Nach den neuen Richtlinien des Deutschen Roten Kreuzes
Unfälle passieren jederzeit, in jeder Situation und können jederzeit jeden treffen. Oft kommt es dabei auf sofortiges Handeln an, denn schnelle, kompetente Maßnahmen können Schlimmes verhindern. Dieses neue Nachschlagewerk- mit den ab Frühjahr 2007 geltenden neuen Richtlinien des DRK - sagt klar und verständlich, was bei Notfällen und Unfällen zu tun ist. Mit den bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen und ausführlichen Erklärungen ist dieser Ratgeber für den gesamten Bereich Erste Hilfe unverzichtbar, und eine gute Auffrischung für alle, die damit schon vertraut sind.
Rasch handeln ? Leben retten
Der tägliche Anblick mit Blaulicht und Sirene vorübereilender Rettungswagen könnte zu dem Eindruck führen, als sei mit unserem vorbildlichen Rettungssystem das Problem der notfallmedizinischen Versorgung bei akuten Erkrankungen und Unfällen gelöst und Laienhilfe nicht mehr von Bedeutung, zumal auch in den Medien immer mehr über die »Rettungsspezialisten« als über Laienhilfe berichtet wird. Notfallmedizin ist der Kampf gegen den »Erstickungstod« lebenswichtiger Organe durch Sauerstoffmangel. Dabei geht es nicht selten um Minuten. Aber die noch schnellere Heranführung der professionellen »Retter« an den Notfallpatienten stößt auf organisatorische und finanzielle Grenzen. Die unveränderbar zufällige räumliche Verteilung der Notfallorte erfordert daher die zufällige räumliche Verteilung einer möglichst großen Zahl von Ersthelfern, die imstande sind, die oft entscheidende Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit einfachen, aber oft lebensrettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen zu überbrücken. Erste Hilfe ? das ist die Anwendung von medizinischem Grundwissen bei plötzlich Erkrankten oder Verletzten durch zufällig am Notfallort anwesende Angehörige oder Passanten. Einfache, leicht erlernbare Maßnahmen können weitere Schäden abwenden und körperliche und seelische Schmerzen lindern. Ersthelfer werden damit zum ersten und wichtigsten Glied der Rettungskette. Die Zeit von der Alarmierung des Rettungsdienstes bis zu dessen Eintreffen kann dem Kranken oder Verletzten wie dem Helfer wie eine Ewigkeit erscheinen, dem einen in Todesangst, dem anderen vielleicht in lähmender Ohnmacht und der beschämenden Erkenntnis, das Notwendige nicht gelernt zu haben und nichts tun zu können. Immer mehr Menschen haben dies mittlerweile erkannt und besuchen Erste-Hilfe-Kurse. Der vorliegende Erste-Hilfe-Ratgeber und der Besuch eines Erste-Hilfe-Kurses können dazu beitragen, Kenntnisse der ersten Hilfe zu erwerben, zu vertiefen oder aufzufrischen, aber auch Ihre Bereitschaft, Erste Hilfe zu leisten, zu stärken. Dies eröffnet und erweitert uns allen ein Guthaben, von dem jeder in Not profitieren kann.
Dr. med. H.-J. Meyer Vizepräsident des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe
Richtiges Verhalten bei Unfällen und Notfällen
Kompetent Hilfe leisten im Unglücksfall
Menschen in Not brauchen Hilfe. Dies ist nicht allein eine Frage der Moral, sondern auch gesetzlich festgelegt. Wir sind bei einem Unfall, einem Notfall, einem Unglück ? im Rahmen unserer Möglichkeiten ? verpflichtet zu helfen.
Das erste Kapitel erläutert die wichtigsten Rettungs- und Verhaltensmaßnahmen bei einem Unfall. Es führt Sie vor allem in die Erstmaßnahmen ein, die für alle möglichen Situationen (nicht allein für Verkehrsunfälle) gelten.
Wichtig ist dabei auch die schnelle und richtige Alarmierung des Rettungsdienstes, damit die Rettungskette, die es in Deutschland gibt, möglichst schnell greifen kann.
Bitte bedenken Sie: Als Ersthelfer können Sie Leben retten, wenn Sie umsichtig und richtig handeln.
Die Verpflichtung zum Helfen
Was fürchten wir Menschen mehr als Störungen unseres Wohlbefindens, Erkrankungen oder gar Unfälle mit ihren oft schlimmen Auswirkungen. Wie schnell wird der Gedanke daran, dass etwas passieren kann, verdrängt. Und doch gehören Unglücksfälle in allen unseren Lebensbereichen wie Haushalt, Beruf, Straßenverkehr, Freizeit, Sport usw. zu unserem Alltag.
