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Der Albtraum überfiel sie brutal in der Tiefe des traumlosen Schlafes. In der einen Sekunde noch schlummerte Nell friedlich, in der nächsten hielt sie der Albtraum in seinen grässlichen Klauen. Sie trat gegen die Bettdecke, kämpfte darum, den hässlichen Bildern zu entkommen, die ihr durch den Kopf schossen, aber es war vergebens - wie sie es schon aus anderen furchtbaren Nächten kannte.
Wieder war sie hilfloser Zuschauer der scheußlichen Taten, die nun folgten. Der Schauplatz war der gleiche: ein düsterer Ort, vermutlich ein halb vergessener Kerker unter den Mauern eines alten Herrensitzes. Die Wände und der Boden bestanden aus massiven, handbehauenen und verrußten grauen Steinen ... das flackernde Licht der Kerzen fiel auf Folterwerkzeuge einer früheren, gewaltsameren Zeit der englischen Geschichte - Geräte, die er benutzte, wenn es ihm genehm war.
Das Opfer heute Nacht - wie schon bei früheren Gelegenheiten - war eine Frau - jung, hübsch und verängstigt. Ihre blauen Augen waren weit aufgerissen und verrieten namenlose Furcht - eine Furcht, die ihrem Peiniger zu gefallen schien. Das Kerzenlicht beleuchtete stets nur die Gesichter der Frauen, der Mann blieb im Schatten, seine Züge und seine Gestalt waren nie klar zu erkennen. Aber alles, was er dem zuckenden Fleisch der jungen Frau immer wieder antat, war für Nell entsetzlich deutlich zu sehen. Und am Ende,
wenn er den Schreckensakt vollbracht hatte, den Leichnam genommen und in das alte Abflussloch im Kerker geworfen hatte, verblasste das Licht allmählich, und Nell war endlich in der Lage, sich aus dem Albtraum zu befreien.
Heute Nacht war es nicht anders. Von den abstoßenden Bildern endlich erlöst, fuhr Nell auf, einen erstickten Schrei in der Kehle, ihre grünen Augen groß und glänzend von unvergossenen Tränen und der Erinnerung an das Entsetzen. Sie schluckte den Schrei hinunter und schaute sich um; Erleichterung erfasste sie, als sie merkte, dass es wirklich nur ein Albtraum gewesen war. Dass sie sich sicher und geborgen im Stadthaus ihres Vaters befand; die Umrisse der Möbel im Zimmer waren im schwachen Schein des glimmenden Feuers im Kamin und dem ersten Tageslicht, das sich durch die schweren Samtvorhänge stahl, vage zu erkennen. Hinter den Fenstern erklang die vertraute Geräuschkulisse Londons: das Hufgeklapper von Pferden auf dem Kopfsteinpflaster und das Rattern der Räder von Wagen, Karren und Kutschen, vor die die Tiere gespannt waren. In der Ferne konnte sie die Rufe der Straßenverkäufer ausmachen, die schon begonnen hatten, ihre verschiedenen Waren anzupreisen - Besen, Milch, Gemüse und Blumen.
Ein Schauer durchlief sie. Oh Gott, dachte sie und vergrub ihr Gesicht in den zitternden Händen, werden die Albträume denn niemals aufhören? Dass sie nur selten auftraten, war das Einzige, was sie davon abhielt, den Verstand zu verlieren - niemand, davon war sie überzeugt, konnte geistig gesund bleiben, solange er gezwungen war, Nacht für Nacht Zeuge solcher Gewalt zu werden.
Sie holte tief Luft und strich sich eine Strähne ihres schweren dunkelblonden Haares zurück, die ihr auf die Brust gefallen war. Sie beugte sich vor und tastete nach dem Krug
Wasser, den ihre Zofe auf den kleinen Marmortisch neben ihrem Bett gestellt hatte. Ihre Finger stießen dagegen und dann gegen das kleine Glas daneben; sie goss sich ein und trank gierig.
