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Magierlicht

von Wolfgang Thon, Arndt Drechsler, Dennis L. McKiernan, Joern Rauser (Buch)

  • ISBN:3-453-52282-6
  • EAN:9783453522824
  • Veröffentlichungsdatum:September 2007
  • Gewicht in g:374
  • Reihe:Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
  • Seiten:464
  • Stilrichtung:Roman

Kurzbeschreibung:

Vom Autor der Bestseller "Zwergenzorn" und "Elfenzauber"


Aus dem Norden der Welt Mithgar droht dunkle Gefahr: Der Schwarzmagier Modru und seine Horden zwingen alle freien Völker in einen gewaltigen Krieg, und die Menschen müssen sich mit den Elfen verbünden, die erstmals ihr uraltes Geheimwissen offenbaren.


Mit seinen spannenden Erzählungen im Stil von J.R.R. Tolkien hat sich Dennis L. McKiernan längst einen festen Platz im Herzen der Fantasy-Leser erschrieben.



Rezension:

"Dennis L. McKiernans Fantasy-Romane sind ein Muss für alle Tolkien-Fans!" Publishers Weekly

Leseprobe:

In den letzten sieben Oktobertagen und den ersten neun Tagen des Novembers näherte sich Agrons Kavalkade der Sammelstelle in Älvstad. Auf dieser sechzehntägigen Reise schneite es insgesamt an fünf Tagen, was zu dieser Jahreszeit in Aven höchst ungewöhnlich war. Einige munkelten, es wäre Modrus Werk, andere widersprachen dem jedoch. Mochte es sein, wie es war, trotz des frühen Schneefalls erreichte Agrons Kompanie ihr Ziel am zehnten November.
Älvstad war eine mit Palisaden bewehrte Stadt am Ufer des Argon, aber da hier die Aushebung stattfand, umringten mehr Zelte und Karren die Stadt, als es Gebäude gab. Die Kavalkade bahnte sich langsam einen Weg durch diese Zeltstadt, durch Schnee, der zu Matsch zerwühlt worden war. Wo die blaugoldenen Banner des Königs vorüberzogen, standen Männer am Weg und jubelten ihrem König zu, dem Bezwinger des Gargon und Vernichter von Modrus Schwarm. Nach dem König ritt, geführt von einem Berittenen, eine lebende Legende daher: einer vom Litenfolk, dem Kleinen Volk.
König Agron ritt mitten durch die jubelnden Männer in die Stadt ein, gefolgt von Tipperton und den anderen. Schließlich hielten sie vor einer Herberge an; der König stieg ab und signalisierte einigen seiner Vertrauten – unter ihnen war auch Tipperton –, ihm zu folgen. Die restlichen Soldaten führten die Pferde zu den Mietstallungen, wo sie Quartier nehmen konnten, bis sie wieder abrückten.
Als Tipperton in die Herberge trat, war er froh, dass dieser Teil der Reise endlich vorbei war. Er genoss es nicht gerade, auf einem großen Pferd zu sitzen, das von einem der Königsmannen an der Leine geführt wurde. Ebenso wenig schätzte er es, auf dem harten Boden schlafen zu müssen. Und außerdem erschien es ihm, als hätte er genau dies fast eine Ewigkeit getan. In dieser und den folgenden paar Nächten würde er vor einem Kamin dösen und sich in einem weichen Bett wälzen.
Als ihm eine ehrfürchtige Magd einen Becher mit süß duftendem Glühwein servierte, legte Tipperton Umhang und Jacke ab und ließ sich in einen Sessel fallen. In einer Woche würde er mit den anderen zu den Einöden von Gron aufbrechen. Aber was bedeutete schon eine Woche? Es war eine Ewigkeit.
In Älvstad gab es, wie Agron versprochen hatte, mehrere Ställe, die Ponys verkauften. Am nächsten Tag verbrachte Tipperton viele Kerzenstriche damit, die Auswahl zu sichten, bevor er sich für zwei Tiere entschied: ein kleines braunes Pony aus den Hügeln in der Nähe des Rimmen, und ein schwarzes aus den Steppen von Jord.
»Wenn ich Ihr wäre«, empfahl der Stallbursche, »würde ich das Schwarze reiten.«
»Das habe ich auch vor, aber warum sagt Ihr mir das?«
»Weil es aus Jord ist, natürlich, Junge«, antwortete der Mann, als wäre dies Erklärung genug.