Der Ersthelfer ist enorm wichtig
Viele sind immer noch der Auffassung, für die Hilfe bei Unglücksfällen seien Rettungsdienst oder ärztliche Notdienste zuständig, und vergessen dabei, dass fast immer die richtige Hilfe in den ersten Minuten ? bis zum Eintreffen des Notdienstes ? für die Schwere der Unfallfolgen oder sogar für das Überleben entscheidend sein kann. Wer aber hat schon einen Erste-Hilfe-Kurs besucht und richtig helfen gelernt? Zum Helfen sind wir nach
323c auch gesetzlich verpflichtet (siehe unten stehenden Kasten). Für die meisten von uns ist es selbstverständlich, Menschen in Not im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen, auch ohne dazu gesetzlich verpflichtet zu sein.
Unfälle ? meist im Haushalt und in der Freizeit
Allzu häufig verbinden wir den Begriff »Erste Hilfe« mit Unfällen im Straßenverkehr und denken daran, irgendwelchen fremden Menschen helfen zu müssen; dabei ist dies eher selten notwendig.
Von den ca. acht Millionen Unfällen im Jahr in Deutschland (jeder Zehnte ist somit statistisch betroffen) passieren weniger als zehn Prozent im Straßenverkehr. Viel häufiger wird Erste Hilfe in unserem unmittelbaren Lebensumfeld erforderlich. In der Familie, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit und beim Sport, wo man mit Freunden und Bekannten zusammen ist; aber auch bei Notfällen und Unfällen mit Kindern müssen Sie Erste Hilfe leisten können.
Jeden kann es treffen
Eine Frau sollte ihrem Ehemann helfen können, den plötzlich ein Herzinfarkt ereilt. Eine Mutter muss ihrem Kind Erste Hilfe leisten, das sich beim Spielen verletzt hat. Und auch Ihr Nachbar sollte Ihnen zu Hilfe eilen, wenn Sie sich selbst z.B. bei der Gartenarbeit verletzt haben.
323c StGB »Unterlassene Hilfeleistung«
Nach
323c des Strafgesetzbuches (StGB) wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist.
Erste Hilfe kann man lernen
Von den ca. acht Millionen Unfällen, die sich jedes Jahr in Deutschland ereignen, geschehen:
Über 30 Prozent im Haushalt
Fast 30 Prozent bei der Arbeit
Über 30 Prozent in der Freizeit und beim Sport
Weniger als zehn Prozent im Straßenverkehr
Jährlich sterben über 150000 Menschen an plötzlichem Herzversagen, aber ca. 5000 durch Verkehrsunfälle. In solchen Situationen richtig und kompetent helfen zu können ist gar nicht schwer ? jeder kann dies in einem Erste-Hilfe-Kurs erlernen. Auch das vorliegende Buch kann dazu beitragen, die notwendigen Erste-Hilfe-Kenntnisse zu erwerben. Denken Sie einmal darüber nach, wie es wäre, wenn Sie einem lieben, nahe stehenden Menschen, der sich in Not befindet, hilflos gegenüberstehen würden? Dabei hätten Sie nur ein paar Stunden Freizeit investieren müssen, um richtig Erste Hilfe zu erlernen.
Anforderung an Helfende
Nicht jeder Notfall oder Unfall ist so spektakulär, wie man es womöglich aus Filmen oder einschlägigen Fernsehsendungen kennt. Die allermeisten Unglücksfälle verlaufen glimpflich, und es ist nicht schwer, die richtige Erste Hilfe zu leisten.
So machen Sie's richtig
Bleiben Sie ruhig. Verschaffen Sie sich zunächst eine Übersicht über die vorgefundene Situation.
Handeln Sie nicht »kopflos«, sondern besonnen. Meist sind Sie an einer Unglücksstelle nicht allein, Umstehende sind bestimmt bereit mitzuhelfen. Sprechen Sie diese direkt an, und bitten Sie um Mithilfe. Es ist immer wichtig, dass einer die Initiative ergreift.
Beruhigen Sie die Betroffenen und gegebenenfalls auch die Umstehenden.
Verhindern Sie unbedingt falsches Eingreifen und unüberlegtes, »kopfloses« Handeln anderer Helfer.
Was ist eigentlich Erste Hilfe?
Unter dem Begriff »Erste Hilfe« versteht man alle Maßnahmen, die bei Unfällen, akuten Erkrankungen und Vergiftungen bis zum Eintreffen eines Arztes oder des Rettungsdienstes erforderlich sind, damit sich der Gesundheitszustand des Betroffenen nicht weiter verschlechtert.