Allmählich fühlte sie sich besser; sie setzte sich auf ihre Bettkante und starrte in das Dämmerlicht, versuchte ihre Gedanken zu ordnen, aus dem Wissen Trost zu schöpfen, dass sie in Sicherheit war . anders als das arme Geschöpf in ihrem Albtraum. Mit einiger Mühe riss sie ihre Gedanken aus dieser Richtung zurück. Schließlich, so mahnte sie sich, war es nur ein Albtraum. Ein schrecklicher Albtraum, aber eben nicht Wirklichkeit.
Nell, oder genauer, Eleanor Anslowe, hatte in ihrer Kindheit nie unter Albträumen gelitten. Keine bösen Träume hatten ihren Schlaf gestört bis zu dem tragischen Unfall, der sie fast das Leben gekostet hatte, als sie beinahe neunzehn war.
Es war seltsam, überlegte sie, wie herrlich ihr Leben vor der Tragödie gewesen war, und wie sehr sich das in den Monaten geändert hatte, nachdem sie dem Tode so nahe gekommen war. Im Frühling jenes grässlichen Jahres hatte sie ihre triumphale Londoner Saison erlebt, gekrönt von der Verlobung mit dem Erben eines Herzogs.
Nells Lippen verzogen sich. Nachdem sie im letzten September ihren neunundzwanzigsten Geburtstag gefeiert hatte und jetzt aus diesem Abstand auf die Zeit vor zehn Jahren zurückblickte, schien es ihr unvorstellbar, dass sie jemals das junge sorglose Mädchen gewesen war, das sich mit dem großen Los der Saison verlobt hatte, dem ältesten Sohn des Herzogs von Bethune. Als Aubrey Fowlkes, Marquis Giffard, der Erbe des Herzogtums seines Vaters, im Frühjahr 1794 seine Absicht erklärt hatte, die Tochter eines bloßen Baronets zu ehelichen, der zugegebenermaßen sehr reich war, hatte es viel Gerede gegeben. Und es hatte noch mehr gegeben, dachte sie mit einem verächtlichen Schnauben, als die Verbindung noch im selben Jahr aufgelöst worden war. In demselben Jahr, in dem sie den furchtbaren Reitunfall gehabt hatte und von ihrem Pferd gestürzt war, was sie beinahe das Leben gekostet hatte und in dessen Folge ihr Bein nie ganz verheilt war - bis zum heutigen Tag hatte sie ein leichtes Hinken zurückbehalten, das sich meistens zeigte, wenn sie müde war.
Sie stand auf und ging zu einem hohen Fenster, das auf den Garten an der Seite des Hauses hinausging. Sie schob die rosafarbenen Vorhänge zur Seite und stieß die hohen Doppeltüren auf, die auf einen kleinen Balkon führten. Sie trat darauf und blickte auf die steinerne Terrasse unten und die gepflegten Beete mit den sorgfältig gestutzten Büschen, die sie säumten. Das grau-lila Licht des Morgengrauens verblasste, und die ersten rosa und goldenen Strahlen der Sonne berührten die Spitzen der Rosensträucher. Es würde ein wunderschöner Oktobertag werden - ein ebenso klarer, kühler, aber sonniger Oktobertag wie der, an dem sie zu dem verhängnisvollen Ausritt aufgebrochen war, der ihr Leben so nachhaltig verändert hatte.
An jenem Morgen vor zehn Jahren war sie auf Meadowlea, dem Landsitz ihrer Familie in der Nähe der Küste von Dorset, früh aufgestanden und war zu den Ställen geeilt. Sie hatte die Warnung ihres besorgten Vaters, nicht allein an der Küste entlang zu reiten, in den Wind geschlagen und hatte, ohne lange nachzudenken, auf die Dienste eines Reitburschen verzichtet. Nachdem ihr Lieblingspferd Firefly gesattelt war -eine kecke kastanienbraune Stute -, war sie aufgesessen und davongaloppiert, weg von dem Haus und den gepflegten Ländereien. Sowohl sie als auch die Stute hatten den strahlenden Sonnenschein genießen wollen; und während sie übers Land rasten, hatte die kühle Morgenluft Rosen auf Nells Wangen und ein fröhliches Strahlen in ihre Augen gezaubert.