Tipperton schüttelte nur den Kopf und grinste. Danach suchte er sich einen passend kleinen Sattel und verkürzte die Steigbügel auf seine Beinlänge. Der Stallbursche gab noch eine Decke und Zaumzeug für das Gold des Königs dazu, dazu eine Polsterdecke samt Tragegestell für das Braune, Hafersäcke und anderes Kleinzeug. Tipperton zahlte für die Unterbringung der Ponys, bis sie abrücken würden. Doch als der Stallmeister erfuhr, dass der Bokker ein Scout des Königs war, wollte er keine Bezahlung dafür annehmen. »Das ist mein Beitrag für den Krieg«, meinte der Mann und wiederholte seine Worte noch einmal bekräftigend. »Mein Beitrag für den Krieg.«
Während der nächsten fünf Tage trafen noch mehr Karren, Soldaten und Berittene ein, am sechsten Tag jedoch schmetterten die Hörner und Agrons Armee rückte ab: Die Wagen rollten, Soldaten marschierten und die Pferde tänzelten durch die Straßen. Die Armee war dreißigtausend Mann stark und wurde von einem kleinen Wurrling angeführt, der mit einem anderen Kundschafter weit vorausritt. Das war ein grauhaariger, älterer Mann.
Sie überquerten den Argon über die breite Furt und brachen durch die dünne Eisschicht, die sich bis zum gegenüberliegenden Ufer erstreckte. Hinter Tipperton und seinen Gefährten folgte das Heer. Die Reiter und Karren warteten auf das Fußvolk. Jeder Reiter ließ einen Fußsoldaten hinter sich aufsitzen und die Karren nahmen den Rest mit hinüber.
Alles in allem dauerte es bis zum späten Vormittag, bis die ganze Armee den Übergang geschafft hatte. Denn es waren viele Karren, Pferde und Männer, und der ganze Heerestross erstreckte sich über mehrere Meilen.
Sie marschierten durch den Schnee zum Jallor-Pass. Die Strecke führte zum Grimmwall, der sich fern und dunkel vor dem Himmel abhob, und war dreißig Meilen lang. Das bedeutete drei Tagesmärsche. Denn so eine Armee wälzt sich nur langsam durch offenes Gelände. Obwohl der Jallor-Pass eine Haupthandelsroute zwischen dem westlichen Jord und Aven darstellte, gab es keine ausgebauten Straßen, sondern nur einen holprigen Weg, den die Kaufmannswagen und Pferde ausgetreten hatten.
Zehn Meilen pro Tag sollte die Armee zurücklegen, mehr nicht. »Es ist ein langer Marsch«, hatte König Agron gesagt, »und es wird besser sein, mit ausgeruhten Soldaten anzukommen als mit einer durch Hast erschöpften Armee.«
Vor ihnen ritten in einigen Meilen Abstand Tipperton und Auly, die beiden Kundschafter.
Sie ritten drei Tage durch das sanft ansteigende Land. Tipperton und Auly befanden sich bereits weit im Pass, während die Armee gerade erst den südlichen Eingang der Schlucht erreichte. Es schneite wieder, die Luft war kalt.
»Meiner Seel, ich hoffe wirklich, dass dieses Wetter kein schlechtes Omen ist«, meinte Tipperton und zog seinen Umhang fester um sich.
»Hier in der Schlucht könnte es tatsächlich zum Verhängnis werden, aber auf der Ebene ist es eher ein Segen«, gab Auly zurück. Er war ein in vielen Schlachten erprobter Veteran.
»Wie das?«
Auly kratzte seinen ergrauenden Bart und deutete auf die Schlucht. »Im Unterschied zu der Ebene wird der Schnee hier oben sehr hoch liegen. Das behindert die Karren und Pferde und Soldaten. Auf den Ebenen jedoch wird uns die Kälte sogar helfen, falls es nicht zu stark schneit. Der Boden wird gefrieren, versteht Ihr, und je härter der Boden ist, desto weniger Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Karren im Schlamm versinken.«
»Natürlich.« Tipperton nickte.
Sie ritten weiter durch die Schlucht, musterten die Hänge um sich herum und vor sich nach einem Anzeichen des Feindes. Aber der Weg schien frei zu sein und die beiden ritten zumeist schweigend weiter. Bis Auly das Schweigen schließlich brach. »Über eines mache ich mir allerdings wirklich Sorgen«, sagte er. »Modru ist der Herr der Kälte, jedenfalls habe ich das gehört, und es wäre mir gar nicht lieb, sollte er seine Macht gegen uns wenden.«
