Rezension:
"Mehr als faszinierend! Spätestens mit diesem Zyklus muss man Stackpole zu den ganz Großen der Fantasy zählen." (Publishers Weekly)
Kurzbeschreibung:
Noch immer herrscht ein erbitterter Kampf im zerstörten Imperium. Doch drei mutige Gefährten, Nachfahren des legären königlichen Kartografen, stellen sich ihrer Bestimmung - und ein neues Zeitalter bricht an. Die atemberaube Trilogie vom amerikanischen Star der Abenteuer-Fantasy.
Mit 'Die neue Welt' schließt die atemberaubende Fantasy-Trilogie, die mit 'Das verlorene Land' begann und mit 'Der Kampf und die alte Welt' fortgesetzt wurde
Leseprobe:
Vaxans könnte ihn noch einmal anstecken. Stattdessen wanderte er durch die Onyxstraßen, vorbei an Gebäuden aus Rubin und Smaragd, Topaz, Lapislazuli und Zitrin - und empfand dabei nichts. Die Architektur erinnerte ihn an die großen Paläste des Imperiums: Relikte einer Zeit, in der Helden unter den Menschen gewandelt waren und Legenden geboren wurden.
Mit solchen Legenden war er aufgewachsen und hatte davon geträumt, eines Tages auch ein Held zu werden. Er wusste, dieser Weg zur Unsterblichkeit erforderte, dass er Jaedun erreichte, die Magie, die aus einem gewöhnlichen Krieger einen Mystiker machte. Eifriges Studium und viel Übung konnten ihn zwar zu einem herausragenden Schwertkämpfer machen, aber ein Mystiker war mehr. So jemand war übernatürlich begabt.
Mit seinem Meister Moraven Tolo war er auf eine Mission in die Einöde aufgebrochen, wo die Magie das Land noch immer prägte. Doch dann hatte sich sein Auftrag geändert. Er und der Erfinder Borosan Gryst waren tief nach Ixyll vorgedrungen, auf der Suche nach Voraxan, dem Ruheplatz der Schlafenden Kaiserin. Dort wollten sie die Kaiserin aufwecken und ihr Heer zurück in das Imperium führen, das sie siebenhundert Jahre zuvor selbst zerschlagen hatte.
Er blieb neben einem kleinen Smaragdgebäude stehen und strich mit den Fingern leicht über die in den Sturz eingravierten Schriftzeichen: Shan Tsiendao. Im Innern des Bauwerks konnte er ihre ruhende Gestalt erkennen. Sie schlief, träumte und wartete wohl darauf, wieder in den Kampf gerufen zu werden. Obwohl er selbst den Drang zur Rückkehr in die Neun Dynastien verspürte, bedauerte er, diese Krieger dafür wecken zu müssen.
Seine Suche nach dem Heldentum hatte ihn hierher in die Prachtstadt der Toten geführt, mit ihren Grüften, die aus Edelstein gehauen und wie Wohnhäuser geformt waren. Doch dies war keineswegs ein Ort der Trauer und des Leids. Vielmehr gestalteten sich die Straßen und Gebäude zu einem friedvollen Hafen. Durchaus angemessen, wenn man bedachte, dass die hier ruhenden Krieger die größte Schlacht in der Geschichte der Welt geschlagen hatten.
Ciras ging weiter und schlenderte zurück zum Onyx-Innenhof des Rubinpalasts, der die Ruhestätte der Kaiserin gewesen war. Zwischen dem Palast und einem Diamantspringbrunnen saß Borosan Gryst und bastelte an einer seiner magischen Erfindungen. Trotz der Mühsale ihrer gemeinsamen Reise war er noch immer recht füllig. Er trug kein Schwert und besaß weder Kampfgeschick noch -gefühl. In Ciras' Welt machte das den dunkelhaarigen Gyanridin zu einer Gestalt, die man nur verachten konnte.
Und doch hatte sich Borosan im Verlauf der Reise als schlau erwiesen. Als beinahe zu schlau.
