"Zeit für Zeit" dokumentiert die menschliche Seite von 25 bekannten Politikerinnen und Politikern. Die renommierte Fotografin Laurence Chaperon hat ihr Archiv geöffnet und einen Bildband herausgegeben. Ihr liegt daran, dem Betrachter der Fotos die Menschen hinter ihrem jeweiligen politischen Amt zu zeigen und näher zu bringen. Durch ihren respektvollen Umgang und persönlichen Charme kommt sie bei ihren Aufnahmen oft näher an die Politiker heran, als viele Agenturfotografen.
Laurence Chaperon hat die Portraitierten gebeten, für das Buch ihre persönlichen Gedanken darüber "Was Zeit für sie bedeutet" aufzuschreiben. Denn das Leben derjenigen, die sie fotografiert, wird größtenteils vom Terminkalender bestimmt, so dass Zeit für sie wahrer Luxus und eine kostbare, knappe Ressource ist. Das Interessante: Die Texte sind so unterschiedlich, wie die Menschen verschieden sind, die sie geschrieben haben.
Kurt Biedenkopf, Peter Harry Carstensen, Volker Kauder, Roland Koch, Helmut Kohl, Eva Luise Köhler, Fritz Kuhn, Renate Künast, Norbert Lammert, Angela Merkel, Georg Milbradt, Franz Müntefering, Matthias Platzeck, Ronald Pofalla, Christina Rau, Claudia Roth, Jürgen Rüttgers, Wolfgang Schäuble, Annette Schavan, Ulla Schmidt, Peter Struck, Ursula von der Leyen, Guido Westerwelle, Klaus Wowereit, Christian Wulff.
In der Informationsgesellschaft von heute ist Zeit ein knappes Gut. Wo sich früher Momente der Entspannung und der Sammlung boten – wie etwa auf der Fahrt von einem Termin zum nächsten –, herrschen heute Laptop, wireless lan und Mobiltelefon.
Wir müssen uns umso mehr deutlich machen, dass Zeit und Aufmerksamkeit keineswegs dasselbe ist. In unserer globalisierten und digitalisierten Welt ist die Jagd nach Aufmerksamkeit der Versuch, den Menschen für tausenderlei Dinge zu gewinnen. Diesem Werben gilt es zu widerstehen. Gegen die unermessliche Datenflut hilft nur beherzte Informationshygiene. Es ist schon eine Menge gewonnen, wenn wir lernen, zwischen neuen und redundanten Informationen zu unterscheiden. Ein Großteil der Nachrichten, denen wir ausgesetzt sind, ist überflüssig, weil er keinen Neuigkeitswert besitzt.
Letztlich ist es entlastend und beruhigend, dass der Mensch seine Aufnahmefähigkeit nicht ins Unendliche erweitern kann. Es gehört zu seinen anthropologischen Seinsbedingungen, ignorieren und auch vergessen zu
müssen. Auch im Nicht-Wissen liegt eine Chance.
Wir sollten unser Leben entschleunigen, uns nicht dem Diktat technischer Möglichkeiten unterwerfen. Möglichkeiten sind nur dann welche, wenn man sich ihnen auch ruhigen Gewissens entziehen kann. Und wenn wir dann die Zeit hinter der Aufmerksamkeit entdecken, finden wir Ruhe, Glück und auch Inspiration. Thomas Paine wusste: „Die Zeit bekehrt mehr Menschen als der Verstand.“
Sehr persönliche, einzigartige Fotos.
Text jeweils von der Persönlichkeit: Politiker(in), Minister(in), Bundespräsident, Bundeskanzlerin.
€ 24,80