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Hauch der Verführung

von Ute-Christine Geiler, Stephanie Laurens (Buch)

  • ISBN:3-442-36807-3
  • EAN:9783442368075
  • Veröffentlichungsdatum:September 2008
  • Gewicht in g:480
  • Reihe:Blanvalet Taschenbücher
  • Seiten:576
  • Stilrichtung:Roman

Kurzbeschreibung:

Ein Roman voller prickelnder Sinnlichkeit, romantischer Liebe, und spannender Geheimnisse!


Eigentlich ist Gerrard Debbington Landschaftsmaler und eingefleischter Junggeselle, denn er glaubt, die Liebe zerstöre sein Talent. Bis er zähneknirschend zustimmen muss, die junge Jacqueline Tregonning zu porträtieren. Gerrard ist hingerissen. Doch schreckliche Gerüchte kursieren um Hellebore Hall. Jacqueline steht unter einem furchtbaren Verdacht - jetzt setzt Gerrard alles daran, seine zauberhafte Lady zu schützen ...



Leseprobe:

London, Anfang Juni 1831


»Mr. Cunningham, wie ich bereits unmissverständlich klargemacht habe, hege ich kein wie auch immer geartetes Interesse, ein Porträt von Lord Tregonnings Tochter anzufertigen.« Gerrard Reginald Debbington lehnte elegantlässig in einem Polstersessel im Rauchsalon des exklusiven Herrenklubs, dessen Mitglied er war. Seine wachsende Erbitterung zügelnd erwiderte er den Blick von Lord Tregonnings Mittelsmann. »Ich habe diesem Treffen hier zugestimmt in der Hoffnung auf Lord Tregonnings Einwilligung, mir Zugang zu den Gärten von Hellebore Hall zu gewähren, obwohl er von meiner Ablehnung seines Wunsches nach einem Porträt erfahren hat.«
Er war schließlich der bekannteste Landschaftsmaler seiner Zeit; Lord Tregonnings berühmte Gärten waren längst überfällig für einen Besuch eines Künstlers von seinem Rang und Namen.
Cunningham erbleichte. Er räusperte sich, blickte auf die Papiere, die auf einem kleinen Tischchen zwischen ihnen lagen.
Um sie herum füllte diskretes Stimmengemurmel die Luft, das nun jäh verstummte; Gerrard nahm aus dem Augenwinkel wahr, dass sich der eine oder andere Kopf zu ihnen umdrehte. Andere Klubmitglieder erkannten ihn, doch als sie Cunningham bemerkten und dass es um etwas Geschäftliches ging, verzichteten sie darauf, sich einzumischen.
Cunningham war Mitte zwanzig und somit ein paar Jahre jünger als der neunundzwanzigjährige Gerrard. Sein nüchtern schwarzer Rock über praktischem Leinen und einer bisquitfarbenen Weste sowie die konzentrierte Aufmerksamkeit, die er seinen Papieren schenkte, wiesen ihn eindeutig als geschäftlichen Vertreter von jemandem aus.
Als Cunningham schließlich zu einer Antwort ansetzte, hatte Gerrard im Kopf eine Skizze fertig mit dem Titel: »Unterhändler bei der Arbeit«.
»Lord Tregonning hat mich angewiesen, Ihnen auszurichten, dass er Ihre Vorbehalte verstehen kann, ja, dass es Sie ehrt, keinen Auftrag für ein Porträt einer Person annehmen zu wollen, die Sie noch nicht gesehen haben; doch gerade diese Vorbehalte bestärken ihn nur in seiner Überzeugung, dass Sie genau der Künstler sind, den er für diese Aufgabe benötigt. Seine Lordschaft hat begriffen, dass Sie seine Tochter so malen werden, wie Sie sie sehen, ohne irgendwelche Ausschmückungen oder Verschönerungen. Und genau das wünscht er - er möchte, dass das Porträt eine wahrheitsgetreue Wiedergabe ist, eine Darstellung von Miss Tregonning, wie sie leibt und lebt.«
Gerrard presste seine Lippen zu einer schmalen Linie zusammen.
Ohne aufzusehen, fuhr Cunningham fort: »Zusätzlich zu dem angebotenen Honorar können Sie sich innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahr so viel Zeit lassen, wie Sie es für notwendig erachten, um das Gemälde fertigzustellen. Während dieser Zeit haben Sie dann auch uneingeschränkten Zugang zu den Gärten von Hellebore Hall und die Erlaubnis, sie nach Belieben zu zeichnen. Sollten Sie es wünschen, können Sie auch einen Freund oder Begleiter mitbringen;
Sie beide werden für die Dauer Ihres Auftrags auf Hellebore Hall untergebracht.«
Gerrard zügelte seine Ungeduld. Er musste das Angebot nicht noch einmal hören, egal, wie reizvoll verpackt es war; er hatte es vor zwei Wochen ausgeschlagen, als Cunningham ihn zum ersten Mal angesprochen hatte.
Er fing Cunninghams Blick auf. »Ihr Arbeitgeber ist Opfer eines Missverständnisses geworden. Ich male meine Bilder nicht im Auftrag, das habe ich in der Tat noch nie getan. Malen ist eine liebe und interessante Beschäftigung für mich, mein Steckenpferd sozusagen, dem nachzugehen ich reich genug bin. Porträtmalerei hingegen übt bestenfalls eine flüchtige Faszination auf mich aus. Ich mag darin erfolgreich sein, aber sie fesselt mich nicht, sie lässt meine Künstlerseele kalt, wenn Sie so wollen.«
