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Eine verruchte Affäre

Roman
  • ISBN:3-442-37002-7
  • EAN:9783442370023
  • Veröffentlichungsdatum:September 2008
  • Gewicht in g:403
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:480
  • Stilrichtung:Romane

EUR 7,00

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Kurzbeschreibung von: Eine verruchte Affäre

Glühende Leidenschaft und sinnliche Romantik!


Die junge Witwe Lady Cornelia ist entzückt von der alten Villa im Herzen Londons. Nur warum zeigt der attraktive, aber mysteriöse Viscount Harry Bonham solch intensives Interesse daran? Ihr Widerstand gegen ihn schwindet allerdings bald, denn Harry ist ein umwerfender Verführer, und heiße Leidenschaft entflammt zwischen ihnen. Doch ein gefährliches Geheimnis liegt auf dem Haus, das sie nur offenlegen können, wenn sie einander vollkommen vertrauen ...


Rezension von: Eine verruchte Affäre

"Der großartigen Jane Feather gelingt wieder einmal ein sinnlicher Liebesroman voller Humor, Romantik und wunderbarer Charaktere!" (Romantic Times)

Leseprobe von: Eine verruchte Affäre

Er duckte sich in den Schatten der Eibenhecke, die den Square Garden umschloss, hielt den Atem an und lauschte. Obwohl er wusste, dass sie irgendwo in der Dunkelheit lauerten, hörte er nichts. Niemand war besser als sie, wenn es um Verfolgungen ging, und niemand schlüpfte ihnen geschickter durch die Maschen als er. Seine Hand glitt unter das Hemd und tastete nach dem kleinen Bündel, das er sich fest unter den rechten Unterarm geschnallt hatte. Sie durften es auf keinen Fall bei ihm finden.
Aus den großen Häusern auf der anderen Straßenseite drang kein Licht mehr. Sogar die Bediensteten lagen zu dieser nachtschlafenen Stunde schon im Bett. Hin und wieder trat der Mond aus den Wolken hervor und erhellte die blank polierten Stufen der kurzen Treppen, die vom Bürgersteig direkt zu den makellosen Eingangstüren mit Türklopfern aus glänzendem Messing führten; gepflegte schwarze Zäune umgrenzten das Areal um den Dienstboteneingang im Untergeschoss und die Küche.
Hinter ihm knackte es vernehmlich ... ein Eichhörnchen, das durch das trockene Laub huschte ... nein, es war kein Eichhörnchen. Sie waren es. Er war sich nicht ganz sicher, wie viele ihm auf den Fersen waren, vermutete aber mindestens zwei. Mit der Handfläche strich er über den Griff der kurzen Klinge, die in der Scheide an seinem Hüftgürtel steckte. Wenn es nur zwei waren - mit ihnen würde er fertig werden. Sollten es doch mehr sein, dann würden sie sich im schattenhaften Dunkel dieser kalten Februarnacht von allen Seiten auf ihn stürzen.
Mechanisch setzte er sich in Bewegung, beinahe schneller, als es ihm bewusst wurde, brach aus der Deckung und rannte quer über die Straße. Und jetzt konnte er sie hören, stampfende Schritte hinter ihm auf der Straße. Im fahlen Mondlicht entdeckte er eine Kutsche, die am Square um die Ecke preschte, vierspännig und beinahe im Galopp, geführt von einem Peitsche schwingenden jungen Mann und seinen zwei Begleitern, die betrunken auf dem Bock schwankten und mit lärmendem Gelächter die nächtliche Stille zerrissen.
Er kauerte sich auf den Boden. Nur wenige Zentimeter flogen die Hufe an ihm vorbei, als er auf den gegenüberliegenden Bürgersteig hechtete. Die Vorderpferde, die auf das kreischende Gelächter und die unbeherrschte Hand an den Zügeln ohnehin schon panisch reagierten, brachen aus und stiegen aus Angst vor dem Objekt, das plötzlich unter ihnen dahinrollte. Das Gelächter verwandelte sich in lautes Gebrüll, als die Männer sich seitlich neigten und die Kutsche auf zwei Rädern hing, bevor sie die Ladung verlor und umstürzte.
Der Mann hielt kaum eine Sekunde inne, taxierte den Lärm hinter sich mitten auf der Straße. Die Pferde versuchten, wieder in die Spur zu kommen, aber die Zügel hatten sich verdreht, und eines der vorderen Tiere war in den Vorderbeinen eingeknickt.
Der wüste Tumult reichte, ihm die Verfolger für ein paar wertvolle Minuten vom Leib zu halten. Regungslos hielt er inne. Seine Augen hatten sich inzwischen an das Halbdunkel gewöhnt, und der Blick schweifte durch die unmittelbare Umgebung. Die eleganten, gepflegten Fassaden der Londoner Aristokratie begrenzten den Square zu allen vier Seiten. Noch immer brannte kein Licht in den Häusern, obwohl die Kutsche höllischen Lärm gemacht hatte. Irgendetwas strich ihm um die Knöchel. Er erschrak, und wie aus Protest ertönte ein Schrei. Eine Katze strich ihm um die Beine und sprang die Treppe zum Dienstboteneingang ein paar Meter entfernt hinunter. Als er sich umschaute, starrte er in das nachtschwarze Dunkel eines winzigen Innenhofs. Zwei Augen glommen auf, als die Katze auf ein niedriges Fenstersims sprang. Dann war sie fort.
Instinktiv ging er die Stufen hinunter, tastete sich langsam vorwärts. Über ihm schwoll der Lärm an. Er presste sich an die Wand am Fuß der Treppe und entdeckte die Katzenaugen, die ihn vom Fenstersims aus anglühten. Aber diesmal blickten sie von drinnen nach draußen. Der Fensterrahmen war ungefähr fünfzehn Zentimeter hochgeschoben, mehr als eine Katze braucht, um durchzukriechen. Für einen Mann reichte es nicht. Natürlich war er schlank, aber doch längst nicht so biegsam wie ein Schlangenmensch.
Er legte die Handflächen unter das Fenster und schob mit aller Kraft. Zweifellos, das Fenster hatte sich bewegt. Die Katze protestierte mit einem lauten Miau und sprang hinunter. Wieder schob der Mann. Fünfundvierzig Zentimeter würden reichen. Er blieb vollkommen ruhig, obwohl seine Sinne hellwach und seine Nerven zum Zerreißen gespannt waren. Nicht das kleinste Geräusch durfte ihm entschlüpfen, nicht der feinste Geruch oder der leiseste Hauch seiner Verfolger. Das Fenster knarrte, blieb stecken, knarrte wieder - und war endlich weit genug nach oben geschoben.
Auf dem Bauch rutschte er durch den Spalt, ruderte mit den Beinen wie ein ungeübter Schwimmer und stützte sich mit den flachen Händen ab, als er auf die Steinfliesen plumpste.
Es roch so feucht und muffig, als ob die Ausdünstungen der Küche zu lange durch den Raum gewabert wären und die Abfälle zu lange herumgestanden hätten. Die Asche im Herd war längst kalt geworden, die Steinfliesen unter seinen Füßen klebten, und eine Ratte flitzte an der Holzvertäfelung entlang.