Zu diesen Maßnahmen gehören:
Unfallstellen sichern und Verunglückte aus akuter Gefahr in Sicherheit bringen.
Lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen (z.B. Blutstillung, Beatmung, stabile Seitenlagerung usw.).
Schmerzen durch sachgerechte Lagerung oder andere Hilfeleistungen lindern.
Verletzte betreuen und trösten.
Notruf veranlassen, Rettungsdienst/Arzt alarmieren.
Eigene Sicherheit / eigenes Schutzverhalten
Bei manchen Unfallsituationen ist es notwendig, die Verunglückten aus einer akuten Gefahrensituation zu retten, z.B. bei:
Bränden
Verkehrsunfällen
Stürzen in Gewässer
Einbrechen in Eis
Verschüttungen
Chemieunfällen
Stromunfällen (auch im Haushalt)
Immer die Unfallstelle absichern
Immer wieder geraten Menschen, die bei einem Unglück helfen wollen, selbst in Lebensgefahr ? z.B. wenn eine Unfallstelle auf der Autobahn gar nicht oder nur unzureichend abgesichert ist. Sorgen Sie dafür, dass an Unfallstellen wegen eventuell auslaufenden Benzins nicht geraucht und der Motor bzw. die Zündung beim verunglückten Fahrzeug abgestellt wird (den Zündschlüssel aber stecken lassen!). Aber nicht nur bei Verkehrsunfällen ist das Absichern wichtig; auch andere Unfallstellen, z.B. in Betrieben oder auf der Skipiste, müssen abgesichert werden. Was Sie dabei im Einzelnen beachten sollten, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.
An die eigene Sicherheit denken
Auf den Autobahnen kommen inzwischen mehr Menschen durch unachtsames Verhalten bei Pannen und Unfällen bzw. beim Helfen ums Leben als durch die Unfälle selbst. Denken Sie daher immer zunächst an Ihre eigene Sicherheit. Nur wenn Sie als Helfer selbst keinen Schaden erleiden, können Sie den Verunglückten helfen.
Verhalten bei Verkehrsunfällen
So machen Sie's richtig
Anhalten, um zu helfen
Gerade bei Verkehrsunfällen müssen Sie als Helfer auf Ihre eigene Sicherheit achten ? vom ersten Moment an.
Wenn Sie sich einer Unfallstelle nähern, warnen Sie die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer, indem Sie rechtzeitig Ihre Warnblinkanlage einschalten.
Fahren Sie nicht zu dicht an die Unfallstelle heran. Mindestens 10 bis 20 Meter Sicherheitsabstand zur Unfallstelle einhalten.
Stellen Sie Ihr Fahrzeug am Fahrbahnrand so ab, dass z.B. bei Dunkelheit die Unfallstelle durch das Fahrlicht Ihres Fahrzeugs beleuchtet ist.
Das Warndreieck muss 100 bis 200 Meter vor der Unfallstelle aufgestellt werden. Halten Sie es vor Ihren Körper, wenn Sie die Straße entlanggehen. Außerdem: eine Warnweste ist Pflicht..
Die Unfallstelle sichern
Im Interesse der Sicherheit müssen Sie die Unfallstelle sichern.
Tragen Sie an Unfallstellen zu Ihrer eigenen Sicherheit stets eine Warnweste.
Nehmen Sie Ihr Warndreieck, klappen Sie es auf, halten Sie es vor den Körper, und gehen Sie damit dem Verkehr entgegen.
Stellen Sie das Warndreieck in ausreichender Entfernung ? d.h. bei Schnellstraßen und Autobahnen mindestens 100 bis 200 Meter vor der Unfallstelle ? gut sichtbar am rechten Fahrbahnrand auf. Wenn Sie eine Warnblinkleuchte haben, stellen Sie diese in jedem Fall zusätzlich auf.
Bei Kurven und Bergkuppen müssen Sie besonders gewissenhaft absichern. Es geht um Ihr Leben! Deshalb müssen Sie das Warndreieck jeweils vor der Kurve oder Bergkuppe aufstellen.
Nachfolgende Fahrzeuge können Sie auch zusätzlich durch eine Auf-und-abwärts-Bewegung des Arms warnen.
Fordern Sie weitere Verkehrsteilnehmer zur Mithilfe auf, und auch der Gegenverkehr muss gewarnt werden.
Wenn sich mehrere Helfer an der Unfallstelle befinden, sorgen Sie für eine Aufgabenteilung.