»Ich bin mir nicht sicher, ob er das tun wird, Auly. Als ich mich in Dendor aufhielt, waren auch sechs Magier dort. Sie sagten, dass es sehr viel Feuer koste, einen großen Bann zu wirken. Ich glaube, einen Schneesturm zu beschwören, ist ein solcher großer Bann. Obwohl Modru das vielleicht getan hat, nachdem Dael von Sleeth vernichtet wurde.«
»Dem Drachen?«
»Ja. Er hat die Stadt mit seinem Feuer heimgesucht, bis kein Stein mehr auf dem anderen lag. Danach kam der Schneesturm. Ob Modru ihn gewirkt hat, weiß ich natürlich nicht, obwohl andere dies fest behaupten.«
»Und Ihr habt das gesehen?«
»Nur die Nachwirkungen. Wir haben den Sturm in einer Schutzhöhle abgewartet, die mehrere Tagesreisen von Dael entfernt lag. Wir erreichten die Stadt erst, als das Werk der Verheerung bereits getan war.«
»Ich hoffe nur, dass uns der Schwarze Modru keinen Sturm anhext. Andererseits, wenn man darüber nachdenkt, welches bessere Ziel gibt es schon als eine feindliche Armee, die über offenes Gelände marschiert?«
Tipperton erschauerte, antwortete jedoch nicht, während der Schnee unablässig auf sie herabrieselte.
Am neunten Tag nachdem sie Älvstad verlassen hatte, marschierte die Armee aus der Schlucht heraus und wandte sich nach Jallorby, einer jordischen Stadt am nördlichen Ende des Passes. Zwei Tage lang rasteten sie in dieser entlegenen Ecke von Jord, an der Flanke des Grimmwall-Massivs. Am dritten Tag jedoch war ihre kurze Ruhepause zu Ende und sie brachen auf.
Sie zogen nach Westen, zu einer fernen Bergkette, in der sich jener Pass befand, der durch den Erdrutsch verschüttet war. Tipperton und Auly ritten etwa zehn Meilen vor dem Heerestross. Der Grimmwall erstreckte sich drohend zu ihrer Linken bis hinauf zu den Gronspitzen.
Am fünften Tag erklommen Tipperton und Auly eine Anhöhe. Unmittelbar vor ihnen erhoben sich weit am Horizont schneebedeckte Bergkuppen, von denen aus sich das Gebirge weiter nach Norden erstreckte. Tipperton atmete die Luft tief ein, die hier besonders kalt zu sein schien.
»Da sind sie, die Gronspitzen«, erklärte Auly. »Ein wirklich schlimmer Landstrich.«
»Schlimm?«
»Ja. Hier wimmelt es von Rutcha und Drôkha und Guula und dergleichen.«
Tipperton spähte zu der fernen Gebirgskette hinüber. »Vielleicht sind es ja nicht so viele, nachdem sich Modrus Horden über all die Länder verteilt haben.«
Auly antwortete nur mit einem Knurren und trieb sein Pferd den sanft abfallenden Hang vor ihnen hinab. Tipperton folgte ihm.
»Seht dort, links von dem großen Felsbrocken«, sagte Auly.
Tipperton lag bäuchlings auf dem Hügel und versuchte, in der hellen Mittagssonne etwas auf dem Bergrücken neben dem Eingang des Passes zu erkennen. Er bemerkte Bewegung auf den schneebedeckten Steinen. »Ich sehe es.«
Sie hatten Jallorby vor zwölf Tagen verlassen, und die beiden Kundschafter hatten sich dem Eingang des Passes durch die Gronspitzen bis auf eine Viertelmeile genähert. Die Armee war noch etwa einen Tagesritt hinter ihnen.
»Brut, oder was denkt Ihr?«, fragte Tipperton.
»Was sonst?«
»Also ist der Pass doch nicht unbewacht«, stellte Tipperton fest.
Auly nickte.
»Also dann«, meinte Tipperton. »Wir müssen zu König Agron zurückreiten.«
»Noch nicht, Tipperton. Lasst uns zunächst abwarten, ob wir noch was sehen.«
Also warteten sie und beobachteten den Eingang des Passes, während die Sonne allmählich unterging.
»Etwa eine Kompanie, glauben wir«, sagte Auly.
»Im Eingang des Passes?«
»Aye, my Lord.«
König Agron sah Tipperton an, und der Bokker nickte. »Gesehen haben wir dreißig oder vierzig, Lord Agron. Wenn es noch andere gibt, dann verbergen sie sich in der Schlucht selbst. Selbst wenn es für jeden, den wir gesehen haben, noch fünf andere gibt, die unseren Blicken entkommen sind, alles in allem hält doch etwa eine Kompanie Wache. Freilich ist das nur eine Schätzung. Es könnten sich durchaus noch viel mehr in der Schlucht tummeln.«
Agron seufzte. »In diesem Fall könnten uns eine Brigade, ein Segment oder sogar eine ganze Horde den Weg versperren.«
