Beschreibung:
Der große Abschluss der märchenhaften Gabria-Saga Große Veränderungen stehen den zwölf Klanen in der Ebene von Ramtharin bevor. Gabria und Häuptling Athlone haben beschlossen, sich in die Stadt der Zauberer zurückzuziehen. Anwin, ihre blinde Enkeltochter, die über eine große magische Gabe verfügt, soll künftig das Pferdevolk und seine legendären Hunnuli schützen. Doch die junge Frau will ihren eigenen Weg gehen und löst damit dramatische Ereignisse aus ? »Die wunderbare Verbindung von Wagemut, Liebe und Magie macht dieses Buch zu einem herausragenden Lesevergnügen.« Publishers Weekly »Eine der lebendigsten Fantasy-Serien aller Zeiten. Mary H. Herbert ist selbst eine Zauberin!« Anne McCaffrey
Kurzbeschreibung:
Der große Abschluss der märchenhaften Gabria-Saga
Große Veränderungen stehen den zwölf Klanen in der Ebene von Ramtharin bevor. Gabria und Häuptling Athlone haben beschlossen, sich in die Stadt der Zauberer zurückzuziehen. Anwin, ihre blinde Enkeltochter, die über eine große magische Gabe verfügt, soll künftig das Pferdevolk und seine legendären Hunnuli schützen. Doch die junge Frau will ihren eigenen Weg gehen und löst damit dramatische Ereignisse aus ...
Leseprobe:
Der Angriff kam wie aus dem Nichts. Im einen Augenblick waren die Khulinin-Reiter noch auf ihren Pferden gemächlich nach Süden über einen alten Klanpfad im Tal des Hornwächters geritten, und im nächsten hatten die empfindlichen Ohren der Hunnuli-Pferde das Zischen von Bogensehnen sowie das plötzliche Schwirren eines Pfeilschwarms vernommen.
Eurus versuchte sich gegen den Schwarm zu stellen, um eine kleinere Angriffsfläche zu bieten, während er eine Warnung wieherte, doch er wusste, dass es zu spät war. Die Pfeile kamen aus der Richtung der Morgensonne und trafen die kleine Gruppe mit tödlicher Geschwindigkeit und Präzision. Das große Hunnuli verspürte stechende Schmerzen in Hals und Brust und wusste, dass es getroffen worden war, doch die Schmerzen waren unbedeutend im Vergleich zu dem Kummer und der Wut, die ihm die Seele zerrissen, als es fühlte, dass sein Reiter starb. Drei Pfeile durchbohrten Lord Athlones Brust und töteten ihn auf der Stelle. Eurus spürte, wie der Körper des alten Häuptlings zusammenzuckte und von seinem Rücken fiel. Taumelnd vor Entsetzen wurde es Zeuge, wie Athlone links neben seinen Hufen ins Gras stürzte, und es bemerkte das Blut, mit dem der goldenffarbene Umhang des Häuptlings bespritzt war.
Das schwarze Hunnuli stieß einen schauerlichen Entsetzensschrei aus.
Wut, Verwirrung und Schmerz umtosten Eurus. In dem überraschenden Angriff waren mehrere Mitglieder von Lord Athlones Herdwache getötet und die übrigen verwundet worden. Das alte Pferd beachtete keinen von ihnen. Ein roter Schleier legte sich über seine Gedanken. Es stand über dem Leichnam seines Reiters und schrie abermals trotzig auf. Ein weiterer Pfeil grub sich in seine Lende. »Eurus!«
Eine Stimme, die ihm fast so lieb wie die von Athlone war, schnitt durch die Schmerzen des Hunnuli. Plötzlich erinnerte es sich an Gabria und Nara. Es drehte sich besorgt um und hielt nach ihnen Ausschau. Zuerst aber sah es Anwin. Die dunkelhaarige Enkelin von Gabria und Athlone lag ausgestreckt auf der Erde neben ihrem toten Pferd; sie hatte die Augen geschlossen, und ihr Gesicht war fahl. Nicht weit von ihr entfernt war Nara gestürzt; die Pfeile hatten sie schwer verletzt. Der Körper der großen Stute lag über Gabrias Bein und drückte die alte Frau gegen den Boden. Die Zauberin hatte ebenfalls eine Pfeilwunde davongetragen und lag voller Entsetzen über ihren Sturz und ihre Wunde am Boden. Gabria öffnete gerade rechtzeitig ihre grünen Augen, um die letzte Herdwache fallen zu sehen. Der Pfeilregen hörte auf, und eine Stimme rief etwas in einer unbekannten Sprache. Seltsame goldhäutige Männer, die Eurus nie zuvor gesehen hatte, kamen hinter den Felsblöcken hervor und gingen vorsichtig auf das Hunnuli zu.