Brennende Personen können Sie im Notfall mit einem Pulverlöscher löschen. Dabei müssen Sie darauf achten, dass Sie den Löscher auf keinen Fall auf das Gesicht des Betroffenen richten.
Das Rote Kreuz rät
Warnblinkleuchten und Warnwesten gehören noch nicht in allen Ländern zur Pflichtausstattung privater Kraftfahrzeuge, sie können jedoch an Unfallstellen sehr nützlich sein. Auch die Ausstattung des Fahrzeugs mit einem Feuerlöscher ist sinnvoll. Da sich Brände meist relativ langsam entwickeln, kann der frühzeitige und gezielte Einsatz eines Kfz-Feuerlöschers manchen Brand schnell löschen und manchmal sogar Fahrzeuginsassen retten.
Rettung aus akuter Gefahr
Nach der Sicherung der Unfallstelle leisten Sie den Betroffenen Erste Hilfe. Manchmal müssen Sie dazu den Verletzten aus akuter Gefahr retten. Dies ist rasch mit Hilfe des Rettungsgriffs möglich.
So machen Sie's richtig
(1) Sprechen Sie den Verletzten an. Wenn er bei Bewusstsein ist, informieren Sie ihn über die beabsichtigte Maßnahme.
(2) Fassen Sie den am Boden Liegenden von hinten kommend unter Nacken und Schultern, und bringen Sie ihn mit angemessenem Schwung zum Sitzen. Achten Sie darauf, dass Sie den Kopf mit Ihren Unterarmen stützen und der Betroffene nicht seitlich wegsackt.
(3) Jetzt treten Sie dicht hinter den Betroffenen und unterfahren mit beiden Armen die Achselhöhlen. Legen Sie einen Unterarm des Betroffenen quer vor seinen Leib, und fassen Sie diesen Arm mit beiden Händen von oben. Dabei den Unterarm nicht umfassen, sondern mit allen Fingern (auch den Daumen) »überhaken«.
(4) Indem Sie die Knie beugen und Ihr eigenes Körpergewicht nach hinten verlagern, ziehen Sie den Betroffenen auf Ihre Oberschenkel. Heben Sie den Verletzten nicht auf, damit die Belastung für Ihre Wirbelsäule und die Bandscheiben möglichst gering bleibt.
(5) Dann ziehen Sie ihn an einen sicheren Ort und legen ihn dort möglichst auf einer Decke vorsichtig ab. Sprechen Sie den Betroffenen erneut an und führen die Erste Hilfe durch.
Was Sie wissen sollten: Der beschriebene Rettungsgriff kann auch benutzt werden, wenn Sie z.B. einen Kranken aus einem Bett auf den Boden oder auf eine Trage legen müssen.
Rettung aus Kraftfahrzeugen
Bei Verkehrsunfällen können Verunglückte aufgrund ihrer Verletzungen ihr Kraftfahrzeug oft nicht selbstständig verlassen. Vor allem wenn sie im Fahrzeug in Lebensgefahr sind, z.B. wegen Brandgefahr, müssen sie aus dem Fahrzeug gerettet werden.
So machen Sie's richtig
Sprechen Sie den Verunglückten an, und sagen Sie ihm, was Sie tun werden, bzw. stimmen Sie das weitere Vorgehen, soweit möglich, mit ihm ab.
(1) Lösen Sie den Gurt ? unter Umständen müssen Sie den Gurt durchschneiden. Falls notwendig, stellen Sie den Sitz zurück. Achten Sie darauf, dass die Füße des Verletzten nicht eingeklemmt sind.
(2) Fassen Sie den Verletzten an der fernen Hüfte und am nahen Knie, und drehen Sie ihn auf dem Sitz mit dem Rücken zur Tür. Fassen Sie den Verletzten mit dem schon beschriebenen Rettungsgriff (siehe vorhergehende Seiten), und ziehen Sie ihn vorsichtig aus seinem Fahrzeug. Wenn ein weiterer Helfer da ist, bitten Sie ihn, an den Beinen mit anzufassen, so dass Sie den Verletzten gemeinsam aus dem Fahrzeug ziehen.
Was tun, wenn Verunglückte im Fahrzeug eingeklemmt sind?
Manchmal stellen Sie fest, dass Ihre Möglichkeiten als Helfender nicht ausreichen. Das ist z.B. der Fall, wenn Personen in Fahrzeugen eingeklemmt sind. In solchen Fällen besteht Ihre Erste Hilfe zunächst darin, schnellstmöglich technisch-fachliche Hilfe anzufordern (Rettungsdienst/Feuerwehr). Bis zum Eintreffen des Fachpersonals müssen Sie bei dem Verunglückten bleiben. Falls die Situation es zulässt, führen Sie auch bei eingeklemmten Personen bis zum Eintreffen des Fachpersonals die erforderlichen Erste-Hilfe-Maßnahmen durch. Versuchen Sie, den Betroffenen zu beruhigen.