Das stimmte zwar nicht ganz, aber unter den gegenwärtigen Umständen würde es gewiss durchgehen. »Ich wäre entzückt über die Gelegenheit, die Gärten von Hellebore Hall zu malen; doch ist dieser Wunsch nicht stark genug, um mich zu der Einwilligung zu bewegen, ein Porträt anzufertigen, das zu malen ich keine Lust und keine Veranlassung habe.«
Cunningham erwiderte seinen Blick. Er holte verkrampft Luft, schaute kurz auf seine Papiere, dann hob er den Kopf und betrachtete einen Punkt irgendwo oberhalb von Gerrards linker Schulter. »Seine Lordschaft hat mich beauftragt, Sie in diesem Fall darüber zu informieren, dass dieses sein letztes Angebot sein wird ... und dass er sich, sollten Sie ablehnen, gezwungen sieht, einen anderen Maler zu beauftragen. Und diesem anderen Maler wird dasselbe Angebot unterbreitet wie Ihnen, die Erlaubnis, die Gärten zu malen, eingeschlossen. Weiterhin wird Lord Tregonning dafür Sorge tragen, dass zu seinen Lebzeiten und denen seiner direkten Erben kein anderer Künstler Zugang zu den Gärten von Hellebore Hall erhalten wird.«
Gerrard verkniff sich jede äußerlich sichtbare Reaktion und blieb sitzen, was seiner ganzen, wahrhaftig beträchtlichen Selbstbeherrschung bedurfte. Was, zum Teufel, führte Tregonning im Schilde, dass er sich sogar auf Erpressung verlegte?
Er schaute weg, starrte blicklos ins Leere.
An einer Sache bestand kein Zweifel: Lord Tregonning war wild entschlossen, seine Tochter von Gerrard porträtieren zu lassen.
Er stützte sich mit einem Ellbogen auf die Stuhllehne, biss die Zähne zusammen und legte das Kinn in die Hand, richtete den Blick auf die gegenüberliegende Wand und suchte nach einem möglichen Weg aus der geschickt gestellten Falle. Ihm fiel nichts ein; seine heftige Abneigung, dass irgendein stümperhafter Porträtmaler der einzige Künstler sein sollte, dem es gestattet war, die fabelhaften Gärten und Landschaften rund um Hellebore Hall zu malen, beeinträchtigte seine Fähigkeit, klar zu denken.
Er schaute Cunningham an. »Das muss ich mir in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.«
Berücksichtigte man seinen knappen Ton, mit dem er das sagte, war es kein Wunder, dass Cunningham sich um eine ausdruckslose Miene bemühte. Der Agent nickt einmal. »Ja, natürlich. Wie lange etwa ...?«
»Vierundzwanzig Stunden.« Wenn er sich länger mit dieser Sache herumschlug, würde er verrückt werden. Er erhob sich und streckte seine Hand aus. »Sie sind im Cumberland untergekommen, richtig?«
Hastig schob Cunningham seine Papiere zusammen, stand auf und ergriff die Hand. »Ja. Äh ... ich erwarte Ihre Nachricht.«
Gerrard nickte knapp. Er blieb neben dem Stuhl stehen, bis Cunningham gegangen war, ehe er ihm folgte.
Er spazierte durch die Parks der Hauptstadt - St. James, Green Park, dann durch den Hyde Park. Eine unheilvolle Entscheidung; seine Stiefel hatten kaum den Rasen berührt, als ihn auch schon Lady Swaledale rief, die ihn dringend ihrer Tochter und ihrer Nichte vorstellen wollte. Eine Traube von Matronen mit jungen Damen im Schlepptau, die sich mit strahlenden Augen umsahen und hofften, seine Aufmerksamkeit zu erregen, lehnten sich daraufhin aus ihren Kutschen oder suchten mehr oder weniger unauffällig seine Nähe, paradierten über die Rasenfläche.
Als er seine Tante Minnie - oder besser Lady Bellamy -erspähte, deren Kutsche auf dem Fahrweg an den Rand gefahren war und dort wartete, entschuldigte er sich und befreite sich geschickt aus den Klauen einer besonders hartnäckigen Mama mit dem Hinweis, er müsse seiner Tante seine Aufwartung machen. Sobald er die Kutsche erreicht hatte, fasste er Minnies Hand mit eleganter Geste und küsste sie. »Ich stelle mich deinem Mitgefühl anheim. Rette mich!«, flehte er.
Minnie lachte leise. Sie tätschelte ihm die Hand und beugte sich vor, um ihm ihre faltige Wange hinzuhalten, die er pflichtschuldig küsste. »Wenn du dich endlich entscheiden würdest, mein Lieber, würden Sie dich in Ruhe lassen und einem anderen nachstellen.«
»Nicht, dass wir wollten, dass du überstürzt deine Wahl triffst«, schaltete sich Timms ein, Minnies Gesellschafterin, und lehnte sich vor, um ihm ihre Hand zu reichen. »Aber solange du ungebunden bleibst, musst du damit rechnen, von ehrgeizigen Mamas und ihren Töchtern verfolgt zu werden.«
Gerrard bedachte sie mit einem Gesichtsausdruck gespielter Betroffenheit. »Et tu, Timms?«
Timms stieß damenhaft die Luft aus. Sie war mit den Jahren hagerer geworden, doch mit ihrem Verstand war alles in Ordnung.

Autorenportrait:

Stephanie Laurens begann mit dem Schreiben, um etwas Farbe in ihren wissenschaftlichen Alltag zu bringen. Ihre Bücher wurden bald so beliebt, dass sie ihr Hobby zum Beruf machte. Stephanie Laurens gehört zu den meistgelesenen und populärsten Liebesromanau

7,00* EUR