Es gibt Tage, die strahlen vor Vergnügen. Wenn sich dann der gläserne Fahrstuhl aus dem Grün des Parco Sempione erhebt, man einen ersten Blick von oben in das sonnenbeschienene Castello Sforzesco werfen kann, langsam dahinter marmorglänzend der Dom mit der goldenen Madonnina sichtbar wird, warme Luft in südlicher Ferne die Apenninhügel flirrend umspielt, während sich in der Gegenrichtung hinter dem Arco della Pace, im Norden, der majestätische Alpenkranz vom wolkenlos blauen Himmel absetzt, dann möchte man oben auf der Torre Branca diese Stadt umarmen. Aber es kommt auch vor, dass ein bleigrauer Himmel über den Dächern lastet, sich Smogschlieren auf die Fenster legen, die Luft im Hals kratzt und die Menschen den Mantelkragen wie Scheuklappen aufgerichtet haben. Dann will man nur noch weg. Nach Genua ans Meer, eine gute Stunde mit dem Auto, oder in die Berge, auf den Monte Generoso gleich hinter der Schweizer Grenze im Tessin, wo man den Kopf aus den giftigen Wolken stecken kann. Mailand, sagt der Schriftsteller Andrea De Carlo, ist eine ideale Stadt, weil man so schnell woanders sein kann: in Genf oder Zürich, in Nizza oder Venedig.
€ 9,95