Ciras' Schatten fiel über Borosan. »Ich fasse es nicht, wie Ihr vor mir geheim halten konntet, dass sich Kaiserin Cyrsa gar nicht mehr hier aufhält.« Er breitete die Arme aus, als wolle er die ganze Juwelenstadt umfassen. »Wir sind zusammen durch die bekannte Welt gereist, haben fremde Länder durchquert und zahllose Gefahren gemeistert, und Ihr habt es mir verschwiegen.«
Borosan lächelte väterlich. »Es lag nicht an mangelndem Vertrauen, Meister Dejote. Ich bin in geheimer Mission für die Kaiserin unterwegs gewesen. Ich habe auch meinem Vater nichts davon gesagt und hätte es selbst Prinzdynast Cyron nicht verraten, auch wenn er mich danach gefragt hätte. Ihr solltet es nicht persönlich nehmen.«
Der schlanke Schwertkämpfer ging neben seinem stämmigen Begleiter in die Hocke, achtete aber darauf, außer Reichweite des spinnenartigen Thanatons zu bleiben, an dem Borosan arbeitete. »Ich verstehe die Notwendigkeit der Geheimhaltung durchaus. Diese Botschaft nach Voraxan zu bringen, war äußerst wichtig. Aber was wäre geschehen, hätte Euch unterwegs der Tod ereilt? Die Nachricht hätte sie nie erreicht.«
Borosan zuckte die Achseln. Beide Arme steckten tief im kugelförmigen Rumpf des Thanatons. »Ich gehe davon aus, dass ich nicht der Einzige bin, den die Kaiserin mit ihrer Botschaft auf den Weg geschickt hat. Ich bin nur der Erste, der es bis hierher schaffte. Und ...«
Die rechte Hand des Gyanridins tauchte aus dem Innenleben der Zaubermaschine auf und warf Ciras einen kleinen, vergilbten Elfenbeinzylinder zu, der mit zierlichen Schriftzeichen bedeckt war. »Im Falle meines Ablebens wäre immer noch das hier geblieben.«
Ciras fing es auf. Die Schriftzeichen stammten aus der Zeit des Imperiums und waren entsprechend mühsam zu entziffern. »Ein Gedicht?«
»Von Jaor Dirxi. Eine Meditation über die Schönheit einer Frau, die zur Kaiserin wurde.« Borosan nickte. »Es heißt, er habe sie persönlich in das Elfenbein geschnitzt.«
Dejote drehte am oberen Ende des Zylinders, und ein Deckel löste sich. Als er den Zylinder mit einem Ruck stürzte, rutschte eine kleine Reispapierrolle heraus. Er öffnete sie - sie enthielt die Botschaft, die Borosan überbracht hatte. »Fahrt eure Krallen aus, entfaltet eure Schwingen und folgt dem Ruf, auf den ihr so lange gewartet habt.«
Die Hand, die den Pinsel geführt hatte, war kräftig gewesen, und doch sanft. Noch etwas an der Notiz fiel ihm auf, aber er konnte nicht auf Anhieb sagen, was es war. Dann hob er das Papier an die Nase und atmete ein.
Ciras' Kopf flog hoch. »Der Duft. Das hat nicht die Kaiserin geschrieben. Das hier stammt von Unserer Dame von Jett und Jade. Mein Meister kennt sie. Ich habe den Duft an seiner Kleidung gerochen ...«
Borosan schüttelte den Kopf. »In Euren Folgerungen seid Ihr zu vorschnell. Zum Teil aber habt Ihr gewiss recht. Es war Unsere Dame von Jett und Jade, die diese Nachricht geschrieben hat. Aber warum schließt Ihr aus, dass sie die Kaiserin ist?«
Ciras ließ sich nach hinten fallen und starrte auf den Rubinpalast. Die Kaiserin hatte ein Heer von Mystikern in die Schlacht geführt, um die von Norden einfallenden Turasyndhorden aufzuhalten. Die gewaltige Schlacht hatte magische Energien von großer Gewalt freigesetzt, die über den Kontinent fluteten und die Zeit des Schwarzen Eises auslösten. Furchtbare Verwüstungen waren über die Neun Dynastien hereingebrochen, und selbst jetzt standen sie noch am Beginn des Weges zurück zu alter Macht und Größe.
Der Schwertkämpfer von Tirat runzelte die Stirn. »Unsere Dame von Jett und Jade ist eine Kurtisane von unglaublichem Geschick. Sie ist ebenfalls eine Mystikerin, daher ihre lange Lebenszeit, aber ...«
»Ihr müsst doch gewusst haben, dass sie als das Geschenk eines Höflings zu einer der Frauen des letzten Kaisers wurde. Was hattet Ihr gedacht, sei sie vorher gewesen?«
Ciras schüttelte den Kopf. »Ich weiß schon, dass Ihr Naleni uns Inselbewohner für Landeier haltet, aber auch bei uns gibt es Freudenhäuser. Ich habe keinen Vorbehalt gegen Unsere Dame von Jett und Jade. Sie ist jedoch keine Kriegerin, und den Erzählungen nach hatte ich eher jemanden wie die Keru erwartet.«
Borosan lachte und schloss den Rumpf des Thanatons. »Ah ja, natürlich. Groß, stark und in der Lage, einen wütenden Elefantenbullen mit einem einzigen Speerstoß niederzustrecken. Offenbar lag ihre Stärke nicht im Führen von Waffen. Dazu hatte sie die größten Krieger der Welt um sich geschart, und viele von ihnen erwachen jetzt in ihren Häusern, hier in Voraxan.«
»Und sie werden ihrem Ruf folgen.« Ciras schüttelte den Kopf. »Ich frage mich, was sie ihnen befehlen wird?«
Borosan stand auf und klopfte sich die Hände ab. »Das werden wir sehen, wenn wir mit ihnen zurückkehren.«
Der Gyanridin verbeugte sich an Ciras Dejote vorbei vor einem schlanken Mann mit kahlem Kopf. Ciras stand sofort auf und verbeugte sich ebenfalls. »Ich grüße Euch, Meister Laedzhe.«
Der Krieger erwiderte die Verbeugungen. »Ich habe eine Neuigkeit für Euch und die Bitte um einen Gefallen.«
»Natürlich.« Ciras antwortete für sie beide. »Was immer Ihr benötigt.«
Vlay Laedzhe deutete mit offener Hand hinter sich zur Stadt. Überall sah man Männer und Frauen in ihren Juwelenhäusern erwachen. »Wir wecken unsere Gefährten, und viele sind bereit, dem Ruf zu folgen.«
Ciras hob eine Augenbraue. »>Viele?
Autorenportrait:
Michael A. Stackpole wurde 1957 in Wisconsin geboren, wuchs in Vermont auf und machte dort 1979 seinen Universitätsabschluss in Geschichte. Seit 1987 arbeitet er als Fantasy- und Science-Fiction-Autor und war insbesondere mit Romanen zu den Serien „Battle