Es war nie herausgefunden worden, was den Unfall verursacht hatte, und nachdem sie wieder zu Bewusstsein gekommen war, konnte Nell sich nicht daran erinnern. Alle Zeichen wiesen darauf hin, dass ihr Pferd gestolpert war oder sich aufgebäumt hatte, worauf sie beide über den zackigen Rand einer Klippe gestürzt waren. Das Einzige, was Nell an jenem Tag vor dem sicheren Tod bewahrt hatte, war ein schmaler Felsvorsprung gewesen, auf dem sie gelandet war, etwa dreißig Fuß weiter unten auf der sonst steil zum Meer hin abfallenden Küste. Firefly war auf den Felsen unten im Wasser gestorben.
Nell war stundenlang nicht vermisst worden, und zu dem Zeitpunkt, als sie schließlich entdeckt wurde, hatte die Dämmerung schon eingesetzt. In dem flackernden Licht einer Laterne hatte einer der nach ihr suchenden Männer den aufgeworfenen Boden am Rand der Klippe bemerkt und darübergeschaut. Sein Ruf hatte die anderen alarmiert. Es hatte weitere Stunden gedauert, sie von dem schmalen Felsvorsprung über dem Meer nach oben zu holen - es war ein Glück, dass sie dabei bewusstlos geblieben war. Noch nicht einmal als sie schließlich nach Hause gebracht und die gebrochenen Knochen in ihrem Bein und ihrem Arm geschient worden waren, rührte sie sich. In jenen ersten Tagen, als sie wie tot dalag, hatte man befürchten müssen, dass sie sich nie erholen würde.
Natürlich hatte man Lord Giffard sogleich verständigt. Und, dachte sie ungnädig, man musste ihm zugute halten, dass er unverzüglich an ihr Krankenbett geeilt und auf Meadowlea geblieben war, die ganzen endlosen zwei Wochen lang, während alle darauf warteten, dass sie aufwachte, und sich zugleich fragten, ob sie das wohl je würde.
Mehrere Tage lang, nachdem sie endlich zu sich gekommen war, war sie verwirrt gewesen, und es kamen Gerüchte auf, dass ihr Verstand Schaden genommen hätte. Angesichts so trostloser Aussichten war niemand überrascht, als Nells Vater Sir Edward Lord Giffard und den Herzog davon unterrichtete, dass er es verstehen würde, wenn sie die Verlobung lösen wollten. Giffard hatte sofort zugegriffen - schließlich würde seine Gattin eines Tages Herzogin werden, und das verletzte, wirr redende Geschöpf, das im oberen Stockwerk in Meadowlea im Bett lag, war nicht die Frau, die er sich vorgestellt hatte oder die, um die er angehalten hatte. In jenem November wurde die Verlobung diskret aufgelöst, fünf kurze Monate, nachdem sie geschlossen worden war.
Nells Genesung hatte lange Zeit gedauert, aber im folgenden Frühling war ihre Verwirrung überwunden, ihr Arm war ohne Komplikationen verheilt, und sie war in der Lage, gestützt auf einen Gehstock mit Elfenbeingriff in Meadowlea herumzuhumpeln. Nach einiger Zeit waren ihr als einzige Nachwirkungen des beinahe tödlichen Unfalls ihr Hinken -und die Albträume geblieben.
An vieles von dem, was während ihrer Genesung geschehen war, konnte sie sich nicht erinnern. Die einzige klare Erinnerung aus jenen Tagen war der Albtraum, der sie in ihrem besinnungslosen Zustand verfolgt hatte. Der erste, den sie immer wieder durchlebte, unterschied sich von den anderen, die nun ihren Schlaf störten. Das Opfer war ein Mann gewesen, ein Gentleman, und der Tatort ein Wäldchen. Aber das Ende war das gleiche gewesen: ein hässlicher Tod aus den Händen einer Schattengestalt. Erst später waren Frauen die Opfer geworden und der Kerker der bevorzugte Schauplatz von Brutalität und Mord.
