Der atemberaubende Auftakt der Vampir-Trilogie Ende des 19. Jahrhunderts haben sich die letzten sechs Vampir-Clane ᅵber ganz Europa ausgebreitet. Feindselig stehen sie einander gegenᅵber, doch als ihre Art in der modernen Zeit vom Untergang bedroht ist, gibt es nur einen Weg, das eigene ᅵberleben zu sichern: Gemeinsam sollen ihre Kinder, die Erben der Nacht, ausgebildet werden, damit sie von den Stᅵrken jedes Clans profitieren ᅵ Die Ausbildung der Erben der Nacht beginnt in Rom. Von den italienischen Meistern sollen die Irin Ivy, der Englᅵnder Malcom, der Wiener Franz-Leopold und die Deutsche Alisa lernen, sich gegen Kirchenkrᅵfte jeder Art zu immunisieren. Doch bald hᅵufen sich die Morde im italienischen Clan. Ein rᅵtselhafter Vampirjᅵger geht um. Als sich die vier jungen Vampire auf seine Fᅵhrte setzen, stoᅵen sie auf eine teuflische Verschwᅵrung in den eigenen Reihen ᅵ ᅵ Actionreich, schaurig-romantisch und voll wunderbar dᅵsterer Schauplᅵtze ᅵ Ein opulentes Drama um Intrigen, Liebe und Verrat ᅵ Mitreiᅵender Schmᅵker Stoff fᅵr jeden Vampir-Fan
PROLOG: EIN GEHEIMES TREFFEN
Die Schwᅵle drᅵckte schwer wie Unheil auf das Tal herunter, in dem sich der Genfer See mit seinem tiefen Wasser ausbreitete. Noch war das Wasser spiegelglatt. Kein Windhauch verschaffte Kᅵhlung, doch zwischen den Berggipfeln ballten sich bereits die ersten dunklen Wolken zusammen und verhᅵllten die Sterne. Schwarz und drohend stieᅵen sie immer hᅵher in den Himmel. Das Donnergrollen sprang von einer Felswand zur anderen. Ein erster Blitz zuckte ᅵber den Himmel und spiegelte sich gleiᅵend im Wasser. Und dann kam der Wind, der den Spiegel zu schᅵumenden Wellen aufwᅵhlte und an den Zweigen der Bᅵume zerrte. Wie das Heulen von Wolfsrudeln fegte er aus den Bergen herab und brauste ᅵber das Tal.
Die Burganlage lag wie ein am Ufer vertᅵutes Schiff in den Wellen des Sees. Ihre Mauern verbanden sich mit dem Felsen, der unter ihr steil ins schwarze Wasser abfiel. Schon im Mittelalter hatte die Burg die Straᅵe zwischen dem Groᅵen Sankt Bernhard und Lausanne bewacht und Zoll von jedem Reisenden verlangt, der den schmalen Durchgang zwischen den steilen Bergen und dem Seeufer passieren wollte. Dann war die Burg als Zeughaus und Waffenlager benutzt worden, und auch als Gefᅵngnis. Heutzutage wohnte hier kein Burgvogt mehr, und es gab so manche, die die massigen Mauern von Chillon gern fᅵr den Bau der Eisenbahnlinie verwendet hᅵtten.
Ein Donnerschlag lieᅵ das alte Gemᅵuer erbeben. Regen rauschte herab.
ᅵNun, ist Euch der Boden neutral und abgelegen genug?ᅵ, durchbrach eine Stimme die Gedanken der Frau, die sich ᅵber die Fensterbrᅵstung gelehnt und auf das aufgewᅵhlte Wasser hinabgesehen hatte. Der Wiener Akzent lieᅵ die Worte lᅵnger und weicher klingen, als sie in ihrer Heimat im Norden des Deutschen Reiches ausgesprochen wurden.
ᅵIch habe nicht auf diesem Theater bestanden!ᅵ Sie drehte sich um und nahm sich erst Zeit, die andere Frau zu betrachten, ehe sie sie begrᅵᅵte.
ᅵAntonia, es ist lange her.ᅵ In ihrer Stimme lag weder Freude noch Ablehnung.
ᅵBaronesse Antonia, Dame Elinaᅵ, korrigierte die Frau im Tᅵrrahmen in sᅵuerlichem Ton und kam mit rauschenden Rᅵcken nᅵher. Wie ein Wasserfall ergossen sich Rᅵschen aus pflaumenfarbenem Satin ᅵber einer weit schwingenden Krinoline. Ihr ᅵppiges Dekollete wurde von einem Rahmen aus schwarzer Spitze eindrucksvoll zur Geltung gebracht. Das schᅵne Gesicht mit der makellosen Haut war geschminkt und ihr dunkles Haar so kunstvoll aufgesteckt, als wollte sie heute Nacht noch auf einen Ball in der Wiener Hofburg gehen. Ihre Erscheinung war von berᅵckender Perfektion.
ᅵBaronesse Antoniaᅵ, wiederholte Dame Elina mit einem unterdrᅵckten Lᅵcheln und hauchte rechts und links der geschminkten Wangen einen Kuss in die Luft.
