Kurzbeschreibung:
Er kam aus der Steppe - und erschütterte die Welt!
Nach dem Tod seines Vaters wird der junge Temujin mit seiner Familie verbannt, wie es die strengen Gesetze seines Volkes verlangen. Doch entgegen aller Erwartungen gelingt es ihnen, ohne den Schutz der Sippe in der mongolischen Steppe zu überleben. Mehr noch: Temujin schart weitere Geächtete um sich und gründet einen neuen Stamm. Bald wird er zurückkehren und unter seinem neuen Namen die Welt erschüttern - Dschingis Khan!
. Der großartige Auftakt zu einer farbenprächtigen Saga um Dschingis Khan!
. Ein atemberaubendes historisches Lesevergnügen - fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite!
Leseprobe:
Im blendenden Schneegestöber umzingelten die mongolischen Bogenschützen die räuberischen Tataren. Die Pferde lenkten sie mit den Knien, standen in den Steigbügeln und schössen Pfeil um Pfeil ab, wobei die Treffsicherheit allmählich nachließ. Grimmiges Schweigen herrschte, nur der Hufschlag der galoppierenden Pferde mischte sich unter die Schreie der Verwundeten und das Heulen des Windes. Die Tataren konnten dem sirrenden Tod nicht entkommen, der vom Gegner ausging und auf dunklen Flügeln heranschwirrte. Ihre Pferde gingen ächzend in die Knie, helles Blut spritzte aus den Nüstern.
Von einem großen Felsen aus beobachtete Yesügai das Gefecht, tief in sein Fell gehüllt. Der Wind brauste wie ein Teufel über die Ebene, zerrte an seiner Haut, wo sich die Schutzschicht aus Hammelfett aufgelöst hatte. Yesügai ließ sich sein Unbehagen jedoch nicht anmerken. Er ertrug es bereits seit so vielen Jahren, dass es eigentlich gar nicht mehr zu spüren war. Es gehörte ebenso zu seinem Leben wie die Krieger, die auf seinen Befehl losritten - und wie der Feind, den man töten musste.
Den Tataren fehlte es nicht an Mut, das musste er ihnen bei aller Verachtung zugestehen. Yesügai sah, wie sie sich um einen jungen Krieger scharten, dessen Rufe durch den Wind bis zu ihm herübergetragen wurden. Der Tatar trug einen Ringelpanzer, um den ihn Yesügai beneidete, da es ihn so sehr danach verlangte. Mit einem knappen Befehl verbot der Anführer seinen Männern, die Formation aufzulösen, und Yesügai stellte fest, dass der Augenblick gekommen war loszureiten. Sein Arban, seine neun Begleiter, fühlten es, die besten des Stammes, Schwurbrüder und Gefolgsleute. Sie hatten sich die wertvolle Rüstung, die sie trugen, verdient: gekochtes Leder, in das ein springender junger Wolf geprägt war.
"Seid ihr bereit, meine Brüder?", fragte er und spürte, wie sie sich ihm zuwandten.
Eine der Stuten wieherte aufgeregt, und sein erster Krieger lachte.
"Wir töten sie für dich, Kleine", sagte Eeluk und rieb dem Pferd die Ohren.
Yesügai stieß mit den Hacken zu, und mühelos trabten sie auf das Geschrei und Kampfgetümmel dort im Schnee zu. Aus der Höhe über dem Gefecht konnten sie sehen, wie stark der Wind war. Yesügai murmelte ehrfürchtig vor sich hin, während er beobachtete, wie die Arme von Vater Himmel die zerbrechlichen Krieger wie weiße Schärpen, schwer von Eis, umkreisten.
Im Galopp ging es weiter, ohne die Formation zu verändern und auch ohne nachzudenken, denn jeder Mann hielt den Abstand zum anderen ein, wie seit Jahrzehnten schon. Sie dachten nur daran, auf welche Weise sie den Feind am besten aus dem Sattel hauen konnten, um ihn kalt auf der Ebene liegen zu lassen.
Yesügais Arban preschte in die Mitte der feindlichen Kämpfer hinein und hielt auf den Anführer der Gegner zu, der sich in den letzten Augenblicken zuvor erhoben hatte. Wenn es ihm gestattet wäre, weiterzuleben, wollte er zu einer Fackel werden, der sein ganzer Stamm folgen konnte. Yesügai lächelte, während sein Pferd den ersten Feind niedertrampelte. Heute nicht.
