vertreterinnen des zarten Geschlechts hingen wie Kletten an ihm, zerrten an seiner Weste und an seinem Umhang und versuchten dabei immer wieder, ihm diverse Liebesgaben in die Rüstung oder unter den Helm zu stecken.
Oder an noch intimere Orte ?
»Ui, ich habe eine Locke von seinem Haar erwischt!«, kreischte eine der Damen entzückt und fiel prompt in Ohnmacht.
Die anderen trampelten ungerührt über sie hinweg; einige versuchten gar, der Gefallenen die Locke wegzunehmen. Die vorgeblich Ohnmächtige biss prompt zu, sprang auf und machte sich mit ihrer Trophäe auf und davon.
Daraufhin brach erst recht die Hölle los, da nun alle anderen ebenfalls ein Stück Graf haben wollten.
Stryder wollte keiner der Frauen wehtun, doch schien es schier unmöglich, sich ihrer ohne Anwendung von Gewalt zu entledigen.
»Meine Damen, meine Damen!«, rief da plötzlich eine klangvolle männlich Stimme.
»Ich bitte um Rücksicht, Seine Lordschaft muss zur Beichte, um sich die Vielzahl seiner Sünden vom Gewissen zu laden!«
Als Stryder die Stimme seines Freundes, Christian von Acre, erkannte, huschte über sein gewöhnlich so ernstes Gesicht ein freudiges Lächeln. Er hatte seinen Kameraden seit fast drei Jahren nicht mehr gesehen.
Die Damen ließen schmollend von ihm ab und machten dem Neuankömmling Platz, der eine schwarze Mönchskutte trug.
Doch als sie sahen, wie groß und stattlich der unbekannte Mönch war, erhellten sich die meisten der weiblichen Mienen wieder.
»Wie schade, dass er ein Mönch ist«, flüsterte eine vernehmlich.
»Kannst du laut sagen«, stimmte eine andere zu.
Die Ladies wussten glücklicherweise nicht, dass die Kutte nur eine Verkleidung war, die Christian an legte, um seine wahre Identität zu verbergen.
Einen Hinweis darauf gaben die Sporen, die gelegentlich unter dem langen Saum seines Gewandes hervorschauten. Auch wies das unter der weiten Kapuze versteckte, dichte blonde Haar keine Tonsur auf. Nein, er war kein Mönch, sondern einer der besten Schwertkämpfer, die Stryder je kennengelernt hatte.
Außerdem war Christian von Acre in Wahrheit ein Prinz, der Kronprinz von Byzanz, dem Heimatland seiner Mutter.
»Mein lieber Abt«, sagte Stryder und schüttelte erfreut die Hand des Freundes. »Wie lange ist es jetzt her?«
»Zu lange«, entgegnete Christian, packte Stryders Arm und klopfte ihm begeistert auf die Schulter. »Doch scheint mir, dass sich wenig geändert hat, was dich betrifft.« Christians stahlblaue Augen glitten über die hingerissen lauschende Damenschar.
Stryder seufzte erschöpft auf. »Wie wahr, wie wahr.«
»Bruder?« Eine zierliche kleine Brünette mit üppigen Kurven richtete diese Frage an den falschen Abt. Der Ausdruck auf ihrem Gesichtchen verriet Christian, dass sie beide, wenn er nur willens wäre, noch vor dem Ende des Vormittags selbst einen Priester bräuchten, der ihnen die Beichte abnähme. »Dürfte ich später vielleicht auch meine Beichte bei Euch ablegen?«
In Christians Augen glomm ein jäher, lüsterner Funke auf. Stryder konnte sehen, wie er sich die Sache durch den Kopf gehen ließ.
Doch seine Antwort entsprach ganz dem, was Stryder von ihm erwartet hätte. Obwohl die Kutte nur eine Verkleidung war und man ihn deswegen für einen Glaubensverräter halten konnte, hatte er viel zu viel Respekt vor den Patres, bei denen er erzogen worden war, um die Heiligkeit der Robe dadurch zu entweihen, dass er im Habit den Lockungen einer Dame nachgab. »Leider nein, Mylady. Aber wie ich hörte, hat der hiesige Priester noch einige Termine frei.«
Auf ihrem Gesichtchen machte sich unübersehbare Enttäuschung breit.
»Wenn die Damen uns jetzt entschuldigen würden ?« Christian durchbrach den Kreis der holden Weiblichkeit und ging zusammen mit seinem Freund auf das Zeltlager der Ritter zu, das auf einem Hügel außerhalb der Burgmauern aufgeschlagen worden war.
Mehr als dreihundert Ritter hatten sich in diesem Herbst in Hexham eingefunden, um sich einen Monat lang in Turnierkämpfen miteinander zu messen. Das Turnier fand jedes Jahr statt, doch im Gegensatz zu den anderen Rittern war Stryder nicht des Ruhmes und der Ehre wegen angereist ? davon hatte er in seinem bisherigen Leben mehr als genug erfahren. Nein, er war auf Geheiß des Königs nach Hexham gekommen. Der Monarch wollte ein Auge auf ihn haben, waren Stryder doch in letzter Zeit einige mysteriöse »Unfälle« zugestoßen, die zu der Vermutung Anlass gaben, dass man ihm nach dem Leben trachtete. Bis man herausgefunden hatte, wer hinter all diesen Anschlägen steckte, wollte König Heinrich Stryder in seiner Nähe wissen.