Während ihre Gesundung fortschritt, hatte Nell gehofft, dass der Albtraum verblassen würde, dass er nur ein letztes Überbleibsel des Sturzes war. Es hatte sie überglücklich gemacht, als im folgenden Sommer die Träume endlich aufhörten. Im Herbst und am Anfang des Winters genoss sie monatelang Nacht für Nacht ungestörten Schlaf. Sie war sich sicher, dass sie die Tragödie und ihre Nachwirkungen schließlich doch hinter sich gelassen hatte. Bis die Albträume in ihrer gegenwärtigen Form zurückkehrten, um sie in ihrem Schlaf zu verfolgen.
Seufzend wandte sie sich von dem Blick in den Garten ab und ging zum Kamin, um in der schwelenden Glut zu stochern. Wie ihr gelegentliches Hinken schienen die Albträume zu einem Teil von ihr geworden zu sein. Nicht, dachte sie dankbar, dass sie sie so oft plagten wie das Hinken. Manchmal verging ein ganzes Jahr, ehe sie wieder einen Albtraum hatte, und nach jedem betete sie, dass es der letzte gewesen sein möge. Aber natürlich war es das nie. Sie kamen immer wieder, und das Einzige, was sich darin änderte, waren die Gesichter der Frauen und die Brutalität des Mordes. Heute Nacht, fiel ihr mit einem Schauder auf, war es das dritte Mal in diesem Jahr, dass sie den Schrecken durchlebt hatte.
Das dritte Mal in diesem Jahr. Ihr stockte der Atem. Die Erkenntnis, der sie die ganze Zeit ausgewichen war, seit sie aufgewacht war, traf sie wie ein Schlag: Die Albträume nahmen zu, die Gesichter der Frauen änderten sich in entsetzlicher Regelmäßigkeit. Und schlimmer noch, in dem Traum diese Nacht hatte sie das Gefühl gehabt, als sei ihr das Gesicht der jungen Frau vertraut, als kennte sie sie.
Nell kehrte dem Feuer den Rücken, nahm ihren Morgenrock von einem Stuhl in der Nähe und schlüpfte hinein. Sie wurde wirklich langsam verrückt, entschied sie, wenn sie dachte, dass sie das Opfer heute Nacht wiedererkannt hatte. Das war vollkommener Unsinn. Hässlich und widerwärtig, sicher, aber es war nicht wirklich geschehen. Und wenn sie närrisch genug war, sich einzubilden, die Frau zu kennen, dann war das einfach ein Zufall. Es war schließlich, so sagte sie sich fest, nur ein verfluchter Albtraum!
Sie marschierte in ihr Ankleidezimmer, das an das Schlafzimmer grenzte, und goss sich Wasser aus einem Porzellankrug mit Veilchenmuster in die passende Schüssel. Sie wusch sich das Gesicht und putzte sich die Zähne, zwang sich, nicht länger so beunruhigenden Gedanken nachzuhängen. Heute würde es viel zu tun geben; der Haushalt bereitete sich darauf vor, in der kommenden Woche für den Winter nach Meadowlea zurückzukehren, und es gab viel zu tun.
Als Nell im Morgenzimmer eintraf, war sie nicht überrascht, trotz der frühen Stunde ihren Vater dort schon vorzufinden.
Sie küsste die kahle Stelle auf seinem Kopf, als sie an seinem Platz vorbeikam, ging weiter zum Mahagoni-Sideboard an der Wand. Sie wählte eine Scheibe Toast und ein paar Räucherheringe aus den Schüsseln mit den verschiedenen Speisen, die dort standen; nachdem sie sich eine Tasse Kaffee eingegossen hatte, setzte sie sich zu ihrem Vater an den Tisch.
Mit neunundsechzig war Sir Edward noch ein gut aussehender Mann, obwohl er eine Glatze hatte. Seine Tochter hatte seine Augen geerbt und seine hoch gewachsene, schlanke Gestalt, aber ihr dunkelblondes Haar und die elfenhaften Züge stammten von ihrer Mutter Anne - zusammen mit dem neckenden Lächeln, das oft in den meergrünen Augen mit den goldenen Wimpern lauerte.