»Eurus!«, flüsterte Gabria. »Lauf davon!«
Nein! Ich werde nicht von euch weggehen. Ich kann ihn nicht allein lassen, teilte Eurus ihr mit. Die hochintelligenten Hunnuli wurden gezüchtet, um als Reittiere für die Zauberer zu dienen, und sie hatten gelernt, sich auf telepathische Weise mit ihren Reitern zu verständigen. Selbst in seinem geschwächten Zustand war Eurus' Botschaft sehr eindringlich.
Gabria keuchte unter den Schmerzen auf, die in ihrer Seite brannten. »Er wird auf dich warten. Die Vorboten werden ihn erst dann ins Reich der Toten bringen, wenn ihr beide wieder zusammen seid. Geh, bitte! Berichte Savaron von diesem Angriff. Warne die Klane. Sage ihnen, dass die Söhne des Feuers unter uns sind.«
Der alte Hengst stupste Athlones Körper an. Jeder Teil seines Herzens und seiner Seele drängte ihn, bei seinem Freund zu bleiben. Er und Athlone waren für mehr als vierzig Jahre Gefährten und eng miteinander verbundene Freunde gewesen. Er hätte nie geglaubt, dass Athlone einmal ohne ihn sterben würde. Doch Gabrias eindringliche Bitte brachte eine andere Saite in seinem Verstand zum Klingen. Sie hatte langsam und benommen, aber mit einem seltsamen Nachhall gesprochen, der ihn an Amara erinnerte, die geliebte Muttergöttin des Klans.
Er schaute auf und bemerkte, dass der Feind näher kam.
»Lauf weg!«, zischte Gabria.
Der alte Hengst hob den Kopf und stieß ein mächtiges, dröhnendes Wiehern aus. Warte auf mich, rief er der Seele seines Reiters zu, wandte sich unter Schmerzen um und zwang seine zitternden Beine zu einem Galopp.
Stimmen schrien hinter ihm her, und ein paar Pfeile durchpflügten die Luft, doch Eurus blieb nicht stehen. Erst auf dem Kamm eines hohen Hügels machte er halt und warf einen Blick zurück. Er beobachtete, wie die Fremden Gabria unter Nara hervorzogen — ob tot oder lebendig, wusste er nicht. Der Hengst wandte sich ab. Er galoppierte nach Südosten, angetrieben von Kummer und Wut. Der Dangari-Treld war nicht weit entfernt; danach würde er sich zum Khulinin-Treld begeben. Er würde alle Klanleute warnen, die er finden konnte, und Savaron den Tod seines Vaters sowie das Schicksal seiner Mutter mitteilen. Und dann würde ihn keine Macht der Erde mehr davon abhalten können, sich wieder zu Athlone zu gesellen. Der Lord und Häuptling, der Zauberer des Khulinin-Klans, würde auf seinem Hunnuli in das Reich der Toten einreiten.
Gabria sah Eurus nicht nach. Tränen trübten ihren Blick, und Angst betäubte ihren Verstand. O Athlone!
Sie konnte nichts anderes tun, als ihre Gedanken auf ihre Enkeltochter zu richten. Sie wusste nicht, ob Anwin noch lebte, doch wenn es so war, dann durfte Gabria sie nicht in die Hände dieser Mörder fallen lassen.
Etwa ein Dutzend Männer umstanden die gefallenen Khulinin. Sie waren anders als alle Menschen, die Gabria je gesehen hatte. Sie waren kleiner als die gewöhnlichen Klanleute, aber gedrungen, kräftig und robust. Ihre Haut hatte eine goldbraune Färbung, und sie trugen die langen schwarzen Haare zurückgekämmt und im Nacken mit Lederstreifen zusammengebunden. Sie betrachteten die Toten und Verwundeten mit stahlgrauen Augen, deren Blick gnadenlos, kalt und grausam war. Untereinander gebrauchten sie eine Sprache, die Gabria noch nie gehört hatte.
Einige standen über ihr und bedachten sie über ihre langen, dichten Schnauzbärte hinweg mit grimmigen Blicken. Die Männer schienen über irgendetwas uneins zu sein, aber Gabria hatte keine Ahnung, worum es ging. Sie hörte, wie sich die Fremden zwischen den gefallenen Herdwachen umherbewegten, die Waffen einsammelten, die Leichen plünderten und die Pferde zusammentrieben. Sie hörte, wie ein Schwert gezogen wurde, und vernahm ersticktes Stöhnen, als die Fremden die verwundeten Herdwachen töteten.
Einer der seltsamen Krieger ging mit einem blutigen Schwert in der Hand auf Anwins ausgestreckt am Boden liegenden Körper zu. Gabria rang nach Luft, beachtete die über ihr stehenden Männer nicht mehr und stützte sich auf einem Ellbogen ab. Sie hob die Hand. Nach so vielen Jahren der Übung sammelte sich die uralte Kraft der Magie auf ihren Befehl hin und bildete eine Kugel aus blauer Energie.
Autorenportrait:
Mary H. Herbert lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und vielen Haustieren in Georgia. Sie hat eine ganze Reihe von Rollenspiel- und Drachenlanze-Romanen geschrieben.