Stryder überzeugte sich mit einem kurzen Blick zurück, dass sie ihr hübsches Gefolge auch wirklich losgeworden waren. Er sah, dass ihnen zwar viele sehnsüchtige Blicke folgten, doch hatten die Damen Gott sei Dank für diesmal aufgegeben.
»Was führt dich hierher?«, erkundigte sich Stryder bei Christian.
Christian ging ernst neben seinem Freund den Zelthügel hinauf. »Ich fürchte, ich bringe schlechte Nachrichten. Lysander von Marseilles wurde ermordet.«
Stryder blieb wie angewurzelt stehen. Lysander von Marseilles war einer jener Männer, die sie aus der Hölle von Outremer befreit hatten. Stryder selbst hatte ihn nach Schottland gesandt, um im Gefolge eines Freundes von ihm zu dienen.
»Wie konnte das geschehen?«
»Er wurde gefoltert und dann umgebracht«, erklärte Christian düster. In seiner Stimme lag ebenso viel Zorn wie Stryder empfand.
»Wer hat das gewagt?«
»Ein Feind des Highland MacAllister Clans«, er klärte Christian voller Grimm. »Nach dem Lysander und der Heide Ewan MacAllister sicher in seine Heimat zurückgebracht hatten, wurde Lysander gefangengenommen und aus Rache für diese Tat ermordet. Ich bin jetzt auf dem Weg in den Norden, um dem Heiden bei der Suche nach den Verbrechern zu helfen.«
»Und ? brauchst du noch eine Hand?«
Christian entspannte sich merklich. »Ich würde ja sagen, aber allein die Tatsache, dass du hier in England bist und nicht auf dem Kontinent, verrät mir, dass du im Auftrag des Königs hier bist und nicht fortkannst.«
Stryder stieß ein zustimmendes Knurren aus. »Das ist richtig. Aber dass einer der unseren ermordet wurde, liegt mir wie ein schwerer Stein im Magen.«
»Glaub mir, mir geht es genauso.«
Daran zweifelte Stryder keine Sekunde. Sie hatten den Horror ihrer Gefangenschaft nicht dafür überlebt, um schließlich in der Heimat erwischt und ermordet zu werden. Diese Vorstellung machte ihn so wütend, dass er am liebsten sofort aufgebrochen und den Tod des Kameraden blutig gerächt hätte. »Schwör mir, dass du den oder die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen wirst.«
»Darüber sorge dich nicht. Der Heide schrieb mir, dass er diesen Schurken schon beibringen wolle, wie man bei den Sarazenen mit Gefangenen umgeht.«
Stryder verzog unwillkürlich das Gesicht. Da sie selbst Gefangene der Sarazenen gewesen waren, kannten sie sich in dieser Hinsicht besser aus, als ihnen lieb war.
Ihre Folterknechte hatten ganz genau gewusst, wie sie einen Menschen dazu bringen konnten, dass er bereute, je auf die Welt gekommen zu sein. Wenn es um Kaltblütigkeit ging, konnte dem Heiden keiner so schnell das Wasser reichen. Nicht einmal seine Freunde von der Bruderschaft wussten, aus welchem Land er stammte. Was sie jedoch wussten, war, wie flink er mit dem Dolch war, wie blitzschnell er eine Kehle durchschneiden konnte.
»Gut.«
Christian schlug ihm auf die Schulter und sie gingen weiter den Hügel hinauf.
Stryder begann die Bänder und Strapse abzuzupfen, die überall an seiner Rüstung und an seinem Helm hingen.
Christian, der seinen Freund dabei beobachtete, stieß ein herzliches Lachen aus. »Der Fluch der holden Weiblichkeit! Tja, damit musst du leben, Bruder.«
Stryder bedachte ihn mit einem drollig-gereizten Blick. »Vielleicht sollte ich der ?holden Weiblichkeit? mitteilen, dass du in Wahrheit Prinz Christian bist. Das dürfte mir eine kleine Atempause verschaffen, bevor sich die heiratswütigen Damen wieder über mich hermachen.«
»Das würde dir gar nichts nützen, da ich bereits verlobt bin.« »
Ach ja«, sagte Stryder mit einem finsteren Lachen. »Diese mysteriöse Prinzessin, die du noch nie gesehen hast. Sag mir eins: Wartet sie immer noch brav darauf, dass du deinen haarigen Arsch in Richtung Heimat bewegst?«
»Ich wünschte, es wäre anders, aber leider erhalte ich genug Briefe von meinem Onkel, in denen er mich drängt, endlich heimzukehren und zu heiraten. Nein, nein, sie ist ganz die allzeit geduldige Verlobte, die sittsam auf die Rückkehr des Verheißenen wartet.« Christians Stimme triefte vor Hohn.







Autorenportrait:

Kinley MacGregor ist das Pseudonym der bekannten amerikanischen Autorin Sherrilyn Kenyon. Die Romane ihrer wild-romantischen Highland-Saga treten regelmäßig einen Triumphzug auf die Spitzenplätze der "New-York-Times"-Bestsellerliste an. Kinley MacGregor l

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