I. Kronprinzenkonflikt
- Kattetragödie
- Königsdrama
- II. Unkonventioneller Geschäftsgang und individuelle Schriftgutformen: Das Kabinett, seine Ordres und Dekret-Schreiben
- III. Die "Küstriner Akten": Ein lückenhaftes Pertinenzgemenge
- IV. Gardekürassier von Katte: zwischen Reichsdienst und Regimentskultur
- V. Kronprinz Friedrich: Absolom in re, Apollon in spe
- VI. Der König und sein Kriegsgericht: Militärische Justiz versus gesunder Menschenverstand?
- Quellen-Anhang
Kattes Todesurteil ist stilistisch gebrochen. Den "Küstriner Akten" fehlt seit 1826 ein zentraler Überlieferungsteil. Solche aktenanalytische Beobachtungen bilden den Anstoß für eine quellenkritische Auseinandersetzung mit der Geschichte anno 1730, als - nach landläufiger Kenntnis - der preußische Kronprinz Friedrich vor der drakonischen Strenge seines Vaters Friedrich Wilhelm I. ins Ausland zu entfliehen suchte, und sein bester Freund Hans Hermann von Katte dafür sein Leben verlor. Fiat justitia borussica oder Justizmord an einem Gardeleutnant?
In der vorliegenden Studie verbindet Jürgen Kloosterhuis, Direktor des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, Aktenanalyse und Militärhistorie, um den Fall Katte über das bislang Bekannte hinaus aufzuklären. Erst aus diesem neuen Blickwinkel kann Hans Hermanns kurze Offizierkarriere im familiären Umfeld und in der Spannung zwischen Reichsdienst und Regimentskultur präzise nachgezeichnet werden; nur die Kriegsartikel taugen, um den Tatbestand Desertionskomplott angemessen einzuschätzen, in das der Kronprinz Keith, Katte und andere verstrickte. Die originelle Revision der "facheusen" Fakten, vertieft durch originäre Quellen, macht es dem Leser am Ende möglich, sich ein eigenes Urteil zu bilden, ob das standhafte Köpenicker Kriegsgericht oder der pflichtgetriebene "Soldatenkönig" Gerechtigkeit ausübten, als es um Kattes Leben oder Tod ging.
"[…] Welche Akten wurden seinerzeit im Kronprinzenprozeß angelegt, wie und wo sind sie überliefert?
Der Direktor des Geheimen Staatsarchivs Berlin und Militärhistoriker Jürgen Kloosterhuis hat sie in einer äußerst gründlichen Untersuchung beantwortet und die im Lauf der Zeit völlig durcheinander geratenen Provenienzen mit so viel Mühe, Geduld und kritischer Sachkenntnis entwirrt. Der als Kritiker von Carl Hinrichs Arbeit zitierte preußische Staatsarchivrat Johannes Schultze (1881-1976) wäre über dieses Musterbeispiel einer Analyse frühneuzeitlicher Quellen des Lobes voll. Zunächst unternimmt Kloosterhuis eine minutiöse Analyse der Aktenentstehung und schafft damit erstmals eine solide Arbeitsgrundlage für jegliche weitere Forschung zum 'Kronprinzenprozeß' von 1730. Sine ira et studio bringt er sogar König Friedrich Wilhelm I. aus dem 'Schlagschatten'.
[…] Kloosterhuis hat mit seiner Untersuchung und Darstellung des Aktenmaterials zum Katteprozeß ein Musterbeispiel geliefert, das sich auch gut als Lehrmaterial für Archivschulen eignen würde." Gerhard Knoll, in: Zeitschrift für Historische Forschung, 2/2008
"Das Kriegsgerichtsverfahren gegen den Kronprinzen Friedrich und seine Mittäter, die Leutnante Hans Hermann v. Katte und Peter Christoph v. Keith, ist wohl der bekannteste Prozess der preußisch-deutschen Militärgeschichte. Doch verdient das Verfahren nicht nur der Prominenz wegen besondere Aufmerksamkeit, sondern es ist zugleich ein Musterbeispiel für die Rechtsauffassungen und die herrscherliche Selbstwahrnehmung Friedrich Wilhelms I. […]
Kloosterhuis führt dem Leser eindringlich vor Augen, welche Antriebe und Hemmungen im König widerstritten und wie dieser nicht umhin kam, es mit 'ordre und Kriegsartikel[n]' zu halten. Mit 'Katte' liegt daher eine gleichermaßen interessante und sachlich fundierte, wie anregend zu lesende Studie auf breiter Quellenbasis vor, die sich durch pointierte Formulierungen und einen insgesamt sehr eingängigen Sprachduktus auszeichnet." Dirk Reitz, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, Bd. 66, Heft 1/2007
"Die Tragödie des Hans Hermann von Katte gehört zu den bekanntesten Ereignissen aus der Jugend Friedrich des Großen: Die Mißhandlung durch den Vater, die gescheiterte Flucht - und der Zwang, die Hinrichtung des Freundes und Helfers mitansehen zu müssen, haben meist als Beleg für die Grausamkeit des 'Soldatenkönigs' herhalten müssen, der ein Urteil des Köpenicker Kriegsgerichts eigenhändig verschärft und Katte zum Tod verurteilt hatte. Jürgen Kloosterhuis erzählt die Ereignisse anhand der Akten unter Einbeziehung der Vorgeschichte der Flucht. Dabei kommt er nüchtern und ohne das in dieser Frage so oft bemühte Pathos zu dem Ergebnis, daß Friedrich Wilhelm I. gar nicht anders handeln konnte, so grausam dies aus heutiger Sicht klingen mag. Auch die Anweisung, daß Friedrich die Hinrichtung Kattes mitansehen mußte, erscheint bei Kloosterhuis in einem anderen Licht: Durch Anordnung von Kattes Hinrichtung vor seinen Augen habe der König dem Kronprinzen 'und aller Welt' sichtbar machen wollen, 'wer die eigentliche Verantwortung für Hans Hermanns Katastrophe trug': sein eigener Sohn und Thronfolger." Uwe A. Oster, in: www.damals.de, 26.01.2007
"Der Untersuchung steht ein Zitat Theodor Fontanes voran, in dem die Offiziere des berühmten Regiments Gensdarmes als so mutig wie übermütig beschrieben werden: tollkühn und verschwenderisch, bei alledem aber königstreu. Einhundert Jahre lang hatte diese Eliteeinheit keine Deserteure zu vermelden gehabt, dann aber: Hans Hermann von Katte, der dem Kronprinzen in besonderer Weise zugetan war, große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte und schließlich bereit war, nach dem entdeckten Fluchtversuch für ihn zu sterben. Sein Leben wird von Jürgen Kloosterhuis hier mit großem Einfühlungsvermögen nachgezeichnet. […]
Dabei steht - dies scheint mir hervorhebenswert zu sein - im Zentrum dieser mit vielen militärhistorischen Einzelheiten angereicherten Darstellung nicht, wie überwiegend sonst, der Kronprinz, sondern Hans Hermann von Katte, von dem das Wort stammt: '… der Tod ist der Treue Frucht.'
