»Der Führer« kommt nach Hamburg. Die Straßen, durch die sein Konvoi rollt, sind gesäumt von begeistert jubelnden Schulkindern. In dem Meer von blonden und blauäugigen Schülern ein achtjähriger Junge mit brauner Haut, krausen Haaren und - noch - kindlichem Enthusiasmus. Vorerst erreichen ihn nur die Spottverse gleichaltriger Nachbarskinder: »Neger, Neger, Schornsteinfeger!« Eines Tages aber wird man den Jungen vom Spielplatz jagen mit der schlichten Bemerkung: »Kannst du nicht lesen? Das Betreten dieses Platzes ist nur Ariern erlaubt.« Hans J. Massaquoi beschreibt in seiner Autobiographie seine Kindheit und Jugend zwischen 1926 und 1948 als einer der ganz wenigen schwarzen Deutschen in diesem Land. Seine Hautfarbe bewahrte ihn unter anderem davor, Nazi zu werden. Und sie verhinderte, dass er in den Krieg geschickt wurde wie viele seiner Mitschüler, die nie zurückkamen.
Hans Jürgen Massaquoi wurde 1926 in Hamburg als Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters geboren. Der Großvater, ehemaliger König der Vai, war liberianischer Generalkonsul in Hamburg, die Dienstboten waren Weiße. Als die liberianische Familie das Land verließ, blieb der Junge mit seiner deutschen Mutter zurück. 1948 verließ Hans J. Massaquoi Deutschland. Er reiste nach Liberia, 1950 zog es ihn in die USA. Nach dem Studium der Publizistik und Kommunikations-wissenschaft Mitarbeit bei Ebony, der größten afroamerikanischen Zeitschrift, deren Chefredakteur er wurde. Er lebt heute mit seiner Frau in Florida, USA.
€ 9,95