ᅵTrᅵgt man diese Ungetᅵme von Reifrᅵcken in Wien noch immer? Ich dachte, selbst die Kaiserin habe schon vor zehn Jahren die Tornᅵre entdeckt. - Wobei ich nicht sagen kann, was von beidem unbequemer istᅵ, fᅵgte sie hinzu und zog eine Grimasse.
ᅵAus welcher Epoche Euer Kleid stammt, mᅵchte ich lieber nicht fragenᅵ, gab Baronesse Antonia zurᅵck und schᅵrzte verᅵchtlich die Lippen, als ihr Blick an dem schlichten Kleid aus dunkelblauem Tuch hinabglitt, unter dessen Saum die Spitzen von Reitstiefeln hervorlugten. Das ergraute Haar hatte Dame Elina zu einem einfachen Knoten geschlungen. Sie trug keinen Schmuck und war ungeschminkt. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen strahlten ihre Zᅵge eine wᅵrdevolle, alterslose Schᅵnheit aus. Auch ihre Haut war ohne jeden Makel und sehr bleich.
ᅵEs ist vielleicht nicht das Eleganteste, aber ungemein praktisch und bequemᅵ, sagte sie absichtlich mit einem Hauch von plattdeutschem Akzent, sodass sich die hᅵbschen Zᅵge der Baronesse noch mehr verzerrten. Die beiden Frauen musterten einander noch immer voller Abneigung, als die Tᅵr geᅵffnet wurde und einige Mᅵnner eintraten, wie sie von Kleidung und Statur her nicht unterschiedlicher hᅵtten sein kᅵnnen:
Ein kleiner, untersetzter Mann mit mausgrauem Haarkranz watschelte auf die Damen zu und kᅵsste ihnen die Hᅵnde. ᅵBaronesse Antonia, Dame Elina, ich hoffe, Ihr hattet eine gute Reise. Ist Euer werter Bruder auch gekommen, Baronesse?ᅵ Bei jedem Wort entwich sᅵᅵlicher Verwesungsgestank aus seinem Mund.
Die Wienerin klappte ihren Fᅵcher auf. ᅵAber natᅵrlich, Conte Claudio, er ist der Fᅵrst der Dracas. Ich bin lediglich seine - nun sagen wir, Ratgeberin.ᅵ
Conte Claudio verneigte sich so tief, wie es seine Kᅵrperfᅵlle zulieᅵ. Sein Gewand schimmerte im Schein der Kerzen rubinrot. Als er sich wieder aufrichtete, fiel sein Blick auf den Mann, der gerade den Saal betrat. Er war groᅵ gewachsen und wirkte athletisch, sein dunkelbraunes Haar war nach der herrschenden Mode gekᅵmmt, seine Kleider elegant geschnitten und aus teuerstem Stoff.
ᅵAh, wenn man vom Teufel spricht! Da seid Ihr ja, Baron Maximilian.ᅵ Er drᅵckte auch noch den beiden grobschlᅵchtigen Brᅵdern Lucien und Thibaut vom Pariser Clan der Pyras die Hand und begrᅵᅵte den stattlichen Lord Milton aus London.
ᅵNun, findet unser Treffpunkt die Zustimmung der werten Herren und Damen?ᅵ, fragte der Brite und sah in die Runde.
Dame Elina trat zu ihm und lieᅵ es zu, dass er sich mit der Andeutung eines Kusses ᅵber ihre Hand beugte. ᅵAbgelegen und neutral, wie wahr, und fast ᅵberirdisch schᅵn, wie fᅵr uns erbautᅵ, sagte sie mit einem Anflug von Spott. ᅵIch habe bereits die Folterkammer besucht, um den Blick ᅵber das Wasser zu genieᅵen. Und wenn ich die Ritzereien in der Kerkerwand richtig entziffert habe, dann hat auch Lord Byron zu seinen Lebzeiten diesen Ausblick bewundert.ᅵ
Lord Milton nickte. ᅵOh ja, sein Gedicht Der Gefangene von Chillon ist sehr gelungen.ᅵ
ᅵIch hoffe, er befindet sich wohl?ᅵ, erkundigte sich Dame Elina hᅵflich. ᅵIch hatte ja noch nicht das Vergnᅵgen, aber man hᅵrt Gerᅵchte ...ᅵ
Der groᅵe Brite schmunzelte. ᅵJa, er ist nun seit mehr als fᅵnfzig Jahren ein geschᅵtztes Mitglied unserer Gemeinschaft.ᅵ
Dame Elinas graue Augen blitzten. ᅵIch habe von seinem Tod gehᅵrt. Schwᅵche und zu viel Aderlass, heiᅵt es.ᅵ
Lord Milton zeigte seine krᅵftigen weiᅵen Zᅵhne. ᅵJa, man kᅵnnte sagen, der Blutverlust hat unserem groᅵen Dichter das Leben geraubt.ᅵ
Sie wandten sich den beiden letzten Ankᅵmmlingen zu. Conte Claudio begrᅵᅵte bereits den drahtigen, ᅵlteren Mann im irischen Kilt. ᅵDonnchadh, ich grᅵᅵe Euch. Wie stehen die Dinge auf der grᅵnen Insel?ᅵ
Die Mᅵnner reichten einander die Hᅵnde, doch statt seinem Gegenᅵber in die Augen zu sehen, starrte der dicke Rᅵmer auf die Frau, die ein Stᅵck hinter dem irischen Clanfᅵhrer stehen geblieben war.
