Am 7. Internationalen Kongress zur Geschichte der Pflege beschäftigten sich über dreissig Forscherinnen und Forscher mit den bislang wenig berücksichtigten Fragen zu Räumen, Macht und Alltag. Die Referate zeigen, dass sich die Geschichte der Pflege in den letzten Jahren zu einem innovativen Forschungsfeld ent-wickelt hat. Vermehrt wird mit Quellen gearbeitet, die näher an den Pflegealltag heranführen und etwa Fragen der Macht im Spital-betrieb thematisieren. / Der vorliegende Band bietet einen Überblick über die aktuelle Forschung. Regina Wecker, Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte, verfasste den Hauptbeitrag «GESCHLECHT MACHT BERUF - BERUF MACHT GESCHLECHT».
Die Geschichte der Pflege hat sich zu einem innovativen Forschungsfeld entwickelt. Pflege fand und findet in unterschiedlichen Räumen oder Milieus statt: in staatlichen und konfessionellen Krankenhäusern, psychiatrischen Heil- und Pflegeanstalten, Gebäranstalten, Familien, Kriegslazaretten, Röntgenlabors und Intensivpflegeabteilungen. Alle diese Räume haben ihre eigenen Bedingungen und stellen unterschiedliche Anforderungen an die Pflege.
Veränderungen in der Medizin, im Pflegealltag und in den Pflegepraktiken beeinflussen die Machtverhältnisse. Mehrere Beiträge in diesem Buch untersuchen das Gefüge von Macht, Einfluss und Abhängigkeit und thematisieren Fragen der Sozialkontrolle und Dis-ziplinierung. Ausgehend von Konflikten werden Handlungsspielräume der Pfle-genden umrissen und es wird gezeigt, mit welchen Möglichkeiten Kranken--schwes-tern und Pfleger Entscheidungen mitbestimmen oder beeinflussen konnten.
Beschreibungen des Pflegealltags und der Pflegepraktiken veranschaulichen, was Pflegende konkret taten, wie ihr tägliches Leben mit seinen Herausforderungen aussah.
Die Auswertung neuer Quellen ermöglicht es, Facetten, Widersprüche, Ambivalenzen in der Entwicklung der Pflege aufzuzeigen.
Die Interdisziplinarität und Internationalität der Forschungsbeiträge gestattet einen weiten Blick auf die Entwicklung der Pflege der letzten 200 Jahre und einen fruchtbaren Austausch der Forschungs-erkenntnisse.
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