Getreu der Maxime Kierkegaards, dass der Unglücklichste derjenige ist, der entweder in der Vergangenheit (Erinnerung) oder in der Zukunft (Hoffnung) leben muss, ist es an der Zeit, sich auch der zweiten Gestalt des modernen unglücklichen Bewusstseins, die sich als unbedingter Wille zum Neuen, zur Zukunftsoffenheit, zur Zukunftsfitness, zu Zukunftsmärkten, zum zukünftigen Wettbewerb, schlicht zur Zukunft und ihrem Kommen maskiert, ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Ist vom „kommenden Gott“ der Chiliasten, Romantiker und Utopisten in der Spätmoderne nur das „Kommen“ übrig geblieben? Wie geht es den Menschen, deren Daseinsmodus zentral durch dieses Warten und den Anspruch auf Zukunft bestimmt ist?
KONRAD PAUL LIESSMANN,
geboren 1953 in Villach, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wien und lebt als Professor für Philosophie, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist in Wien. Konrad Paul Liessmann ist Autor zahlreicher Bücher, Träger des Staatspreises für Kulturpublizisitk und erhielt 2003 den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz im Denken und Handeln.
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