»My Lord, falls es ein Segment oder eine ganze Horde wäre«, mischte sich Hauptmann Brud ein, der neben ihnen stand, »dürfte es schwierig sein durchzukommen, denn der Pass verengt sich.«
»Ganz recht, Hauptmann. Allerdings können wir auch kaum erwarten, kampflos bis zu Modru vorzudringen.« Agron dachte kurz nach. »Ruft den Rat der Hauptleute zusammen. Wir müssen einen Schlachtplan schmieden.«
Ganz in Weiß gekleidet schlich sich Agrons Vorhut durch den Schnee, der im Mondlicht funkelte. Sie waren in der hellen Nacht kaum zu erkennen. Etwa eine Meile hinter ihnen wartete die Kavallerie auf ihr Signal und ein Trupp Fußsoldaten stand ebenfalls bereit.
Links von ihnen und vor den heranrückenden Truppen führten Tipperton und Auly einen kleinen Kavallerietrupp. Ihr Auftrag bestand darin, die Wachen auf dem südlichen Kamm auszuschalten.
Der Trupp glitt über den Schnee, der alle Geräusche dämpfte, bis sie die Felsflanke des Berges schließlich erreichten. Von dort wandten sie sich nach Norden und ritten einen Hang hinauf, Tipperton an der Spitze, den Bogen bereit, und fast vollkommen lautlos.
Schließlich erreichten sie den Grat des Kamms, und Tipperton sah im Mondlicht Gestalten zwischen den Felsen liegen. Er hob die Hand, um die Nachfolgenden zu stoppen. Dann holte er tief Luft, atmete leise aus, um sich zu sammeln, und beobachtete die Szenerie unter sich.
Eine Abteilung des Gezüchts. Sie schlafen. Aber halt!
Er erspähte einen Rukh, der Wache hielt und nach Süden spähte.
Tipperton gab den Männern hinter sich das Zeichen, weiter vorzurücken, aber kein Geräusch zu machen. Auly ritt neben den Wurrling. Als die Reiter ihre Stellungen eingenommen hatten, wurde Tippertons geflüsterter Befehl durch die Reihe weitergegeben. Behutsam hob er den Bogen mit dem eingenockten Pfeil.
Tief einatmen, halb ausatmen, ziehen, zielen und loslassen.
Der Rukh bemerkte ihn nicht.
Während Tipperton noch zögerte, einen ahnungslosen Feind einfach so niederzustrecken, erinnerte er sich an die Worte von Dara Lyra an der Rimmen-Kluft: Denk daran, wie viele von seinesgleichen niedergemetzelt worden sind.
Mit einem leisen Singen sauste der Pfeil von der Sehne, flog durch das Mondlicht und traf den Rukh im Hals. Er gurgelte unartikuliert, während er seitlich in den Schnee fiel. Doch in diesem Augenblick trat ein zweiter Rukh um einen Felsen herum. Bevor Tipperton einen neuen Pfeil einnocken und abfeuern konnte, schrie der Rukh auf und hob ein Horn an den Mund.
Noch während das Signal ertönte, traf ihn Aulys Pfeil unter dem Arm und schleuderte ihn in den Schnee, wo er regungslos liegen blieb. Doch der Alarm war ertönt, und überall sprangen Rukh hoch, während sich vom Grat aus ein Pfeilhagel über sie ergoss.
Vor Schreck und Angst schreiend ging die Brut hinter den Felsen in Deckung, während ein weiteres Hornsignal der Brut ertönte, dem ein drittes aus dem schmalen Pass unter ihnen antwortete.
Doch auf der Ebene schmetterte ein anderes Hornsignal los, und mit dem Schrei Für König und Dular sprangen Männer aus dem Schnee und stürmten in die Schlucht. Waffen klirrten. Etwa eine Meile entfernt hallten weitere Hörner unter dem Donnern von Hufen.
Tipperton, Auly und die Männer auf dem Grat feuerten weiterhin ihre Pfeile ab, die eine blutige Ernte unter der Abteilung der Brut hielten. Die Rukhs rannten kreischend davon, nur um von Pfeilen ereilt und niedergestreckt zu werden.
»Rasch, lasst uns sehen, ob wir dem König helfen können!«, rief Auly. Die Reiter trabten den Hang hinab bis zu der Stelle, die zuvor noch von den Wachen gehalten worden war.
Sie kamen zu einer Senke in der Schlucht, in der Rukh und Menschen wütend fochten. Tipperton wagte es nicht, einen Pfeil abzuschießen, da er fürchtete, seine eigenen Leute zu treffen. Aber die Brut drängte von hinten nach und bot Tipperton und seinen Leuten ein deutliches Ziel.