Heute Morgen stand in den Augen jedoch kein Lachen, und Sir Edward, der die lila Schatten darunter bemerkte, musterte seine Tochter eindringlich und erkundigte sich: »Wieder ein Albtraum, Liebes?«
Nell verzog das Gesicht und nickte. »Aber nichts, weswegen du dir Sorgen machen müsstest. Ich hatte schon eine ganze Weile ungestört schlafen können, ehe er kam.«
Sir Edward runzelte die Stirn. »Soll ich nach einem Arzt schicken lassen?«
»Auf keinen Fall! Er wird gescheit gucken und mich nur wieder mit irgendeinem scheußlichen Gebräu betäuben, um dir dann ein unverschämt hohes Honorar in Rechnung zu stellen.« Sie lächelte breit. »Papa, ich hatte schließlich bloß einen Albtraum, nichts, weswegen man sich Sorgen machen müsste.«
Da er in der Vergangenheit manches Mal von ihren Schreien aus dem Schlaf gerissen worden war, als die Träume unerträglich waren, hegte Sir Edward seine Zweifel, bedrängte sie aber nicht weiter. Nell konnte stur sein. Er lächelte. Ein weiterer Zug, den sie von ihrer Mutter geerbt hatte.
Einen Augenblick wurde seine Miene traurig. Seine Frau war vor vierzehn Jahren gestorben, und auch wenn er gelernt hatte, ohne sie und ihre sanftmütige Art zu leben, so fehlte sie ihm doch sehr - besonders, wenn er sich wegen Nell sorgte. Anne hätte gewusst, was zu tun wäre. Ein Mädchen brauchte ab und zu den Rat ihrer Mutter.
Das Öffnen der Tür unterbrach seine Gedanken. Als er seinen Sohn erblickte, lächelte er und sagte: »Du bist früh aufgestanden, mein Junge. Hast du heute etwas Wichtiges vor?«
Robert schnitt eine Grimasse und bediente sich am Sideboard mit einer dicken Scheibe Schinken und einer großen
Portion Rühreier, dabei antwortete er über seine Schulter: »Ich habe Andrew versprochen, dass ich heute mit ihm komme, um irgendein vermaledeites Pferd anzusehen, von dem er überzeugt ist, dass es Lord Epsons Grauen schlagen kann. Das Tier ist irgendwo auf dem Land, und er hat keine Ruhe gegeben, bis ich versprochen habe, mit ihm heute Morgen um acht Uhr in London aufzubrechen. Ich muss verrückt gewesen sein.«
Mit seinen zweiunddreißig Jahren war Robert der Erbe und der Älteste von Sir Edwards drei Söhnen. Er ähnelte seinem Vater ziemlich - er war groß und langgliedrig, hatte dieselbe Augenfarbe und dasselbe kantige, unnachgiebige Kinn. Sein dunkelblondes Haar - dafür dankte er der Vorsehung regelmäßig - hatte er von seiner Mutter geerbt, und es war immer noch dick und dicht und da.
Normalerweise hätte Robert nicht im Stadthaus der Familie gewohnt. Seine eigenen Räumlichkeiten befanden sich in der Jermyn Street, doch er hatte die Wohnung geschlossen, als er im Juli wie jedes Jahr nach Meadowlea übergesiedelt war, und jetzt hatte ihn allein die Notwendigkeit wieder in die Stadt gebracht, seinen neuen hochrädrigen Phaeton bei dem Londoner Wagenbauer abzuholen. Zwar hatte ihm sein Bruder Andrew angeboten, das neue Gefährt für ihn nach Meadowlea zu fahren, aber davon hatte Robert nichts hören wollen. Seinem Vater hatte er gesagt, als er am vergangenen Donnerstag hier eintraf: »Denk nicht, dass ich sein Angebot nicht zu schätzen wüsste, aber ich würde ihn eher von einem blinden Mann nach Hause fahren lassen, als von diesem Wirrkopf von einem Bruder. Drew hätte ihn umgeworfen, ehe er mehr als zehn Meilen zurückgelegt hätte.« Sir Edward hatte ihm im Stillen Recht geben müssen. Drew war für seine Unbesonnenheit bekannt.
Mit einem Blick zu seiner Schwester fragte Robert, ehe er sich seinem Frühstück widmete: »Nell, hat er dir von dem Pferd erzählt, das er so unbedingt kaufen möchte?«