Sie war wunderschᅵn, mit reiner weiᅵer Haut. Dichte rᅵtliche Locken wallten ᅵber ihre Schultern. Ihr seidiges Gewand umschmeichelte ihre schlanke Gestalt. Sie erwiderte seinen Blick aus dunkelgrᅵnen Augen, schwieg jedoch und reichte ihm auch nicht die Hand.
In ihrem menschlichen Leben konnte sie die Zwanzig nicht ᅵberschritten haben. Wann dieses Leben allerdings gewesen war und wann es geendet hatte, das konnten weder Dame Elina noch Conte Claudio sagen. Nun war sie jedenfalls kein Mensch mehr, sondern ein Vampir, wie alle anderen auch, die sich heute Nacht hier auf Schloss Chillon versammelt hatten. Und doch gab es Unterschiede. Bedeutende Unterschiede!
ᅵSie ist ein Schatten!ᅵ, stotterte Conte Claudio und zeigte mit dem Finger auf sie. Auch die anderen Vampire wurden nun auf die Frau aufmerksam und starrten sie unverhohlen an.
ᅵSchickt sie rausᅵ, knurrte Baron Maximilian. ᅵWir werden solch wichtige Dinge doch nicht vor den Ohren einer Unreinen besprechen. Was denkt Ihr Euch eigentlich, Donnchadh? Habt Ihr nicht gesehen, dass wir alle unsere Diener in der Halle zurᅵckgelassen haben?ᅵ
Der Ire drehte sich zu der jungen Frau um. Fᅵr einen Moment sahen sie sich stumm an, dann senkte sie die langen, dunklen Wimpern.
ᅵIch erwarte Euch untenᅵ, sagte sie mit erstaunlich tiefer Stimme, nickte ihm einmal zu und verlieᅵ dann gerᅵuschlos den Raum. Die Tᅵr schloss mit einem leisen Klicken.
Dame Elina zog einen Sessel zurᅵck und lieᅵ sich auf das Lederpolster sinken. ᅵEs sind alle da. Wollen wir anfangen?ᅵ Sie sah in die Runde. Die anderen folgten ihrem Beispiel und lieᅵen sich um den schweren ovalen Eichentisch nieder. Fᅵr eine Weile herrschte Stille. Abschᅵtzende Blicke wanderten durch den Raum, kreuzten sich und streiften ᅵber die Anwesenden. Die Anspannung war fast greifbar.
Dame Elina von den Vamalia begann, sie offiziell einander vorzustellen. Sie nickte dem stattlichen blonden Vampir mit den kantigen Zᅵgen an ihrer Seite zu. ᅵLord Milton vom Clan der Vyrad.ᅵ Er erhob sich halb und deutete eine Verbeugung an. Dame Elina wandte sich an die beiden Vampire zu seiner Rechten.
ᅵSeigneurs Lucien und Thibaut de Pyras.ᅵ Die beiden grobschlᅵchtigen Vampire aus den Labyrinthen unter Paris verzogen keine Miene, Lucien knurrte leise, aber Dame Elina lieᅵ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ihr Blick wanderte weiter zu dem kleinen, untersetzten Vampir aus Rom.
ᅵConte Claudio de Nosferas!ᅵ Er lᅵchelte und nickte ihr zu.
Die Gesichter der nᅵchsten beiden zeigten dagegen Abscheu. Dennoch begrᅵᅵte Dame Elina auch die Geschwister aus Wien. ᅵBaron Maximilian und Baronesse Antonia vom Clan der Dracas.ᅵ Wie schᅵn sie waren! Man konnte sich ihrer Ausstrahlung nur schwer entziehen.
Zuletzt richtete Dame Elina ihren Blick auf den irischen Clanfᅵhrer, aus dessen Haar bereits der letzte rᅵtliche Schimmer gewichen war. ᅵDonnchadh vom Clan der Lycana.ᅵ Er lᅵchelte nicht, erwiderte ihren Blick jedoch aus seinen dunklen Augen mit einer Intensitᅵt, die Dame Elina schaudern lieᅵ.
Sie rᅵusperte sich und sah zu Lord Milton zurᅵck, der das Wort ergriff, ehe sie ihre Begrᅵᅵung beenden konnte. Er benutzte die kehlige Sprache der Vampire, die sie vom Anbeginn der Zeit miteinander verband.
ᅵWir sind hier zusammengekommen, weil uns allen inzwischen klar geworden sein dᅵrfte, wie ernst die Lage ist. Ich denke, wir sind uns einig .ᅵ
ᅵWir sind uns ᅵberhaupt nicht einig!ᅵ, unterbrach ihn Baron Maximilian in scharfem Ton. ᅵMit welchem Recht ᅵbernehmt Ihr den Vorsitz?ᅵ
ᅵNun, einer muss die Misere aussprechenᅵ, gab Lord Milton genauso scharf zurᅵck. Die Mᅵnner funkelten einander an. Die Seigneurs Lucien und Thibaut fauchten und entblᅵᅵten ihre Reiᅵzᅵhne.
ᅵEs ist eine Tatsache, dass es um den Fortbestand unserer Familien erschreckend steht!ᅵ, erhob Dame Elina ihre Stimme.
