Inhaltsverzeichnis:
Prolog
Teil I: Geboren werden
1. Zufälle
2. Unerfüllter Ehrgeiz
3. Sich einen Namen machen
4. Zwischen Wort und Tat
5. Die Familie Duplay oder Das geträumte Leben
Teil II: Kämpfen
6. Die Kunst zu mißfallen
7. Unerträglich wie die Prinzipien
8."Ludwig XVI. muß sterben, weil das Vaterland leben muß"9."Mir geht es nur darum, die Wahrheit zu sagen"Teil III: Sterben
10. Die Straße, die zum Tode führt
11. Kämpfen für die Menschheit
12. Gegen die Faktionen
13. Terror und Tugend
14."Welcher Freund des Vaterlandes kann noch überleben wollen"Bibliographie
Nachwort von Daniel Schönpflug und Peter Schöttler
Personenregister
Kurzbeschreibung:
Maximilien Robespierre (1758 - 1794), neben Danton wohl der bekannteste Kopf der Französischen Revolution und wie er hierzulande in erster Linie über Büchners Drama bekannt, ist mehr als alle anderen Figuren seiner Zeit angefeindet wie verherrlicht und ideologisch vereinnahmt worden. Max Gallo schildert den wahren Robes pierre: das ernste, einsame Kind, den enthaltsamen, tugendhaften Revolutionär, der sich ganz dieser Vision einer Revolution hingibt. Der Autor zeigt, wie Robespierre, getragen von den Erwartungen der Öffentlichkeit, zu dem wurde, der er immer sein wollte. Durchdrungen von der Moral Rousseaus hat er dessen Geisteshaltung, Lebensform, die Wildheit des Charakters, die stolze Einfachheit übernommen. Gallos Biographie, die den Menschen Robespierre zeigt, wird auch zur detailgenauen Schilderung der Französischen Revolution: informativ und spannend wie ein Roman.
Leseprobe:
"Robespierre sieht als einziger klar
Die Versammlung ist von höchster Wichtigkeit, denn der Club wartet seit den Morgenstunden darauf, eine Entscheidung zu treffen, und in der Versammlung weiß man, daß die Entschließung, die hier gefaßt werden soll, allen angegliederten Gesellschaften zugesandt und daß sie damit zur Losung werden wird, nach der sich die öffentliche Meinung richtet. Die gemäßigten Mitglieder beschließen daher, sich in möglichst großer Zahl in den Club zu begeben. Beinahe 200 Abgeordnete ziehen, von zahlreichen Anhängern begleitet, in die Rue Saint-Honore. Es geht darum, bei den Jakobinern ebenso zu siegen wie in der Versammlung. Robespierre muß daran gehindert werden, die Gesellschaft in seinem extremen Sinne zu beeinflussen; man fürchtet Maximilien, und das mit Recht.
In der bis zum letzten Platz gefüllten Kapelle der Jakobiner, in der gespanntes Schweigen herrscht, verwirft Maximilien mit einem Satz die These von der Entführung."Nicht meiner Person", beginnt er,"müßte die Flucht des obersten Beamten als katastrophales Ereignis erscheinen. Der heutige Tag könnte der schönste der Revolution sein, er kann es immer noch werden."Dann ruft er zum Handeln auf, womit er sich der Initiative der Cordeliers anschließt, und schleudert seine Anklagen heraus:"Der König hat, um seinen Posten im Stich zu lassen, einen Augenblick gewählt . . ."Und er läßt eine lange Liste von Umständen folgen, die es dem König erlauben werden,"die Nation auszuhungern". Dennoch fürchtet Maximilien nicht so sehr, daß"alle Briganten Europas sich gegen uns zusammentun"."Mitten unter uns jedoch, in dieser Hauptstadt, hat der flüchtige König seine Helfer zurückgelassen, auf die er rechnet, um seine Rückkehr zum Triumphzug zu machen."Es sind diese Helfer, die Maximilien in Unruhe versetzen. Er möchte"seinen Schrecken mitteilen", denn, und dieser Satz zielt auf La Fayette, die Truppen haben Anführer, die"es fertiggebracht haben, daß man einem Bouille für die Bartholomäusnacht unter den Patrioten von Nancy eine öffentliche Danksagung beschlossen hat". Schließlich kündigt er die Ankunft der Abgeordneten an und ruft aus:"Die Nationalversammlung, so behaupte ich heute, hat in zwanzig Dekreten vorgegeben, die Flucht des Königs eine Entführung zu nennen. Wollt ihr noch mehr Beweise dafür, daß die Nationalversammlung die Interessen der Nation verrät?"
Maximilien Robespierre ist bis an die Grenze seiner Möglichkeiten gegangen, beinahe so weit wie die Cordeliers. Er hat Stellung genommen, und er kennt das Risiko:"Indem ich beinahe die Gesamtheit meiner Kollegen, der Mitglieder der Nationalversammlung, anklage . . ., wende ich gegen mich alle Eigenliebe, schärfe ich tausend Dolche, setze ich mich jedermanns Haß aus; ich weiß, welches Los man mir bereiten wird."In diesen Worten kommt sein Pessimismus, gepaart mit einer Art Opferbereitschaft, zum Ausdruck. Seine Niedergeschlagenheit läßt ihn in Todesahnungen verfallen, die nicht nur das Ergebnis politischer Analyse sind, sondern auch von der Anziehung zeugen, die der Tod auf ihn ausübt, wenn er bekennt:"Ich werde fast wie eine Wohltat den Tod empfangen, der es verhindern wird, daß ich Zeuge von Übeltaten werde, die ich als unvermeidbar voraussehe."
Autorenportrait:
Max Gallo ist einem breiteren Publikum vor allem als Romancier und ehemaliger Pressesprecher Mitterrands bekannt. Der gelernte Historiker hat sich mit zahlreichen Sachbüchern zu historischen Themen einen Namen gemacht.