Zwei Männer, die um die Liebe einer schönen Frau rivalisieren - und in der Folge schäumende Leidenschaften, Ränke, Entführung, Verrat und Mord. Das ist die Welt der Großen Oper, der Stoff, aus dem Giuseppe Verdi seine musikalischen Einfälle schöpfte. Doch auch ohne Musik können Sie sich in diese aufregende Welt versenken. Hier finden Sie die exaltierten Handlungen dreier bekannter Verdi-Opern - "Der Troubadour", "Ein Maskenball" und "Rigoletto" - in Form von altertümlichen Prosanovellen. Sie erscheinen erstmals in einem Band, sind jedoch auch einzeln erhältlich
"Frei heraus mit der Sprache!", drängte nun auch der König."Was immer mir bevorsteht, ich vermag es zu hören.""Und dennoch ist es besser, Sie hören es nicht", erwiderte Ulrica leise und ernst."Gestatten Sie, dass ich mich zurückziehe... Ich...""Ohne das Unheil zu enthüllen, das mir droht?", rief der König, nun wieder ganz mit der ihm eigenen spottfunkelnden Heiterkeit."Oh nein! Wollen Sie mich ohne Warnung meinem Schicksal überlassen!"Diese Worte, so scherzhaft sie gemeint waren, griffen Ulrica wie ein Vorwurf ans Herz. Und traf er nicht zu? Stand sie nicht im Begriffe, sich verzagt und jämmerlich vor der Verantwortung zu drücken, die ihr, wer wusste, durch welche Mächte, in die Hand gegeben war? Sie sah ihn an, diesen selbstbewussten König, wie er da in frohgemuter Runde bei der Tafel saß, wie er sich über sie lustig machte und trotz all seiner Gewitztheit gänzlich blind war für das sichtbar vor ihm heraufziehende Verhängnis. Wer sollte ihn sehend machen, wenn nicht sie? Das war nun einmal ihre Rolle auf Erden, ihre Mission seit Jahr und Tag: die Menschen sehend zu machen für das ihnen drohende Verhängnis, das sie selber, blind von Leidenschaften, nicht erkannten. Sie würde sprechen - sie musste sprechen, und wenn es das Letzte war, was sie tat. Nicht umsonst hatte sie vorhin, als sie des Königs Hand in die ihrige nahm, den Blick des ganzen Landes auf sich ruhen gefühlt. Es sollte später einmal nicht von ihr heißen, sie hätte ihren König ohne Warnung seinem Schicksal überlassen.
Beherzt trat sie der Tafel wieder näher und sprach:"Das Scherzen könnte Ihnen bald vergehen. Es ist kein Kleines, was ich für Sie sehe, und es ist kein Gegenstand zum Amüsement.""Ja nun, was ist es denn?""Der Tod!"Sie hatte gar nicht so direkt mit diesem Wort herausplatzen wollen; eher unwillkürlich war es ihren Lippen entflohen, und als es jetzt im Raume stand, gefolgt von einem bestürzten Geraune, das durch die Tafelrunde ging, erschrak sie davor wie alle anderen auch. Was für ein Wagnis - wenn sie sich täuschte, schwände all ihr Renommee dahin. Und dennoch, niemals war sie sich so sicher gewesen..."Der Tod", wiederholte mechanisch der König, und etwas wie ein ahnungsvoller Schatten legte sich um seine Züge. Doch rasch verwand er diese Regung und kehrte zurück zu seinem leichten philosophischen Plauderton."Droht nicht jedem der Tod?", fragte er achselzuckend."Müssen wir nicht alle Tag für Tag damit rechnen? Den einen rafft eine Krankheit hin, den anderen trifft das Schwert des Feindes im Feld...""Nicht von äußerer Krankheit droht Ihnen Gefahr", fiel ihm die Seherin ins Wort,"sondern einzig von der Ansteckung des Gemütes, von den Giften verbotener Leidenschaft. Und auch kein äußerer Feind ist es, der Ihnen nach dem Leben trachtet. Aber fürchten Sie den Feind, wo Sie ihn überhaupt nicht vermuten: den Feind, der Sie anlächelt, der Ihnen die Hand reicht und der Sie dann, wenn seine Stunde kommt, gerade aus der Nähe heraus um so gezielter zu verderben weiß!"
Zwei Männer, die um die Liebe einer schönen Frau rivalisieren - und in der Folge schäumende Leidenschaften, Ränke, Entführung, Verrat und Mord. Das ist die Welt der Großen Oper, der Stoff, aus dem Giuseppe Verdi seine musikalischen Einfälle schöpfte. Aber auch ohne Musik können Sie sich in diese aufregende Welt versenken. Tanja Stern hat in ihren "Opernmorden" die exaltierten Handlungen dreier bekannter Verdi-Opern eigenwillig interpretiert und dafür eine Form gefunden, die sich an die klassischen Novellen des 18. Jahrhunderts anlehnt. Erleben Sie den "Troubadour", den "Maskenball" und den "Rigoletto" neu und anders aus der ungewohnten literarischen Perspektive.