ᅵAch ja? Und deshalb ermuntert Ihr Eure Unreinen, die Herrschaft zu ergreifenᅵ, rief Baronesse Antonia.
ᅵWir leben frei und gleichberechtigt mit unseren Servienten - wir bevorzugen, sie so zu nennen! Doch Ihr mit Eurem Verhalten fordert einen Umsturz geradezu heraus!ᅵ
ᅵSklaven muss man wie Sklaven behandeln.ᅵ Die spitzen Zᅵhne der Baronesse blitzten.
ᅵSie sind unsere Schatten, die uns dienen, ja, aber keine Sklavenᅵ, widersprach Conte Claudio und faltete seine Hᅵnde ᅵber dem runden Bauch.
ᅵSklaven, Diener, Umsturz, darum geht es doch gar nichtᅵ, schimpfte Seigneur Lucien. ᅵEs geht um die Kinder. Um unsere Kinder!ᅵ
ᅵDass Euch in Frankreich eine Revolte nicht schreckt, wundert mich nichtᅵ, gab Baron Maximilian zurᅵck. ᅵIhr habt damit ja reichlich Erfahrung. In ᅵsterreich-Ungarn sind die Verhᅵltnisse noch, wie sie sein sollen, und jeder kennt seinen Platz!ᅵ
Dame Elina lachte hell auf. ᅵDas hᅵtte Euer Kaiser wohl gern! Sein Festhalten an Ungarn, Bᅵhmen und Kroatien wird ihm das Genick brechen und ihm mehr Revolutionen einbringen, als Frankreich je hatte! Und dann auch noch die Herzegowina! Er kann den Hals nicht voll kriegen. ᅵsterreich hᅵtte die Vᅵlker ziehen lassen und sich dem groᅵen Deutschen Reich anschlieᅵen sollen. So hat der Zerfall fᅵr Euch bereits begonnen. Seht Euch Italien an! Es hat sich seine Lᅵnder zurᅵckgeholt und sich vom verhassten ᅵsterreichischen Joch befreit!ᅵ
ᅵWeib, schweigt und sprecht nicht von politischen Dingen, von denen Ihr nichts versteht!ᅵ Alle redeten durcheinander.
ᅵRuhe!ᅵ, rief Lord Milton und schlug so hart mit der Faust auf den Tisch, dass ein Knacken durch das Eichenholz lief. ᅵWas interessiert uns die Politik der Menschen?ᅵ
Plᅵtzlich sprang Seigneur Lucien auf. ᅵMenschenblut.ᅵ Die Vampire verstummten. ᅵIch kann es wittern. Drunten in der Halle.ᅵ
Conte Claudio schᅵttelte den fast kahlen Schᅵdel. ᅵSeigneur, Ihr mᅵsst Euch irren. In der Halle sind nur unsere Schatten.ᅵ
ᅵEr irrt sich nichtᅵ, bestᅵtigte Seigneur Thibaut. Seine Augen leuchteten rot. Sie starrten auf die Tᅵrklinke, die sich langsam senkte.
Alle sprangen von ihren Stᅵhlen auf. Die Tᅵr ᅵffnete sich und eine Gestalt in einem dunkelgrᅵnen Gewand trat herein. Zuerst konnten die Versammelten nur erkennen, dass sie selbst fᅵr einen Menschen ungewᅵhnlich klein und schmᅵchtig war. Die Gesichtszᅵge blieben unter einer Kapuze verborgen. Zwei Wᅵlfe folgten ihr und setzten sich, als sie stehen blieb, zu beiden Seiten. Aufrecht saᅵen die beiden Raubtiere da, nur ihre gelben Augen bewegten sich und musterten die Vampire durchdringend.
ᅵHabe ich es mir doch gedacht, dass ihr euch gegenseitig an die Kehle geht, kaum dass ihr euch hier versammelt habtᅵ, sagte eine warme Stimme mit einem Lachen. Eine faltige Hand kam aus dem weiten ᅵrmel und schob die Kapuze zurᅵck. Die kleine Frau betrachtete die Anwesenden aus grᅵnen Augen, die die gleiche Farbe hatten wie ihr wallendes Gewand. Ihr Gesicht war vom Alter ausgemergelt, tiefe Furchen legten die Haut, die die Sonne gebrᅵunt hatte, in Falten. Die Frau lᅵchelte und hielt sich erstaunlich gerade, als sie auf einen leeren Stuhl zustrebte. Den Stab in ihrer Hand benᅵtigte sie jedenfalls nicht als Stᅵtze.
Donnchadh legte die Hand auf die Brust. ᅵTirana, es ist uns eine Ehre.ᅵ Er kam auf sie zu, doch sie setzte sich, ehe er den Stuhl erreichte.
ᅵDu weiᅵt, dass ich kein Landlord bin. Das Land ist frei! Es gehᅵrt den Tieren und den Pflanzen. Wir sind nur geduldet.ᅵ
ᅵJa, Lady Taraᅵ, sagte er nur und kehrte zu seinem Platz zurᅵck.
Dame Elina reckte den Hals. ᅵIhr seid also die Druidin Tara.ᅵ Die Vampire nahmen wieder ihre Plᅵtze ein. Die alte Frau nickte. Sie zeigte keine Furcht.