Erstmaßnahmen bei ansprechbaren Verletzten/Kranken
Die erste Kontaktaufnahme
Um etwas über den Zustand eines Verunglückten zu erfahren, bedarf es meist keiner technischen Hilfsmittel. Die meisten Verunglückten sind bei Bewusstsein und somit ansprechbar. Sie können Angaben über ihre Verletzungen, Schmerzen oder ihr Befinden machen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Verunglückte, aber auch akut Kranke meist emotional sehr angespannt sind. Helfer müssen auf unterschiedliche Reaktionen wie Angst, Scham und Aggressionen gefasst sein. Daher ist es wichtig, dass Vertrauen zwischen Helfendem und Betroffenem aufgebaut wird.
Umgang mit Verletzten/Kranken
Begeben Sie sich auf die Höhe des Betroffenen
Häufig stehen mehrere Personen um den Betroffenen herum. Dies ist für den Verunglückten sehr unangenehm, insbesondere wenn sich eine Person von oben über ihn beugt. Knien oder hocken Sie sich deshalb hin, wenn der Verletzte auf dem Boden liegt. Treten Sie nicht von hinten an einen Verletzen oder Kranken heran, sondern möglichst immer von vorn mit Blickkontakt.
Schauen Sie den Betroffenen an
Sie erhalten dadurch einen Gesamtüberblick über den Zustand des Betroffenen. Sie können erkennen, ob die Person aufgeregt ist, ob die Person friert, ob sie vielleicht Schmerzen hat oder sichtbare Verletzungen vorliegen.
Nennen Sie Ihren Namen
Durch diesen ersten Kontakt wird dem Betroffenen vermittelt, dass er wahrgenommen wurde ? dies schafft Vertrauen. Fragen Sie auch nach dem Namen des Betroffenen. Damit bekunden Sie Respekt und Anteilnahme. Fragen Sie den Betroffenen, was passiert ist und ob er Schmerzen hat. Sie erhalten hierdurch wichtige Informationen über das Unfallgeschehen bzw. die Krankengeschichte. Krankheitsbild und Verletzungen können so erkannt werden. Befindlichkeiten und Ängste werden erkennbar.
Stellen Sie vorsichtig Körperkontakt her
Halten Sie die Hand des Betroffenen, oder legen Sie Ihre Hand auf seine Schulter. Auch das Abwischen der Stirn wirkt häufig positiv auf den Verunglückten.
Sagen Sie dem Betroffenen immer, was Sie tun
Stimmen Sie das weitere Vorgehen mit dem Verletzten/Kranken ab. Sagen Sie ihm immer, was Sie vorhaben, und fragen Sie ihn, ob er einverstanden ist und gegebenenfalls mithelfen kann. Sagen Sie ihm auch, was schon getan wurde, dass z.B. der Rettungswagen oder Notarzt bereits alarmiert ist. Seien Sie behilflich, wenn der Betroffene Kontakt zu einem vertrauten Arzt oder zu Angehörigen aufnehmen will.
Bitten Sie Umstehende um Mithilfe
Meist sind Sie an einer Unglücksstelle nicht allein. Sprechen Sie andere Personen direkt an, und bitten Sie um deren Mithilfe. Es ist wichtig, dass jemand die Initiative ergreift und die notwendige Hilfe koordiniert, bis der Rettungsdienst/ Notarzt eintrifft.
Suchen nach Verletzungen
Bevor Sie Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreifen, müssen Sie Art und Umfang der Verletzungen ermitteln.
Wenn der Verletzte ansprechbar ist, ist dies relativ einfach. Sie können ihn nach seinem Befinden fragen und erhalten dadurch Hinweise auf seine Verletzungen.
Manchmal ist es notwendig, dass Sie in Abstimmung mit dem Verletzten die Kleidung öffnen, oder auch aufschneiden, damit Sie Verletzungen besser erkennen und anschließend versorgen können.
Blutlachen am Boden oder Blutflecke in der Kleidung, aber auch beschädigte Kleidung deuten auf verdeckte Verletzungen hin.
Sie müssen bei bewusstlosen Verletzten ? nachdem Sie die lebensrettenden Maßnahmen eingeleitet haben ? vorsichtig nach weiteren Verletzungen suchen.
Manchmal erhalten Sie durch Augenzeugenberichte oder die Unfallsituation Aufschluss über mögliche verdeckte Verletzungen.