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Tage auf Kreta

   von Klaus Bötig, Hans-Jürgen Gaudeck

buch.de-Verkaufsrang:
ISBN-10:
3-9810177-8-1
ISBN-13:
978-3-9810177-8-6
Erschienen:
05.2007
Erscheint laut Verlag in neuer Auflage.
Einband:
gebunden
Sonstiges:
48 farbige Aquar. 24,5 cm
Seitenzahl:
81
Gewicht:
535 g
Erschienen bei:
HSB-Verlag
Illustrator: Hans-Jürgen Gaudeck

Leseprobe

Liebeserklärung

Im Inselorchester des Erdballs setzt Kreta unverwechselbare Akzente. Seine Klänge sprengen die Partituren des Üblichen, betten Dich in eine Welt ein, die über die Horizonte des Sichtbaren weit hinausreicht. Nichts bleibt unmöglich.
Eines Morgens komme ich in ein kleines Dorf am Psiloritis. In der Kirche wird gerade getauft. Ich will es hautnah erleben, mische mich unter die Taufgemeinde, trete ganz dicht ans Taufbecken heran, in dem gerade ein Erdenkind »ins Ewiges Leben« verheißende Wasser getaucht wird. Murmle die Formeln mit, die die anderen murmeln, bekreuzige mich, wenn sie das Kreuz schlagen. Man lässt mich gewähren.
Dann ist die Taufe beendet. Der Priester hastet davon, ich trete aus der Kirche. Da erklingt die Stimme des Popen aus den Lautsprechern, die am Kirchturm befestigt sind. Er verkündet, der Satan sei da, habe sich unter die Gläubigen gemischt. Alle schauen mich an. Ich bin froh, dass mein Auto nur ein paar Schritte entfernt ist, nutze die Verblüffung der Dorfbewohner und fahre schnell davon. Man hat mich für den Leibhaftigen gehalten.
Heute weiß ich, warum. Meine Fingerhaltung beim Kreuzschlagen war falsch. Ich hätte drei Finger gerade und zwei angewinkelt halten müssen, damit die heilige Dreifaltigkeit und die beiden wahren Naturen Christi bezeugend. Statt dessen hatte ich alle fünf Finger locker ausgestreckt: nach orthodoxer Interpretation also drei für die Trinität, einen für Maria – und den fünften für den Papst in Rom. Damit hatte sich Satan verraten...
Jahre später bin ich an einem Morgen schon um sieben Uhr in der Frühe in einem großen Gotteshaus auf der Lassithi-Hochebene, schaue mir die Ikonen an. Kein Mensch scheint zugegen. Ich bekreuzige mich, inzwischen auf die richtige Art. Nach zwanzig Minuten tritt eine alte Frau auf mich zu, stellt Eimer und Scheuerbesen ab, mit denen sie die Kirche gereinigt hat. Sie bittet mich, mit ihr zu kommen. Schließt die Türen zur himmlischen Botschaft auf Erden, führt mich in ihr kleines Haus gegenüber, tischt zum Frühstück auf, was ihre einfache Küche hergibt: Honig und Käse, Eier und Zwieback, Marmelade, Früchte, Nüsse und Ziegenmilch. Sie spricht kaum, schaut mir nur zu und nötigt mich, kräftig zuzulangen. Bevor ich gehe, frage ich sie: »Warum bist Du so gastfreundlich zu mir?« Ihre Antwort: »Weiß ich, ob Du nicht Christus bist, der mich auf die Probe stellen will?«.
Auf Kreta kann ich beides sein: Satan und Gottessohn zugleich. Und ganz viel Mensch. Darum liebe ich Kreta.

Kurzbeschreibung

9783981017786LangtextEin Bild sagt mehr als tausend Worte...
Bild und Wort haben sich im Band Tage auf Kreta verbündet; Aquarelle des Künstlers Hans-Jürgen Gaudeck und Texte des bekannten Reisejournalisten und Griechenlandkenners Klaus Bötig. Gaudecks geschickte Pinselführung enthüllt das innere Licht, das sich dem bloßen Auge verbirgt. Die Konturen seiner Aquarelle zusammen mit den Hintergrundinformationen Klaus Bötigs zeichnen einen scharfen Umriss griechischer Gegenwart. Das Faszinierende dabei: Klaus Bötig benötigt keine 1000 Wörter, um seine Botschaft zu vermitteln. Mit aussagekräftigen Anekdoten malt er seinerseits das Porträt Kretas.

Beschreibung

Jede Landschaft prägt ihre Menschen. So auch Kreta, mit seinen Bergen, Schluchten, Tälern, Meeren. Ein Reiseschriftsteller und ein Maler waren gemeinsam auf Kreta unterwegs, um diese größte Insel Griechenlands zu ergründen. Jeder auf seine Weise.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ...
Bild und Wort haben sich im Band Tage auf Kreta verbündet; Aquarelle des Künstlers Hans-Jürgen Gaudeck und Texte des bekannten Reisejournalisten und Griechenlandkenners Klaus Bötig. Gaudecks geschickte Pinselführung enthüllt das innere Licht, das sich dem bloßen Auge verbirgt. Die Konturen seiner Aquarelle zusammen mit den Hintergrundinformationen Klaus Bötigs zeichnen einen scharfen Umriss griechischer Gegenwart. Das Faszinierende dabei: Klaus Bötig benötigt keine 1000 Wörter, um seine Botschaft zu vermitteln. Mit aussagekräftigen Anekdoten malt er seinerseits das Porträt Kretas.

Portrait

Der Reiseschriftsteller Klaus Bötig, Jahrgang 1948, lebt in Bremen. Neben zahlreichen Veröffentlichungen von Essays und Reiseführern (DuMont, Marco Polo) war er auch für das Reisejournal im Hörfunk von Radio Bremen tätig. Nach Büchern über Sri Lanka, Malaysia, Madeira, die Azoren und Wales begann er, sich auf einige wenige Zielgebiete zu spezialisieren. Als ausgewiesener Griechenlandkenner schafft er es, in seinen kraftvollen und originellen Texten hintergründig die Faszination Griechenlands eindrucksvoll zu beschreiben. Der Leser wird geradezu in die Welt der Griechen hineingezogen.

Der Maler Hans-Jürgen Gaudeck, Jahrgang 1941, lebt in seiner Geburtsstadt Berlin. Durch seine zahlreichen Ausstellungen, Buch- und Kalenderveröffentlichungen bekannt, gehört er zu den Künstlern, die das Land der Griechen feinsinnig mit der Seele aufsuchen. Seine Aquarelle sind spontane Augenerlebnisse, in denen sich das Licht und die Ursprünglichkeit Kretas intensiv und einfühlsam widerspiegeln. Zahlreiche Studienreisen in ferne Länder liefern ihm die Motive für seine phantastischen Licht durchfluteten Bildkompositionen. Es folgen Ausstellungen im In-und Ausland sowie Veröffentlichungen in mehreren Kunstverlagen. Vor allem die Aquarelltechnik und das Experimentieren mit wasserlöslichen Farbpigmenten, Farbkreiden und Sand geben ihm die ideale Grundlage, die Welt des Lichts mit malerischen Mitteln einzufangen.



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