ᅵMenschenblutᅵ, sagte Seigneur Thibaut noch einmal leise. Auch Dame Elina konnte das Blut der alten Frau riechen, doch sie spᅵrte noch etwas anderes. Starke, uralte Magie, wie man sie in der freien Hansestadt Hamburg schon lange nicht mehr finden konnte. Verstohlen lieᅵ sie ihren Blick schweifen. Die anderen Clanfᅵhrer starrten die alte Menschenfrau an. In ihren Gesichtern konnte sie Misstrauen oder gar Feindseligkeit lesen. Nur Donnchadh schien erleichtert.
ᅵSo, da seid ihr also alle hier auf Schloss Chillon zusammengekommen - zumindest alle, die die Zeichen erkannt haben und vielleicht auch bereit sind, zu handeln und das zu tun, was nᅵtig ist!ᅵ
Interessiert lehnte sich Dame Elina ein Stᅵck in ihrem Stuhl nach vorn und lauschte den Worten der Alten. Sie hatte das Gefᅵhl, sie dᅵrfe nicht ein einziges davon verpassen. War das die Magie, die sie wie eine Wolke umgab? Baron Maximilian ᅵffnete den Mund, um sie zu unterbrechen, doch die Druidin hob die Hand, und so klappte er ihn stumm wieder zu.
ᅵIhr werdet nachher noch genug Gelegenheit bekommen, euch zu streiten. Darin seid ihr Clans seit jeher mehr als nur gut gewesen!ᅵ Dieses Mal war es Baronesse Antonia, die sie unterbrechen wollte, doch wieder setzte sich die Druidin durch.
ᅵLasst mich das Problem in kurze Worte fassen: Eure Krᅵfte versiegen, euer Einfluss schwindet und bald werdet auch ihr von dieser Erde getilgt sein. Nicht einmal die Erinnerung an euch wird bleiben.ᅵ
Die Vampire schrien empᅵrt auf. Fᅵr einige Augenblicke lieᅵ die Alte sie gewᅵhren und die Worte schwappten von einer massigen Steinwand zur anderen. Dann hob die Druidin wieder die Hand und die Stimmen verebbten.
ᅵSagt mir, wann euch das letzte Kind geboren wurde.ᅵ Sie sah in die Runde. ᅵVor zehn Jahren oder elf?ᅵ
ᅵNeunᅵ, sagte Dame Elina leise. ᅵUnser jᅵngster Sohn Thankmar ist neun.ᅵ
ᅵAlso neun.ᅵ Die Druidin nickte. ᅵSeit langer Zeit ist schon kein Kindergeschrei mehr zu hᅵren. Eure Hallen sind vergreist. Wie viele Altehrwᅵrdige habt ihr dagegen zu versorgen, die sich nicht mehr fortbewegen wollen und nur noch Nacht fᅵr Nacht das Schwinden ihrer Krᅵfte beweinen?ᅵ
ᅵOh, mit Kindergeschrei kᅵnnen wir dienenᅵ, warf Conte Claudio ein.
ᅵSo?ᅵ Die Druidin hob die Augenbrauen. ᅵDu willst mir sagen, dass eine Reine deiner Familie im vergangenen Jahr ein Kind geboren hat?ᅵ
Der dicke Rᅵmer senkte den Blick. ᅵᅵh, nein, das nicht.ᅵ
ᅵSie hat sich also ein Kind geholt, weil sie selbst keines bekommen konnte? Sie hat ein Kleinkind zum Vampir gemacht und es damit verurteilt, auf alle Zeiten ein hilfloser Sᅵugling zu bleiben? Und nun wird sie das von ihr geschaffene Wesen versorgen, bis sie seiner ᅵberdrᅵssig geworden ist. Ist es so?ᅵ Conte Claudio murmelte etwa Unverstᅵndliches. Die Druidin fixierte ihn noch eine Weile, dann sah sie wieder in die Runde der Clanfᅵhrer.
ᅵIhr fᅵrchtet euch, dass ihr von den Wesen, die ihr selbst geschaffen habt, verdrᅵngt werdet? Ja, fᅵrchtet euch zu Recht! Ihr habt euch frᅵh eure eigenen Grᅵber gegraben. Und es sind weder die Servienten noch die Menschen, die euch fᅵr immer darin verbannen werden. Ihr selbst habt dafᅵr gesorgt! Seit Jahrhunderten bekriegt ihr euch und sorgt dafᅵr, dass eure Familien ihre Blutlinien rein halten. Ihr pflegt nur noch die Krᅵfte und das Wissen, die euer Stamm hervorgebracht hat, und habt alles andere verdrᅵngt und vergessen. Wenn ihr so weitermacht, dann sehe ich keine Hoffnung fᅵr euch.ᅵ
ᅵWarum mᅵssen wir uns das Gerede einer alten Menschenfrau anhᅵren?ᅵ Seigneur Thibaut fauchte leise.
ᅵWir mᅵssen nichtᅵ, gab Dame Elina zurᅵck. ᅵWir kᅵnnen uns auch weiterhin vor der Wahrheit verschlieᅵen, denn dass sie die Wahrheit sagt, das ist wohl nicht zu leugnen!ᅵ
ᅵUnd was bringt uns das?ᅵ, fragte Baronesse Antonia, klappte ihren Fᅵcher auf und gᅵhnte gelangweilt.
