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Irrwege der Liebe

Roman. Deutsche Erstausgabe
  • ISBN:3-453-81073-2
  • EAN:9783453810730
  • Veröffentlichungsdatum:September 2008
  • Gewicht in g:213
  • Reihe:Heyne-Bücher Allgemeine Reihe
  • Seiten:256
  • Stilrichtung:Romane

EUR 7,95

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Kurzbeschreibung von: Irrwege der Liebe

Eine junge Frau kämpft um ihr Glück


Seit dem frühen Tod ihrer Eltern lebt die junge Bridget auf dem Landsitz ihrer Verwandten. Da sie ein großes Vermögen erben wird, soll sie Laurence, den Sohn ihrer Pflegeeltern, heiraten. Sie glaubt auch, Laurence zu lieben, doch dann macht sie eine schreckliche Entdeckung.


Rezension von: Irrwege der Liebe

"Eine grandiose Schriftstellerin." (The Guardian)

Leseprobe von: Irrwege der Liebe

»Bridget Gether, weißt du eigentlich, dass ich hier nun schon seit fünf Minuten neben dir sitze und du mich noch kein einziges Mal angesehen hast?«
»Doch, natürlich habe ich gleich gemerkt, dass du da bist.«
»Na, das ist ja immerhin etwas ... manchmal vergisst du mich einfach, nicht wahr? Erinnerst dich nicht einmal mehr daran, wie ich aussehe, vor allem wenn du einen Pinsel in der Hand hast. Was machst du denn jetzt?« Er beugte sich vor. »Ich finde, der Hügel dort sieht eher braun aus. Er ist auch braun; also warum malst du ihn dann mit Purpurrot und Orange?«
»Weil ich ihn so sehe. Und ... und ich weiß genau, wie du aussiehst, Laurence, auch wenn ich gleichzeitig male.« Noch immer sah die junge Frau den Mann nicht an, stattdessen ließ sie den Blick auf ihre Palette sinken, so dass ihr schulterlanges, kastanienbraunes Haar wie ein Schleier niederfiel und ihr Gesicht verbarg. Dann richtete sie ihr Augenmerk, der Hand folgend, wieder auf die Leinwand, die auf einer niedrigen Staffelei im Gras vor ihr stand, und ihre vollen, zarten Lippen bewegten sich langsam, als sie hinzusetzte: »Ich sehe dich immer vor mir ... morgens, mittags, abends und in der Nacht.« Ein leichter Schauer durchrieselte sie, als sie spürte, dass der Mann seine Finger durch ihr Haar gleiten ließ, um ihren Nacken zu streicheln.
»Und wie siehst du mich?«, raunte Laurence Overmeer ihr zu.
Bridget zögerte kurz, ehe sie mit einem unterdrückten Lachen in der Stimme antwortete: »Für mich bist du der größte, stärkste und schönste Mann in der ganzen Grafschaft.«
»Was! Bloß in der Grafschaft?«
»Nun, vielleicht auch noch von Northumberland und Cumberland.«
»Das will ich doch meinen«, brummte er amüsiert, während er sie mitsamt ihrem Campinghocker so plötzlich zu sich herumdrehte, dass die Farbe auf dem Bild verschmierte und Bridget erschrocken aufschrie. Doch auch sie lachte, als er ihr Gesicht in beide Hände nahm und kopfschüttelnd ihre Züge studierte. Obwohl es einige Zeit dauerte, ehe er weitersprach, hielt sie so lange still, bis er schließlich murmelte: »Was macht dich bloß so faszinierend, Bridget? Das frage ich mich immerzu, denn eine Schönheit bist du nicht, weißt du? Herzförmige Gesichter sind aus der Mode und dein Teint ist zu dunkel, um dich als typische »englische Rose« gelten zu lassen. Ich gebe allerdings gerne zu, dass du besonders schöne Augen hast. Vielleicht sind es ja diese sanften grauen Rehaugen. Trotzdem bist du keine Schönheit - also was ist es? Ist es womöglich deine Zurückhaltung, deine Verträumtheit, die dich fast unnahbar macht? Weckt sie in Männern den Wunsch, dich an sich zu reißen? Ist es das, Bridget?«
Bridget war das Lachen vergangen. Mit geradezu trauriger Miene antwortete sie: »Es ist mir ganz gleich, was es ist, Laurence, solange es dich nur dazu bringt, mich zu lieben.«
»Ich liebe dich ja und in vierzehn Tagen werde ich dir zeigen, wie sehr.«
Bridget ließ ein wenig den Kopf hängen, da wurde sie mit einem plötzlichen Ruck auf die Füße gezogen und verschwand fast im Griff seiner starken Arme. Als Laurence seine Lippen auf die ihren presste, erwiderte sie seinen Kuss voller Leidenschaft, doch schon einen Augenblick spät er versuchte sie, mit einer hastigen Körperdrehung von ihm loszukommen.
Laurence hielt Bridget jedoch weiter an sich gedrückt, ihre Gesichter berührten sich allerdings nicht mehr - und in seinem waren Erstaunen und eine Spur von Verärgerung zu lesen, als er fragt e: »Warum tust du das immer, Bridget? Gefällt es dir nicht, wenn ich dich küsse?«
»Aber natürlich gefällt es mir, Laurence.«