Das überaus gelungene, mit einem Quellenanhang versehene und durch Illustrationen bereicherte Werk dürfte das unzählige Male in vielfältigen Zusammenhängen behandelte Thema auf einen endgültigen Stand gebracht haben." Gerhard Sprenger, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 2006 (Bd. 57)
"Das Kriegsgerichtsverfahren gegen den Kronprinzen Friedrich und seine Mittäter, die Leutnante Hans Hermann v. Katte und Peter Christoph v. Keith, ist wohl der bekannteste Prozess der preußisch-deutschen Militärgeschichte. Doch verdient das Verfahren nicht nur der Prominenz wegen besondere Aufmerksamkeit, sondern es ist zugleich ein Musterbeispiel für die Rechtsauffassungen und die herrscherliche Selbstwahrnehmung Friedrich Wilhelms I. [ ]Kloosterhuis führt dem Leser eindringlich vor Augen, welche Antriebe und Hemmungen im König widerstritten und wie dieser nicht umhin kam, es mit'ordre und Kriegsartikel[n]' zu halten. Mit 'Katte' liegt daher eine gleichermaßen interessante und sachlich fundierte, wie anregend zu lesende Studie auf breiter Quellenbasis vor, die sich durch pointierte Formulierungen und einen insgesamt sehr eingängigen Sprachduktus auszeichnet." Dirk Reitz, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift, Bd. 66, Heft 1/2007 "Die Tragödie des Hans Hermann von Katte gehört zu den bekanntesten Ereignissen aus der Jugend Friedrich des Großen: Die Mißhandlung durch den Vater, die gescheiterte Flucht - und der Zwang, die Hinrichtung des Freundes und Helfers mitansehen zu müssen, haben meist als Beleg für die Grausamkeit des 'Soldatenkönigs' herhalten müssen, der ein Urteil des Köpenicker Kriegsgerichts eigenhändig verschärft und Katte zum Tod verurteilt hatte. Jürgen Kloosterhuis erzählt die Ereignisse anhand der Akten unter Einbeziehung der Vorgeschichte der Flucht. Dabei kommt er nüchtern und ohne das in dieser Frage so oft bemühte Pathos zu dem Ergebnis, daß Friedrich Wilhelm I. gar nicht anders handeln konnte, so grausam dies aus heutiger Sicht klingen mag. Auch die Anweisung, daß Friedrich die Hinrichtung Kattes mitansehen mußte, erscheint bei Kloosterhuis in einem anderen Licht: Durch Anordnung von Kattes Hinrichtung vor seinen Augen habe der König dem Kronprinzen 'und aller Welt' sichtbar machen wollen, 'wer die eigentliche Verantwortung für Hans Hermanns Katastrophe trug': sein eigener Sohn und Thronfolger." Uwe A. Oster, in: www.damals.de, 26.01.2007 "Der Untersuchung steht ein Zitat Theodor Fontanes voran, in dem die Offiziere des berühmten Regiments Gensdarmes als so mutig wie übermütig beschrieben werden: tollkühn und verschwenderisch, bei alledem aber königstreu. Einhundert Jahre lang hatte diese Eliteeinheit keine Deserteure zu vermelden gehabt, dann aber: Hans Hermann von Katte, der dem Kronprinzen in besonderer Weise zugetan war, große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte und schließlich bereit war, nach dem entdeckten Fluchtversuch für ihn zu sterben. Sein Leben wird von Jürgen Kloosterhuis hier mit großem Einfühlungsvermögen nachgezeichnet. [ ]Dabei steht - dies scheint mir hervorhebenswert zu sein - im Zentrum dieser mit vielen militärhistorischen Einzelheiten angereicherten Darstellung nicht, wie überwiegend sonst, der Kronprinz, sondern Hans Hermann von Katte, von dem das Wort stammt: ' der Tod ist der Treue Frucht.' Das überaus gelungene, mit einem Quellenanhang versehene und durch Illustrationen bereicherte Werk dürfte das unzählige Male in vielfältigen Zusammenhängen behandelte Thema auf einen endgültigen Stand gebracht haben." Gerhard Sprenger, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 2006 (Bd. 57)