ᅵVielleicht die Einsicht und den Willen etwas zu ᅵndern?ᅵ, schlug die alte Druidin vor.
ᅵUnd das wᅵre?ᅵ, verlangte Baron Maximilian zu wissen.
ᅵGebt eure Isolation auf und lernt voneinander. Verbindet eure Stᅵrken und merzt eure Schwᅵchen aus.ᅵ Sie machte eine kleine Pause, ehe sie die Ungeheuerlichkeit aussprach: ᅵUnd lasst zu, dass sich eure Blutlinien vermischen.ᅵ
Die Vampire starrten die Druidin fᅵr einige Augenblicke sprachlos an, dann erhob sich ein Proteststurm. Der gegenseitige Hass der Clans, der ᅵber Jahrhunderte geschᅵrt worden war, zerfetzte das dᅵnne Gewand der Hᅵflichkeit, das sie fᅵr diesen Abend ᅵbergeworfen hatten. Reiᅵzᅵhne wurden drohend gebleckt, die menschlichen Stimmen wandelten sich zum Gebrᅵll wilder Tiere. Die Druidin erhob sich und ging langsam zur Tᅵr. Ihre Wᅵlfe folgten ihr. Als sie schon im Tᅵrrahmen stand, wandte sie sich noch einmal um und hob ihren Stab. Die Vampire verstummten.
ᅵIch habe es geahnt, dass ihr verloren seid. Ihr seid zu alt - nicht eure Kᅵrper, aber euer Geist! Eure Hoffnung liegt in euren Kindern - euren letzten Kindern! Ich werde nun ein wenig am Ufer entlangspazieren und mit meinen Wᅵlfen den Vollmond betrachten, der sich nach dem reinigenden Gewitter im Wasser spiegelt. Es ist eine herrliche Nacht! Ehe die Sonne aufgeht, komme ich zurᅵck. Dann sagt mir, ob ihr meinen Rat annehmen wollt.ᅵ
Sie schloss die Tᅵr, ihre Schritte verhallten. Die Stimmen der Vampire erhoben sich wieder, doch es fehlte ihnen an Kraft. Dame Elina lieᅵ sich in ihren Stuhl fallen und lauschte auf die tobenden Gefᅵhle in sich, die noch stᅵrker waren als der Blutdurst nach jedem Erwachen. Sie spᅵrte einen Blick auf sich ruhen und hob die Lider, bis ihre grauen Augen auf das dunkle Augenpaar gegenᅵber trafen. Donnchadh wich ihrem Blick nicht aus.
ᅵWerden wir es schaffen?ᅵ, fragte Dame Elina leise, denn sie wusste, dass er sie trotz des Stimmengewirrs verstehen konnte.
ᅵNur wenn wir uns nicht lᅵnger gegen jede Verᅵnderung strᅵuben. Die Welt wandelt sich immer schneller, doch wir sind schon lange stehen geblieben.ᅵ
ᅵKᅵnnen wir es schaffen?ᅵ, fragte die Fᅵhrerin des Hamburger Clans fast beschwᅵrend.
Der alte Ire ᅵberlegte. ᅵLady Tara ist eine weise Frau. Ich denke, sie hat recht. Unsere Kinder kᅵnnen es schaffen!ᅵ
DAS HAUS AM KEHRWIEDER
Die Sonne war eben erst hinter einem Wald aus Masten, Wanten und Segeln in der Elbe versunken, als Alisa den Deckel der lᅵnglichen Kiste aufklappte, in der sie die Zeit des grellen Tageslichts verschlief. Gᅵhnend erhob sie sich von ihrem spartanischen Lager.
ᅵEinen guten Abend wᅵnsche ich, Frᅵulein Alisaᅵ, ertᅵnte eine Stimme. Ein groᅵer, schlanker Mann um die Zwanzig kam auf sie zugeschlendert.
ᅵGuten Abend, Hindrik.ᅵ Alisa konnte sich an keinen Abend ihres dreizehnjᅵhrigen Lebens erinnern, an dem er sie nicht mit diesen Worten begrᅵᅵt hᅵtte. Und wᅵhrend sie sich mit den Jahren verᅵnderte und von einem Kind zu einem jungen Mᅵdchen heranwuchs, blieb Hindrik in seiner Gestalt unverᅵndert, wie alle Servienten, die einst als Mensch gelebt und dann von einem Vampir der reinen Blutlinie verwandelt worden waren. Selbst sein Haarschnitt und seine Bartstoppeln, die bei seinem Tod drei Tage alt gewesen waren, blieben stets die gleichen. Den Versuch, sich zu rasieren oder sich eine modernere Frisur zuzulegen, hatte Hindrik lᅵngst aufgegeben. Einmal hatte er sich den Kopf vᅵllig kahl geschoren, doch als er sich am Abend aus seiner Kiste erhob, war das Haar wieder lang und lockig gewesen wie immer. Wie alt er genau war, wusste Alisa nicht, nur dass er aus dem siebzehnten Jahrhundert stammte.
ᅵSchlᅵfst du denn gar nicht?ᅵ, fragte sie und unterdrᅵckte ein erneutes Gᅵhnen.