Harry Bonham fuhr mit den Händen über die Fesseln des Pferdes. Er hatte ihm gut zugeredet, damit es sich erhob. Der Schaum tropfte dem verschreckten Tier aus dem Maul, es schnaubte ängstlich und verzweifelt durch die Nüstern, senkte den Kopf und rollte mit den Augen. »Wie geht es den anderen, Lester?«
»Sie werden es schaffen, Sir«, verkündete sein Begleiter, spie angewidert auf das Kopfsteinpflaster und fügte hinzu: »Manchmal geschehen Wunder.«
»Ja«, bekräftigte der Mann, straffte sich und betrachtete den erschrockenen Kutscher. »Was ist mit Ihnen? Sind Sie verletzt?«
Betroffen ließ der Kutscher den Blick über die umgestürzte Kutsche und die panischen Pferde schweifen. »Nein ... nein, Sir. Danke. Dem Himmel sei Dank, dass Sie aufgetaucht sind, Sir. Es war nicht meine Schuld, Sir. Die besoffenen Kerle haben mir eine Pistole an den Schädel gedrückt und die Zügel aus der Hand gerissen. Konnte nichts tun, Sir, außer ihnen ihren Willen lassen. Zum Glück sind Sie aufgetaucht, Sir«, wiederholte er entschuldigend und immer noch vollkommen verwirrt.
Harry Bonham zog die Augenbrauen hoch. Ausgerechnet jetzt ... soweit es ihn betraf, konnte es keinen unglücklicheren Zufall geben als diese Begegnung. Er schaute sich um. Die drei jungen Männer, die die Zügel an sich gerissen hatten, waren aufs Pflaster gestürzt und erhoben sich mit unsicheren Bewegungen. Als sie schließlich wieder auf ihren zwei Beinen standen, schwankten sie wie junge Bäumchen im Sturmwind. An ihren extravagant gebundenen Krawatten und den grellbunten Gehröcken konnte man erkennen, dass es sich um Kandidaten des Four Horse Clubs handelte; junge Adelssprösslinge, die einen heftigen Kampf um ihren Platz in der gehobenen Gesellschaft ausfochten.
Harry schürzte die Lippen. Dümmliche Gören aus privilegiertem Hause, volltrunkene Schotten, die kaum in der Lage waren, einen Eimer zu tragen - geschweige denn, einen Vierspänner zu kutschieren. Und sie hatten nicht die geringste Ahnung, welche Arbeit sie in dieser Nacht mit ihren schottischen Dummheiten gestört hatten. Wut keimte in ihm auf, obwohl er gewöhnlich ruhig Blut bewahrte.
Er beugte sich hinunter und hob die lange Peitsche auf, die dem Kutscher im Durcheinander auf die Straße gefallen war. Er ließ sie durch die Luft schnellen, schnappte mit der behandschuhten Hand nach der Spitze und kam auf die drei jungen Männer zu.
Lester nickte zufrieden. »Helfen Sie mir mit den Pferden«, befahl er dem Kutscher.
Der Mann gehorchte eilig, obwohl er den Blick über die Schulter nach hinten gerichtet hatte und das Geschehen dort beobachtete.
Die drei jungen Männer starrten den Mann an, der sich auf sie zu bewegte.