Die Jugendstil-Künstler waren überzeugt davon, dass ihre neuen Lebensentwürfe alle Bereiche durchdringen sollten. So war auch die Bühnenkultur, also das Theater, Teil dieser faszinierenden Erneuerungsbewegung. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 begeisterte die Tänzerin Loïe Fuller in fließenden Gewändern das Publikum, während in Moskau die legendären Ballets russes gegründet wurden und Max Reinhardt in Berlin zum Starregisseur avancierte. Künstler wie Edvard Munch und Peter Behrens steuerten ausdrucksstarke Bühnendekorationen bei. Der Autor deckt Hintergründe auf, die vom Schönheitskult des Skandalautors Oscar Wilde bis zu den gefeierten Auftritten Nijinskijs in Paris reichen: die Anfänge des modernen Theaters. Theater-Neubauten vermutet man zunächst in Großstädten. Doch im Jugendstil entstanden imposante Theatergebäude - nach Entwürfen u.a. von Hector Guimard, Henry van de Velde und Heinrich Tessenow - nicht nur in Paris oder Köln, sondern auch in Hellerau (bei Dresden), Pfullingen (bei Reutlingen) und Landau in der Pfalz. Diese Publikation erscheint zum 100-jährigen Jubiläum der Landauer Jugendstil-Festhalle von Architekt Hermann Goerke. Wichtiger Teil der neuen Theater-Bewegung war das Kabarett. Neben Ernst von Wolzogen, dem deutschen Pionier dieser Kunstform, der mit seinem "Bunten Theater" auch in Landau gastierte, erhielt das Kabarett ebenfalls von Frank Wedekind, Arnold Schönberg und vom jungen Pablo Picasso wichtige Impulse.