ᅵDoch, natᅵrlich Frᅵulein, jeden Tag wie ein Toter. Doch wenn ich erwache, bin ich ein wenig flinker als du.ᅵ
ᅵDu hast auch mehr ᅵbungᅵ, konterte Alisa, zerrte sich ihr langes Leinenhemd ᅵber den Kopf und warf es in die Kiste. Dann zog sie eine ausgebleichte Hose und einen weiten Kittel an.
Genauso wenig, wie es sie ᅵberraschte, dass Hindrik schon auf war, wunderte es sie, dass die beiden anderen Kisten noch geschlossen waren. Ihr Bruder und ihr Vetter, mit denen sie die Kammer auf dem oberen Speicher teilte, hatten es bei Sonnenuntergang nie eilig, aus ihren Kisten zu steigen. Alisa war das ganz recht. Ihr jᅵngerer Bruder Thankmar, den alle auᅵer Dame Elina nur Tammo nannten, war aufsᅵssig und rechthaberisch und ging ihr die meiste Zeit auf die Nerven. Und Sᅵren lieᅵ es sie gern spᅵren, dass er ein Jahr ᅵlter war.
ᅵUnd, was gibt es Neues? Irgendetwas Besonderes, das ich wissen sollte?ᅵ, fragte sie Hindrik, als sie ihr rotblondes Haar zu einem Knoten drehte und unter einer Schiebermᅵtze verstaute. Hindrik zᅵgerte, doch dann verneinte er.
Die Hᅵnde noch an der Mᅵtze drehte Alisa sich um. ᅵKann es sein, dass du mich gerade anlᅵgst?ᅵ Sie sah ihn streng an, doch er hielt dem Blick ihrer hellblauen Augen mᅵhelos stand.
ᅵAber nein, Frᅵulein! Du hast gefragt, ob du es wissen mᅵsstest.ᅵ
Alisa lᅵchelte. ᅵAha, ich sollte in Zukunft meine Worte sorgsamer wᅵhlen.ᅵ
Hindrik lᅵchelte zurᅵck, trat heran und schloss den Deckel ihrer Schlafkiste. ᅵJa, vielleicht solltest du das.ᅵ
ᅵAlso, was ist es, von dem du meinst, ich mᅵsste es nicht wissen, das aber garantiert mein Interesse erwecken wird?ᅵ
Hindrik schᅵttelte den Kopf. ᅵWarte es ab. Du wirst es dann erfahren, wenn Dame Elina es fᅵr richtig hᅵlt.ᅵ
Alisa zog schmollend die Lippe hoch. ᅵDu hast doch nicht etwa Angst vor ihr?ᅵ
ᅵIch kenne das Gefᅵhl von Angst nicht mehrᅵ, sagte Hindrik schlicht. ᅵAber ich bringe Dame Elina Respekt entgegen und werde daher nicht gegen ihre Wᅵnsche verstoᅵen.ᅵ
Alisa wusste, dass das sein letztes Wort war, und verzichtete daher darauf, ihn weiter zu drᅵngen. Sie wᅵrde einen anderen Weg finden mᅵssen. In einer der Kisten regte sich etwas.
Alisa hastete zur Tᅵr. ᅵIch geh dann lieber.ᅵ
ᅵWo willst du hin?ᅵ, fragte Hindrik.
ᅵDie ᅵbliche Rundeᅵ, gab sie ausweichend zurᅵck.
ᅵDu weiᅵt, dass Dame Elina das nicht schᅵtzt! Du solltest nicht allein durch die Gassen laufen.ᅵ
ᅵAch ja?ᅵ Empᅵrt stemmte Alisa die Hᅵnde in die Hᅵften. ᅵUnd die anderen? Die dᅵrfen sich jede Nacht amᅵsieren! Sie sind im Hafen unterwegs, streifen durch die Stadt oder mischen sich unter die Nachtschwᅵrmer am Spielbudenplatz!ᅵ
Hindrik nickte. ᅵJa, denn sie sind erwachsen.ᅵ
ᅵPah!ᅵ, schnaubte Alisa und wandte sich zum Gehen. Vor der Treppe drehte sie sich noch einmal um und sah zu dem Mann in den lᅵngst aus der Mode gekommenen Kniehosen und dem Rᅵschenhemd zurᅵck. ᅵDu wirst mich doch nicht verraten?ᅵ
ᅵWenn mich niemand fragt, dann brauche ich auch nichts zu erzᅵhlen. Und nun mach, dass du fortkommst. Du hast es gehᅵrt, dein Bruder ist aufgewacht. Wenn er dich sieht, will er dich bestimmt begleiten.ᅵ
ᅵDavor mᅵgen mich die Geister der Nacht bewahren!ᅵ, sagte Alisa mit einem Schaudern und eilte die vielen Treppen bis in die groᅵe Diele hinunter, deren mittlerer Balken die Jahreszahl 1680 trug. Damals hatten sich reiche Kaufleute diese prᅵchtigen Hᅵuser im Barockstil erbauen lassen, die sich am Fleet entlang bis zum Binnenhafen reihten. Auᅵer in den letzten beiden Gebᅵuden, die die Vamalia schon vor ᅵber einhundert Jahren fᅵr ihre Familie erworben hatten, lebten und arbeiteten noch immer einige der wohlhabendsten Hamburger Kaufleute in diesen Hᅵusern, die Wohnraum fᅵr den Kaufmann und seine Familie und fᅵr seine Gehilfen und Bediensteten boten, in denen es aber auch Platz fᅵr den Kontor gab und - auf zwei Stockwerken unter dem Dach - Speicher fᅵr die Waren. Der schᅵnste Raum im Haupthaus der Vamalia war die Diele, die sich ᅵber zwei Stockwerke erstreckte, mit einer umlaufenden Galerie, die von geschnitzten Sᅵulen getragen wurde. Auch die Kassettendecke war mit Schnitzereien verziert, die Felder kunstvoll bemalt und mit Blattgold ᅵberzogen. Von der Galerie gingen die Wohn- und Schlafrᅵume der fᅵhrenden Mitglieder der Familie ab. Im Nebenhaus wohnten die Altehrwᅵrdigen. Die ehemals offenen Speicherbᅵden waren in Kammern unterteilt worden, in denen die jungen Vampire und die Servienten schliefen.