»Warum also?« Sofort löste er seinen Griff und ließ die Arme sinken. Bridget trat langsam zurück und blickte geradeaus, was bedeutete, dass sie genau auf seine Schulter sah, und murmelte: »Ich weiß es nicht, Laurence. Ich will das gar nicht.« Dann hob sie den Kopf, sah ihm nun in die Augen und sagte schlicht: »Ich liebe dich.«
»Aber du hast Angst vor mir?«
»Nein, nein, das ist es nicht, Laurence, ich habe keine Angst vor dir. Warum sollte ich auch? Ich kenne dich, seitdem ich denken kann.« Sie lächelte. »Meine erste Erinnerung an dich ist, wie du neben Großmutters Stuhl stehst, und Großmutter sagt:>Hör auf, dich so vollzustopfen, Laurie. Gib mir diese Bonbons.<«
»Das hast du mir schon einmal erzählt, aber ich glaube nicht, dass du dich wirklich an etwas Derartiges erinnern kannst. Ich kann es jedenfalls nicht. Und außerdem habe ich mich nie mit Süßigkeiten vollgestopft.«
»Oh doch, das hast du. Großmutter hat erzählt, dass du immer gefuttert hast, bis dir schlecht wurde ... wenn du etwas mochtest, konntest du einfach nicht widerstehen.«
Ein ungemütliches Schweigen breitete sich aus. Im schrägen Licht der Abendsonne verharrten beide so regungslos, dass ihre langen Schatten mit denen der Bäume verschmolzen, die sich rechts neben der kleinen Zedernholzhütte abzeichneten, die am Ufer über dem Teich stand. Der Teich an sich war nur eine Vertiefung in einem Felsplateau, die von einem kleinen Bach gespeist wurde, der die Rinne zwischen den Felsklippen hinunterplätscherte. Was aus dem Teich abfloss, ergoss sich über einen langen, teilweise bewaldeten Abhang in den Fluss Lune.
Auf dem über vier Hektar großen Anwesen der Overmeers mit seinen Wäldern und Gärten gab es keinen schöneren Ausblick als den von oberhalb des Teiches. Denn jenseits des schräg abfallenden Waldes, durch den der Bach floss, lagen die Fells, die Hügel um den Mickle Fell, der sich - zumindest aus der Entfernung betrachtet - wie ein Vater aus dem Bett des Waldes über alle anderen erhob.
Doch im Augenblick hatte Bridget keinen Sinn für die Schönheit, die sich vor ihr ausbreitete, denn wieder einmal hatte sie mit einem verstörenden Gefühl zu kämpfen. Es war durch die Erinnerung an den Vorfall in Laurences Kindheit ausgelöst worden; eine Erinnerung, die sie wachgerufen hatte, obwohl sie wusste, dass sie ihn verärgern würde. Warum also hatte sie das getan? Der einzige Grund, der ihr einfiel, war, dass ein Teil, ein kleiner Teil von ihr, Laurence - auf Französisch gesagt - nicht sympathique fand. Es war ungefähr so wie bei der alten Nancy, die, wenn sie in ihrer Küche im Haus beschäftigt war und gebeten wurde, Kate, dem Hausmädchen, etwas auszurichten, gelegentlich erwiderte: »Sagen Sie's ihr selbst, Miss Bridget, ich bin heut nicht gut auf sie zu sprechen.«
Doch warum fand sie Laurence insgeheim »unsympathisch«? Schließlich liebte sie ihn, genau wie sie gesagt hatte. Sie hatte ihn immer geliebt. Und warum stellte sie sich Fragen, deren Antworten sie schon kannte? Sie wusste jedoch recht genau, was sie insgeheim »unsympathisch« fand.
»Machst du dir irgendwelche Sorgen, Bridget?«, fragte Laurence, ohne näher zu kommen.
»O nein. Nein, ich wüsste nicht, warum.« Bridget drehte sich um und blickte ihn über die Schulter hinweg an; sie schauten einander eine ganze Weile in die Augen, bis er sagte: »Du bist jetzt die Einzige in meinem Leben, glaubst du mir das?«
Sie sagte nicht, ja, Laurence, denn sie dachte nur daran, dass er gesagt hatte, du bist jetzt die Einzige in meinem Leben. Ihr war, als hätte dieses jetzt sie wie ein Dreizack an mehreren Stellen durchbohrt, denn urplötzlich litt sie schreckliche Schmerzen. Er hatte nicht, wie gewöhnlich, gesagt, du bist die Einzige in meinem Leben, sondern du bist jetzt die Einzige in meinem Leben.
»Du glaubst mir doch?« Er war auf sie zugetreten, und sie antwortete schlicht: »Ja, Laurence, ich glaube dir.«
»Und warum bist du dann so bedrückt? Na komm, lass uns zurückgehen; Mutter hat eins ihrer köstlichen Abendessen vorbereitet. Man könnte meinen, ich würde fünf Jahre fortgehen anstatt nur für fünf Tage. Wirst du mich vermissen?« Seine breite Brust versperrte ihr erneut die Sicht, doch sie schaute zu ihm auf und sagte aus tiefstem Herzen: »Jede Minute, die du fort bist.« »Dann küss mich.«
Leicht erschrocken schaute sie auf seine Arme, doch er machte keinerlei Anstalten, sie an sich zu ziehen.
»Nimm mich in den Arm und küss mich.«