Als Kind war Mehmed Pascha, aus einem kleinen bosnischen Dorf nahe Wischegrad stammend, von den Türken entführt worden. Nach einer beeindruckenden Karriere erfüllt er sich schließlich als Großwesir des türkischen Sultans einen Traum: Die Brücke über die Drina soll das Abend- und das Morgenland, den Ort seiner Herkunft mit den Orten seines Lebens verbinden. Unter vielen Mühen und Opfern vor allem der ortsansässigen Bevölkerung wird die steinerne Brücke gebaut; 1571 vollendet, bildet sie fortan mit ihren elf prächtigen, weitgespannten Bögen den Mittelpunkt des Lebens in Wischegrad. Sie wird Zeuge der großen Auseinandersetzungen zwischen Orient und Okzident, erlebt den Rückzug der Türken, die Ausbreitung des österreichisch-ungarischen Reiches. 1914 wird sie zerstört - eine Welt geht in Stücke.
Die Brücke in Wischegrad über die grünen Fluten der Drina verbindet nicht nur das West- mit dem Ostufer an der Grenze zwischen Bosnien und Serbien, sondern genau genommen sogar Orient und Okzident.
Auf ihr und um sie herum lagern sich Geschichten und Legenden, Schicksale und Lebensentwürfe an. Es beginnt mit jenem Plan Mehmet Pascha Sokolis, Großwesir des Osmanischen Reiches, eine Brücke zwischen
dem Abendland und dem Orient, zwischen Christen und Muslimen zu schlagen über die Drina, dort, wo er einst
geboren wurde, bevor er seine schwindelerregende Karriere am Hofe des Sultans machte. Kinder angeln und spielen an der Brücke, Bettler und Arme sind dort, die jungen Leute haben hier ihre ersten Rendezvous, Händler überqueren sie und verkaufen ihre Waren. Man verabredet sich bei ihr und trifft sich auf ihr durch die Jahrhunderte hindurch: "Unzählige von uns haben dort gesessen, den Kopf in die Hände gestützt, angelehnt an den behauenen glatten Stein und unter dem ewigen Spiel des Lichtes auf den Bergen und den Wolken am Himmel die gleichen, aber immer neu verwickelten Fäden unserer Wischegrader Geschicke entwirrt ..."
Ivo Andric, geb. 1892 in Travnik/Bosnien, gestorben 1975 in Belgrad gestorben, studierte Slawistik und Geschichte in Zagreb, Wien, Krakau und Graz, wo er auch promovierte. 1921 trat er in den diplomatischen Dienst ein. Er vertrat sein Land in Rom, Bukarest, Triest, Genua, Madrid und Berlin. 1939 war er jugoslawischer Botschafter in Berlin. Im Ersten Weltkrieg saß er wegen seiner politischen Tätigkeit in einem österreichischen Gefängnis, im Zweiten Weltkrieg haben ihn die Deutschen interniert. Seine berühmten Romane "Wesire und Konsuln" (I945) und "Die Brücke über die Drina" (I945) schrieb er während seiner Internierung im Zweiten Weltkrieg.§In Belgrad arbeitete er später zurückgezogen an seinen großen Romanen. 1961 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
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