Alisa spᅵrte das vertraute Ziehen in ihrem Kiefer, dem bohrender Hunger und dann betᅵubende Gier folgen wᅵrden. Sie hᅵtte das Gefᅵhl gern ignoriert, doch sie wusste aus Erfahrung, dass ihr der Spaziergang keine Freude bereiten wᅵrde, wenn sie versuchte, ihre Natur zu unterdrᅵcken. Daher ging sie in die ehemalige Kᅵche, in der noch immer der groᅵe Herd stand, von dem aus man auch den Kachelofen in der Stube befeuern konnte. Seit der Clan der Vamalia das Haus bewohnte, war der Ofen nicht mehr benutzt worden. Die Vampire spᅵrten weder die Kᅵlte des Winters noch die Hitze des Sommers.
ᅵGuten Abend, Alisaᅵ, begrᅵᅵte sie eine Frau in der Uniform eines Hamburger Dienstmᅵdchens. Sie war wie Hindrik eine Servientin, aber erst vor wenigen Jahren ins Haus gekommen.
ᅵGuten Abend, Berit.ᅵ
Unaufgefordert reichte die junge Frau ihr einen Becher. Alisa stᅵrzte das noch warme Tierblut, das zwei der Bediensteten jeden Abend vom nahen Schlachthof holten, gierig hinunter. Dann verlieᅵ sie das Haus. Inzwischen war es dunkel geworden. Nur die Gaslampen auf den Brᅵcken und in den breiteren Gassen verstrᅵmten in einem kleinen Kreis ihr gelbliches Licht. Alisa zᅵgerte. Sie wusste, dass ihre Aussicht auf Beute in den reicheren Vierteln und um die Bᅵrse am grᅵᅵten war, dennoch zog es sie wie magisch zum Wandrahm und zu den Hᅵusern am Doverfleet. Es war nur eines der Gᅵngeviertel in Hamburg, doch sicher das mit den ᅵbelsten Lebensbedingungen fᅵr die Menschen.
Der atemberaubende Auftakt der Vampir-Trilogie<br />
<br />Ende des 19. Jahrhunderts haben sich die letzten sechs Vampir-Clane über ganz Europa ausgebreitet. Feindselig stehen sie einander gegenüber, doch als ihre Art in der modernen Zeit vom Untergang bedroht ist, gibt es nur einen Weg, das eigene Überleben zu sichern: Gemeinsam sollen ihre Kinder, die Erben der Nacht, ausgebildet werden, damit sie von den Stärken jedes Clans profitieren ...<br />
<br />Die Ausbildung der Erben der Nacht beginnt in Rom. Von den italienischen Meistern sollen die Irin Ivy, der Engländer Malcom, der Wiener Franz-Leopold und die Deutsche Alisa lernen, sich gegen Kirchenkräfte jeder Art zu immunisieren. Doch bald häufen sich die Morde im italienischen Clan. Ein rätselhafter Vampirjäger geht um. Als sich die vier jungen Vampire auf seine Fährte setzen, stoßen sie auf eine teuflische Verschwörung in den eigenen Reihen ...<br />
<br />. Actionreich, schaurig-romantisch und voll wunderbar düsterer Schauplätze<br />. Ein opulentes Drama um Intrigen, Liebe und Verrat<br />. Mitreißender Schmöker Stoff für jeden Vampir-Fan<br />
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"Die Autorin beweist ein besonderes Geschick beim Beschreiben der Charaktere: Alle, bis in die kleinste Nebenfigur, haben mich als Menschen aus Fleisch und Blut überzeugt." (Brigitte extra)
Ulrike Schweikert wurde 1966 in Schwäbisch Hall geboren. Sie arbeitete sechs Jahre lang als Wertpapierhändlerin bei einer Bank. Danach studierte sie Geologie und später Journalismus. Recherchen zur Geschichte ihrer Heimatstadt inspirierten sie zu ihrem ersten Roman für Erwachsene, dem schnell weitere folgten. Inzwischen ist Ulrike Schweikert als freiberufliche Autorin historischer Romane erfolgreich. Für "Das Jahr der Verschwörer" erhielt sie den Kinder- und Jugendkrimipreis MARTIN 2004.
€ 12,00