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Kurzbeschreibung für "Wiener Abreißkalender"
Der WIENER ABREISSKALENDER überlässt es dem Betrachter, die Stadtbildveränderungen positiv oder negativ zu bewerten. Ob eine Stadt, die sich nicht (oder nur wenig) verändert wirklich dem Untergang geweiht ist oder ob eine Stadt, die sich den Investoren ausliefert verloren ist, soll hier nicht geklärt werden: das versuchen Hochglanz-Broschüren von Investoren und manche Presseorgane auf der einen, und Bürgerinitiativen auf der anderen Seite von sehr gegensätzlichen Positionen aus.
Tatsache ist, dass in Wien gerade während der letzten Jahre mehr als in anderen mitteleuropäischen Städten das Erscheinungsbild stark verändert worden ist, dass nicht einmal Denkmalschutzzonen oder Eintragungen in Kunsttopographien vor Abbrüchen wirksamen Schutz bieten. Manche der aktuellen Kalenderfotos sind nur im Hochformat wiederzugeben, aber nicht nur die Hochhäuser haben die Stadtsilhouette verändert (im Gespräch war sogar die Aberkennung des Unseco- Prädikates Kulturerbe für die Wiener Innenstadt wegen der ursprünglichen Planung für Wien-Mitte), auch die oft mehrgeschossigen Aufstockungen, manchmal bekrönt von sogenannten „Sky-Boxes“, verdrängen die historische Wiener Dachlandschaft. Besonders auffallende Beispiele solcher Aufstockungen wurden 2003 in einer Ausstellung unter dem Titel „Draufsetzen“ dokumentiert Repräsentative, bisher von staatlichen, städtischen oder halboffiziellen Organisationen genutzte Gebäude stehen manchmal jahrelang leer und werden, obwohl voll funktionsfähig oder in Einzelfällen sogar frisch renoviert, neuen Nutzungen zugeführt. Bei solchen Gelegenheiten wird auf die originale Bausubstanz in der Regel nur wenig Rücksicht genommen. Mittlerweile sind sogar weltweit bekannte Ortsbilder (Grinzing) oder Richtung weisende Anlagen (Otto Wagners Steinhof-Spital) durch eine sehr liberal ausgelegte Baugesetzgebung starkem Veränderungsdruck ausgesetzt. Mehr als in anderen europäischen Städten wurde in Wien das historische Stadtbild gerade während der letzten Jahre stark verändert. Egal, ob Abbruch von denkmalwürdiger oder denkmalgeschützter Bausubstanz oder Veränderung durch Aufstockungen und Dachausbauten, oder Reduzierung von Altbauten auf die bloße Fassaden: sogar weltweit bekannte Stadtteile wie Grinzing sind starkem Veränderungsdruck ausgesetzt. Die Hochhausplanung zu Wien-Mitte hätte beinahe zur Aberkennung des Weltkultur-Prädikates der UNESCO geführt. In Wien wird viel für den Erhalt des historischen Erbes getan. Seit Einführung des Altstadt- Erhaltungsfonds im Jahre 1972 waren, nach Angabe von offizieller Seite, innerhalb von 32 Jahren von der Gemeinde umgerechnet etwa 176 Millionen Euro für die Sanierung von historischen Bauten und Gärten ausgegeben worden. Das entspricht etwa den Kosten von zwei Kilometern U-Bahn-Bau, dessen Notwendigkeit wohl niemand in Frage stellen will. Im Vorwort zum „Stadtführer durch das Weltkulturerbe“ heißt es: „Die Erhaltung und Pflege unseres Erbes aus der Vergangenheit ist (…) ein ebenso wichtiger Bestandteil wie die Offenheit und Toleranz für Neues“. Der WIENER ABREISSKALENDER versucht solche Veränderungen sachlich zu dokumentieren, gute wie schlechte Beispiele sind möglichst vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen. Betont werden muss, dass positive Veränderungen einen solchen Vergleich sicher nicht zu scheuen brauchen. Dieter Klein
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