Die Wucht des Aufpralls brach einem tatarischen Krieger das Genick, als sich der Mann umwandte, um sich der neuen Bedrohung zu stellen. Mit einer Hand hielt Yesügai sein Pferd an der Mähne, mit der anderen führte er das Schwert und hinterließ rechts und links Tote. Zweimal verzichtete er auf einen Hieb, weil er dabei die Klinge seines Vaters leicht hätte verlieren können, stattdessen ließ er sein Pferd die Männer niedertrampeln, und einen erschlug er mit dem Griff wie mit einem Hammer. Dann war er vorbei und hatte das Zentrum des tatarischen Widerstands erreicht. Yesügais neun Gefolgsleute umringten ihn und beschützten ihren Khan, wie sie es geschworen hatten. Er brauchte sich nicht umzusehen, er wusste, sie waren da und deckten ihm den Rücken. Ihre Gegenwart fand er auch in den Augen des tatarischen Anführers bestätigt, als dieser an ihm vorbeiblickte. In ihren runden, grinsenden Gesichtern musste der Tatar seinen eigenen Tod erblicken. Vielleicht hatte er nun auch all die Toten um ihn herum bemerkt, aus deren Leibern Pfeile ragten. Sein Überfall war vereitelt worden.
Yesügai war zufrieden, als sich der Tatar in den Steigbügeln aufstellte und die lange, rote Klinge auf ihn richtete. In seinem Blick lag keine Angst, nur Wut und Enttäuschung darüber, dass der Tag ein solches Ende nahm. Die starren Leichen würde die Botschaft nicht mehr erreichen, doch die tatarischen Stämme, das wusste Yesügai, würden sie ohne Frage verstehen. Im Frühjahr würden sie die Knochen finden und es nicht wagen, seine Herden abermals zu überfallen.
Yesügai lachte, woraufhin der Tatar die Stirn runzelte, während sie einander anstarrten. Nein, sie würden die Botschaft nicht begreifen. Tataren konnten verhungern, nur weil sie zu lange überlegten, welche Brust der Mutter sie wählen sollten. Sie würden wiederkommen, und Yesügai würde wieder gegen sie reiten und noch mehr Krieger dieses ehrlosen Blutes töten. Diese Aussicht gefiel ihm.
Der Tatar, der ihn herausforderte, war jung. Yesügai dachte an den Sohn, der gerade hinter den Hügeln im Osten das Licht der Welt erblickte, und er fragte sich, ob auch sein Sohn eines Tages einem grauhaarigen Krieger über die Länge eines Schwertes ins Gesicht sehen würde.
"Sag mir deinen Namen", verlangte Yesügai.
Der Kampf um sie herum war zum Ende gekommen, Yesügais Mongolen gingen bereits von einem Toten zum anderen und nahmen ihnen alles Nützliche ab. Der Wind brauste wie zuvor, doch die Frage wurde gehört, und Yesügai bemerkte erneut die gerunzelte Stirn seines jungen Gegners.
"Sag du mir doch deinen, Yak-Schwanz."
Yesügai lachte, aber langsam schmerzte seine Haut dort, wo sie ungeschützt war, und er war müde. Fast zwei Tage lang hatten sie die Räuber quer durch sein Land verfolgt, hatten nicht geschlafen und nur eine Handvoll feuchten Quark an jedem Tag gegessen. Sein Schwert war bereit, ein weiteres Leben auszulöschen, und so hob er die Klinge in die Höhe.
"Ist auch nicht so wichtig, Junge. Komm her."
Der tatarische Krieger musste etwas in den Augen seines Gegners gesehen haben, das gefährlicher war als ein Pfeil. Er fügte sich ins Unvermeidliche und nickte.
"Ich heiße Temudschin-Uge", sagte er. "Mein Tod wird gerächt. Ich bin der Spross eines großen Hauses."
Autorenportrait:
Conn Iggulden unterrichtete Englisch an der Universität von London und arbeitete sieben Jahre als Lehrer, bevor er schließlich mit dem Schreiben historischer Abenteuerromane begann. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen im englischen Hertfordsh