Immer noch schmetterten die Hörner auf der Ebene, Hufe donnerten über den hart gefrorenen Boden, und von der Ebene rannten Männer heran, die ihren Grimm wortlos hinausschrien.
Gerade als die Reiter ankamen, teilten sich am Boden der Schlucht die Soldaten des Königs, um die Pferde durchzulassen. Die Kavallerie donnerte über die Rukh hinweg, die den Eingang des Passes bewacht hatten.
Das Gezücht kreischte vor Furcht und wandte sich zur Flucht dem Engpass entgegen. Viele aber wurden niedergemetzelt. Nur wenigen gelang es, die Hänge zu erklimmen, um den Reitern zu entgehen. Doch sie wurden von Soldaten zu Fuß verfolgt.
Dann traf der Hauptteil der Armee ein. Die Männer stürmten brüllend heran, stellten jedoch fest, dass die Schlacht bereits beinahe geschlagen war, denn den Pass hatte nur eine kleine Kompanie bewacht.
»Es tut mir leid, Mylord, aber ich habe den Rukh hinter dem Felsen nicht gesehen. Deshalb konnte er Alarm schlagen!«
König Agron hob abwehrend die Hand. »Still, Herr Tipperton. Das war nicht Euer Fehler. Außerdem, wie Ihr selbst sagtet, als wir uns daran machten, den Gargon zu töten: Der Augenblick, in dem die Schlacht beginnt, ist zugleich der Augenblick, in dem alles schiefgeht.«
»Aye, Mylord, aber in diesem Fall …«
»Unsinn! Wir haben kaum Verluste zu beklagen, und die Brut war noch schlaftrunken, trotz des Hornsignals.«
»Würden wir doch all unsere Siege zu einem so billigen Preis erringen!«, mischte sich Hauptmann Brud ein. »Aber ich fürchte, dass wir in den folgenden Tagen nicht so leicht davonkommen.«
König Agron sah Brud stirnrunzelnd an. »Ihr und ich, wir wissen das, Hauptmann, aber sagt einstweilen nichts und lasst die Männer feiern.«
»Aye, Mylord.«
Während sie durch den Pass ritten, behielten Tipperton und Auly die schneebedeckten, hohen Flanken im Auge. Der Engpass änderte vor ihnen immer wieder die Richtung und fiel hinter ihnen ab. Kaum eine Viertelmeile nach ihnen folgte die Vorhut des Heeres, aber Tipperton und Auly verloren die Männer immer wieder aus den Augen, wenn sie hinter einer der schroffen Kurven des Passes verschwanden. Weit hinter der Vorhut folgte der Hauptteil des Heeres mit den Wagen und dem größten Teil der Kavallerie. Agron und seine Vorhut wollten den Pass erst von allen Feinden säubern, damit die langsameren Wagen und die Fußsoldaten den Ausgang der Schlucht unbehelligt erreichen konnten. Also ritten die beiden Kundschafter vorneweg durch den Pass und führten die Vorhut gemeinsam mit dem König an.
Manchmal erhoben sich die Felswände steil nach oben, einhundertfünfzig Meter oder gar noch höher. Gelegentlich schienen sie jedoch auch nicht senkrecht, sondern führten in steilen Winkeln hinauf. Aber immer waren die Wände nahe, standen kaum dreißig Meter auseinander, und verengten sich auf längeren Passagen sogar noch weiter.
»Himmel, Auly, ich habe das Gefühl, als steckten wir in einem Schraubstock.«
»Das tun wir auch, Junge, genau das tun wir«, erklärte Auly. »Und wenn wir hier auf eine ganze Armee treffen, wird es ziemlich fürchterlich.«
Im Pass lag der Schnee an manchen Stellen mehr als einen Meter hoch, an anderen Orten dagegen schimmerte der blanke Fels durch. An den verschneiten Stellen ritt Auly voran, dessen Pferd einen Weg für Tipperton und sein Pony bahnte.
Und stets fanden sie Spuren des Gezüchts im Schnee. »Sie fliehen, scheint mir«, sagte Tipperton, der abgestiegen war und die Spuren untersuchte. »Sie müssen sich irgendwo vor uns befinden.« Er stand wieder auf und stieg auf sein schwarzes Pony.

Autorenportrait:

Dennis L. McKiernan wurde am 4. April 1932 in Missouri geboren. Im Alter von 18 Jahren trat er in die Air Force ein und kämpfte vier Jahre als Soldat im Korea-Krieg. Nach seiner Militärzeit studierte McKiernan Elektrotechnik. 31 Jahre lang arbeitete er al

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